Bildungsstudie Migranten fordern mehr Sprachförderung in Kitas

Von Almut Siefert 

Migrantenkinder  aus verschiedenen Nationen lernen hier die deutsche Sprache. Foto: dpa
Migrantenkinder aus verschiedenen Nationen lernen hier die deutsche Sprache.Foto: dpa

Seit dem Pisa-Schock 2001 haben die Schüler in Deutschland aufgeholt. Doch bekannte Probleme bleiben: Kinder von Migranten werden unzureichend gefördert.

Seit dem Pisa-Schock 2001 haben die Schüler in Deutschland aufgeholt. Doch bekannte Probleme bleiben: Kinder von Migranten werden unzureichend gefördert.

Berlin - Die Freude über die guten Pisa-Ergebnisse der deutschen Schüler hielt nicht lang. Noch immer haben in Deutschland nicht alle Kinder die gleichen Chancen. Schüler mit Migrationshintergrund kommen hierzulande oft erst auf Umwegen zu höheren Bildungsabschlüssen. Das ist eines der Ergebnisse der StudieBildung, Milieu, Migration“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die am Mittwoch in Berlin präsentiert wurde.

Demnach werden von der Grundschule bis zum Studium die Potenziale von Kindern mit Migrationshintergrund systematisch unterschätzt. Oft dauere es Jahre, bis die Fähigkeiten der Schüler erkannt und die richtigen Weichenstellungen erfolgen würden. Auch wenn der Unterschied zu den deutschen Schülern noch immer vorhanden ist, hat sich dennoch etwas getan. In der aktuellen Pisa-Studie, die ebenfalls in dieser Woche vorgestellt wurde, haben die Kinder mit Migrationshintergrund im Vergleich zu den Vorjahren besser abgeschnitten. „Sie haben sich in den letzten neun bis zwölf Jahren um bis zu 20 Punkte verbessert“, sagte Manfred Prenzel, Leiter der deutschen Pisa-Untersuchung und Bildungsforscher an der Technischen Universität München, unserer Zeitung. Das zumindest seien erfreuliche Entwicklungen.

Auch Gülten Aysel, Vorsitzende der Föderation der Vereine Türkischer Elternbeiräte in Württemberg, kann die positive Entwicklung bestätigen. „Ich sehe in den Schulen und im Bekanntenkreis, dass die Schüler besser geworden sind“, sagt sie. Das läge einerseits an der zusätzlichen Förderung in den Schulen, aber auch an der Arbeit der türkischen Elternvereine. Eltern mit Migrationshintergrund fehlt oft das Wissen über das deutsche Bildungssystem – das bestätigt auch die Düsseldorfer Studie.

Sprache nicht nur für Deutschunterricht wichtig

Mit Blick auf die Ergebnisse der Pisa-Studie hat die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), mehr Bildungsangebote für Migranten gefordert. Böhmer sprach sich vor allem für eine hochwertige Sprachförderung und für eine bessere Vorbereitung der Lehrer aus. Zudem müssten die Eltern der Kinder stärker informiert und über das Bildungssystem aufgeklärt werden.

Die Vereine könnten viel Aufklärungsarbeit bei den Erwachsenen leisten, sagt Aysel. „Wir erklären den Eltern, dass sie sich schon in der Kita einmischen müssen und wie wichtig es ist, schon früh viel mit den Kindern zu lesen“,erzählt sie von ihrer ­ehrenamtlichen Tätigkeit. Als wichtigster Grund für den schulischen Erfolg gelten die Sprachkenntnisse der Kinder. Da käme die Förderung in der Schule oft zu spät, sagt Aysel. „Es ist wichtig, dass die Kinder schon Deutsch sprechen und verstehen können, wenn sie in die erste Klasse kommen“, sagt sie. Die Sprache ist nicht nur für den Deutschunterricht wichtig.

Spätestens wenn in Mathematik die Textaufgaben kommen, wird es auch hier schwierig, wenn man Probleme mit der Sprache hat. „Da können die Kinder noch so gut sein in Mathe, sie schneiden trotzdem schlecht ab“, sagt Aysel. Deshalb sollte vor allem die Förderung in den Kindertagesstätten vorangebracht werden. Kinder aus Zuwandererfamilien müssten prinzipiell einen Ganztagsplatz in den Kitas bekommen. „Das ist das A und O“, sagt Aysel – aber ­genau hier läge das Problem.

Oft bekommen nur Kinder von Eltern, die Vollzeit arbeiten, einen solchen Platz – und das trifft auf Zuwandererfamilien meist nicht zu. „Viele türkische Eltern möchten einen Ganztagsplatz, bekommen aber keinen“, so Aysel. Vor der Förderung in den Schulen sollten die Kitas besser ausgestattet, und es müsste mehr in die Sprachförderung und die Erzieher investiert werden. Die Gruppen seien in den meisten Kindertagesstätten zu groß, die Erzieher mit der Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund oft überfordert.

Auch der Bildungsexperte Jörg Dräger, der im Vorstand der Bertelsmann-Stiftung für Bildung zuständig ist, sieht Handlungsbedarf bei der Kinderbetreuung. Er forderte die künftige Bundesregierung auf, umfassend in Bildung zu investieren. „Wir brauchen mehr Krippen und mehr Ganztagsschulen, wir müssen die Inklusion ausbauen, und wir müssen die Lehrerfortbildung stärken“, sagte er.

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