Es war die Überraschung in der Bezirksbeiratssitzung am Dienstagabend, und wohl keiner der anwesenden Kommunalpolitiker hätte damit gerechnet. Nachdem alle Tagesordnungspunkte in der Stammheimer SchlossScheuer diskutiert, alle Fragen seitens der Bürger und Beiräte gestellt und alle Mitteilungen verlesen waren, verkündete Tina Hülle noch eine Personalie in eigener Sache: "Ich bin seit 2007 hier, also im fünften Jahr in Stammheim", hob sie sichtlich bewegt an. "Es fällt mir sehr schwer, aber ich werde meine Stelle als Bezirksvorsteherin zum ersten Zwölften aufgeben." Sie wisse, dass es derzeit viele wichtige und noch laufende Projekte in Stammheim gebe wie zum Beispiel die gewünschte Umgestaltung des Freihofplatzes oder die Entwicklung eines zukunftsfähigen Konzeptes für die Grund- und Hauptschule. Leider könne sie diese nicht mehr persönlich zu Ende bringen. Die Gründe für ihre Entscheidung lägen im privaten Bereich: "Mein Lebensgefährte lebt in Bamberg, dort habe ich es auch näher zu meiner Heimat", sagte die gebürtige Zittauerin. Die berufliche Weichenstellung ist bereits erfolgt: "Ich übernehme in Bamberg die Leitung der Wirtschaftsförderung", sagte sie und bat bei den Bezirksbeiräten um Nachsicht dafür, dass ihr Wechsel so kurzfristig sei und die Nachricht für viele überraschend komme. Das kam sie allerdings: "Wir waren alle platt", sagt CDU-Bezirksbeirat Stefan Kulle auf Nachfrage. Er bedauere Hülles Entscheidung, äußerte aber Verständnis: "Die Zusammenarbeit mit ihr war angenehm, sie hat Themen, die bei ihrem Vorgänger brach lagen, vorangebracht", sagt Kulle. Ähnlich äußert sich Peter Dietz-Vowinkel, stellvertretender Vorsitzender der Stammheimer SPD: "Sie hat einen frischen, jungen Wind nach Stammheim gebracht. Ihr größtes Anliegen war nicht nur der Erhalt, sondern die Aufwertung des Stadtbezirks." Tina Hülle habe vieles begonnen, das nachhaltig wirke und woran ihre Nachfolgerin oder Nachfolger anknüpfen könne. Auch Ulrike Zich, die Sprecherin der Stuttgarter Bezirksvorsteher, lobt Hülles Einsatz: "Sie ist sehr aktiv und engagiert und hat vieles ins Rollen gebracht." Es sei schade, dass sie nicht alle Früchte ihrer Arbeit ernten könne.
Wenn Tina Hülle von Dezember an nicht mehr in Stammheim sein wird, dann leiten ihre aktuellen Stellvertreterinnen, Susanne Laufenberg und Susanne Korge, das Bezirksamt kommissarisch. "Es muss jetzt dafür gesorgt werden, dass die Stelle des Bezirkvorstehers möglichst bald ausgeschrieben und neu besetzt wird", sagt Susanne Laufenberg. Es gebe im Ort zahlreiche laufende Projekte, die dringend weitergeführt werden müssten. "Unsere Intention ist, dass wir so schnell wie möglich einen Nachfolger für Frau Hülle finden."