Bilanz 2012 Wilhelma hofft 2013 auf Rekordbesuch

Michael Deufel, 05.01.2013 10:00 Uhr
Baulärm am Affenhaus hält kaum vom Zoo-Besuch ab, eher schon schlechtes oder zu heißes Wetter. So interpretiert der Direktor der Stuttgarter Wilhelma, Dieter Jauch, den leichten Besucherrückgang im Jahr 2012 – und hofft mit der bald fertigen Menschenaffenanlage auf ein Rekordjahr 2013.

Stuttgart - Wo geht’s denn hier zum Streichelgehege? Seit gut drei Jahren nicht auf direktem Weg – zumindest wenn man die Stuttgarter Wilhelma am Haupteingang betritt. Zwischen den Raubtiergehegen und dem begehbaren Ziegenauslauf am Schaubauernhof standen und stehen Bautrupps und schweres Gerät im Weg. Der Ausflug in den Zoo, ein Hindernislauf, Lärm und Dreck inklusive. Doch Besucher der Wilhelma sind, was die Großbaustelle Menschenaffenanlage anbelangt, genügsam, sehr genügsam sogar. Ein Blick auf die Besucherstatistik lässt kaum einen anderen Schluss zu. Zuletzt passierten regelmäßig weit über zwei Millionen Menschen pro Jahr die Eingänge zum zoologisch-botanischen Garten, so auch im abgelaufenen Jahr. Nach derzeitigem Stand dürften es 2,13 Millionen gewesen sein, „je nachdem wie die Weihnachtsferien verlaufen sind“, sagt Wilhelma-Direktor Dieter Jauch. Die genauen Zahlen liegen noch nicht vor.

Der Rückgang um voraussichtlich sieben Prozent gegenüber den 2,29 Millionen aus dem Vorjahr ist laut Jauch nicht auf die Dauerbaustelle Affenhaus zurückzuführen. „Dafür gibt es keine belegten Hinweise.“ Der Zoo-Chef hat eine andere Erklärung für den leichten Besucherrückgang. Man müsse einfach sehen, „dass das Jahr 2012 wettermäßig nicht so schrecklich gut war“. Ein langer Winter, ein mäßiges Frühjahr mit Ausnahme des Mai, ein durchwachsener Frühsommer und ein für einen Zoo-Besuch viel zu heißer August – das habe die Bilanz zwar nicht verhagelt, aber etliche Besucher davon abgehalten, in die Wilhelma zu kommen. In Spitzenjahren kommen allein im August 350 000 Gäste und mehr.

Eisbär-Baby Wilbär hat 2008 2,42 Millionen Gäste in Verzückung versetzt

Als künftige Attraktion dürfte das Menschenaffenhaus das Besucherminus mehr als ausgleichen – „wenn die Anlage nicht erst im Sommer fertig wird“, so der Zoo-Chef in einem Anflug von Sarkasmus. Jauch geht nach 25 Jahren als Direktor Ende 2013 in den Ruhestand. Er würde seinem Nachfolger respektive seiner Nachfolgerin gerne ein bestelltes Feld überlassen – mit einer Besucherbilanz, die mindestens an das Rekordjahr 2008 heranreicht. Damals hatte Eisbär-Baby Wilbär 2,42 Millionen Gäste in Verzückung versetzt. „Wenn es gut läuft, können wir so ein Spitzenjahr wieder erreichen.“

In die Besucherbilanz gehen alle verkauften Tageskarten ein, dazu werden pauschal 20 Zoo-Besuche pro Jahreskarte addiert. Laut Jauch wird der Vergleichbarkeit wegen in allen deutschen Zoos so verfahren. Gemäß diesem Schlüssel hält die Wilhelma beim Besucherzuspruch Jahr für Jahr problemlos mit den großen deutschen Tierparks mit.

Dazu, was die Tickets künftig kosten, hält sich der Stuttgarter Zoo noch bedeckt. Es sei nicht entschieden, ob die Eintrittspreise steigen, so Wilhelma-Sprecherin Karin Herczog. Nach vier Jahren ohne dürfte es im Frühjahr einen Preisaufschlag geben, egal wann das Affenhaus tatsächlich fertig wird.

Im April 2010 wurde der Grundstein fürs Affenhaus gelegt

Trotz stabiler Preise hätten die Besucher während eines Spaziergangs durch die Wilhelma allen Grund gehabt, die Nase zu rümpfen. Sie mussten die Unannehmlichkeiten einer Großbaustelle erheblich länger ertragen als vom zuständigen baden-württembergischen Finanzministerium angekündigt. Im April 2010 wurde mit großem Bahnhof der Grundstein fürs Affenhaus gelegt, in den Monaten davor alte Gebäudesubstanz abgerissen. Im Frühjahr 2012 hätte das Gehege fertig werden sollen. Unstimmigkeiten bei Planung, Finanzierung und Bau verzögern das Vorhaben aber bis heute immer wieder. So werden die ersten Affen wohl erst in den nächsten Tagen umziehen. Die offizielle Eröffnung ist für Ende März geplant.

Der genaue Starttermin für den potenziellen Besuchermagneten hängt übrigens auch vom Terminkalender des Finanzministers ab. Nils Schmid, oberster Dienstherr des Stuttgarter Zoos, sei ein großer Wilhelma-Fan. Daher wolle er die Eröffnung gerne persönlich vornehmen, heißt es im Umfeld der Landesregierung.

 
 
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