Bibelmuseum Stuttgart Kinderbibeln im Wandel der Zeiten

Von Brigitte Jähnigen 

Standardwerk: die Neukirchener Kinderbibel Foto: Neukirchener Verlag
Standardwerk: die Neukirchener KinderbibelFoto: Neukirchener Verlag

„Kinderbibel: Damals - heute – morgen“ heißt eine Sonderausstellung im „Bibliorama“, dem Bibelmuseum Stuttgart, die noch bis zum 31. Mai zu sehen ist.

Stuttgart - „Kinderbibel: Damals - heute – morgen“ heißt eine Sonderausstellung im „Bibliorama“, dem Bibelmuseum Stuttgart. Die ­Präsentation gliedert sich in drei Teile, zeigt auf Infotafeln und anhand von Objekten die historische Entwicklung von Bibeln, in einer Leseecke moderne Kinderbibeln und regt mit Kreativangeboten zur eigenen Gestaltung an.

Elementare Kurztexte, eindrückliche ­Illustrationen: Pfarrer Hartman Beiers „Biblische Historien“, gedruckt um 1533 in der Frankfurter Druckerei Egenolff, widmet der Verfasser auch den Kinder. Ihnen, die wie zehn bis 40 Prozent der Laien in dieser Zeit weder schreiben noch lesen können, soll „die Macht Gottes“ (Ps. 78,4) als Lehre, ­Warnung und Vorbild vermittelt werden.

1592 wurde im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken als erstem Territorium weltweit eine allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Knaben eingeführt; erst 1919 verfasste die Weimarer Republik eine allgemeine Schulpflicht für ganz Deutschland.

Gott Vater mit weißem Bart

Kinder hörten die christlichen Heilsgeschichte zunächst also im familiären Umfeld und in der Kirche. Illustrationen, meist in narrativem Stil, halfen in der Vermittlung. Für Kinder gedachte Illustrationen fehlten, biblische Geschichten wurden meist ins mitteleuropäische Milieu verlegt. Gott Vater war alt, trug einen weißen Bart, saß auf einem Wolkenthron, umschwirrt von Engelsfiguren. In der Adaption der Jesusfigur fehlten aramäische und jüdische Quellen – der Sohn Gottes war blond und hatte blaue Augen. Beispiele in der Ausstellung legen davon Zeugnis ab. Christliche Unterweisungen zielten auf eine „Pädagogik des Glaubens“, Kinder sollten „zu wahrer Gottseligkeit“ geführt werden. Gelernt wurde nicht über gutes Vorbild, gelernt wurde über schlechtes Beispiel und das Regelwerk der zehn Gebote. Vor allem das Elterngebot wurde als gottgewolltes Prinzip der Unterwerfung unter den Ranghöheren praktiziert. Wer nicht hören wollte, „musste fühlen“.

Im 19. und 20. Jahrhundert – Bibelobjekte in der Ausstellung zeigen es – verändert sich das Bild vom Kind. Ein Kind, bisher eher ein leeres Gefäß, in das, um ein guter Erwachsener zu werden, allerlei gottgefälliges Wissen und Verhalten gefüllt werden musste, galt jetzt in der Reformpädagogik als Individuum. Süßlichkeit und Oberflächlichkeit in der Gestaltung wichen einem expressivem Stil. Die Ausstellung nennt als Beispiel die „Kinder-Bibel“ mit Buchschmuck des Schweizer Malers Rudolf Münger (1862-1929).

Illustrationen, das zeigt die Präsentation, waren immer vom Kunststil der Zeit, aber auch vom gesellschaftlichen Zeitgeist ­geprägt. In Karel Eykmanns „Die Bibel erzählt“ aus dem Jahr 1976 ist Jesus bei Maria und Marta zu Besuch. Jesus hilft den Frauen beim Abwaschen in der Küche. Er trägt ­lange Haare, vor dem Bauch eine Schürze und hantiert geschickt mit dem Abtrock­entuch.

Bibelcomics und Wimmelbibeln

Als Fazit, das die Ausstellungsmacher ­selber treffen, kann gelten: Auch heute gibt es keine perfekte Kinderbibel; die Fülle der vorhandenen Produkte muss sich auf den Prüfstand stellen lassen. Was sich jedoch in vielen Kinderbibeln zum Positiven verändert hat, sind klare Texte ohne Moralisierungen, Illustrationen, die Jesus mit seiner orientalischen Herkunft zeigen, pädagogische Sensibilität.

„Kinderbibel damals – heute – morgen“ zeigt historisches Quellenmaterial, 40 ­aktuelle Kinderbibeln, Wimmelbibeln für die Kleinsten und Bibelcomics, lädt an ­Hörstationen zu Bibelgeschichten ein, ­animiert zum Gestalten mit Lego, Flanellbildern, Puzzles, auf Kreidetafeln.

Die Ausstellung im Bibelmuseum Stuttgart, Büchsenstraße 37 ist noch bis 31. Mai 2016 geöffnet.

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Weiers Weinlese Bohnen statt Trauben

Von 1. Mai 2016 - 17:10 Uhr

Winterwunderland – aber doch nicht mehr Ende April! Unser Weinkolumnist Michael Weier steht da als Hobbywinzer ganz auf der Seite seiner professionellen Kollegen: Diese Kälte hätte nun wirklich nicht gebraucht. Selbst die Kohlrabi, die der Journalist angesichts zu erwartender geringer Traubenernte gepflanzt hat, könnten unter der Kälte leiden!