Bezirksrathaus Sillenbuch Von der „Strambe“ zur Stadtbahn

Von Ralf Recklies 

Hans-Georg Müller (im Bild) und Foto: Ralf Recklies
Hans-Georg Müller (im Bild) und Foto: Ralf Recklies

Im Bezirksrathaus wird die Geschichte von Bus und Bahn in Bildern und Texten vor Augen geführt.

Sillenbuch - Seit mehr als 80 Jahren ist Sillenbuch durch öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit dem Rest der Welt verbunden. Zwei Buslinien waren 1927 eingerichtet worden. Die Linie K führte nach Degerloch und Kemnat, die Linie U über Heumaden und Ruit bis Unterboihingen. „Die Anbindung war mit sieben Fahrten am Tag aber völlig unzureichend und zu teuer“, sagt Hans-Georg Müller. Der Ortshistoriker hat für den Bürgerverein gemeinsam mit Achim Zwierzynsky, dem Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins, die inzwischen achteinhalb Jahrzehnte währende Geschichte von Bus und Bahn beleuchtet. Das Ergebnis ist im Sillenbucher Bezirksrathaus in einer kleinen Ausstellung zu sehen.

Im Jahr 1999, als die im Volksmund „Strambe“ genannte Straßenbahn ausrangiert und Sillenbuch mittels Stadtbahn in das SSB-Netz integriert worden ist, hatten Müller und Zwierzynsky das Thema schon einmal aufgegriffen. „Auf diesen Fundus konnten wir zurückgreifen“, sagt Müller bei einem Rundgang durch die Schau. „Mit der Straßenbahn kam auch die Entwicklung von Sillenbuch“, erzählt Müller und verweist auf Luftaufnahmen und Pläne, die zeigen, wie der Ort nach der ÖPNV-Anbindung gewachsen ist. Waren es Ende der 1920er-Jahre rund 950 Einwohner, so zählte Sillenbuch schon Mitte der 1930er-Jahre 3000 Einwohner – Ende der 1930er-Jahre waren es rund 4000.

Sillenbuch wächst nach der Anbindung an die ÖPNV

„Sillenbuch ist plötzlich zum Wohnen auch für viele Stuttgarter interessant geworden“, sagt Müller. „Der 5. April 1930 ist für den Ort daher ein sehr wichtiges Datum“, erklärt der Chronist und verweist auch auf die Bedeutung, die die Anbindung mit dem Zehner hatte. Viele honorige Personen seien daher auch bei der ersten Fahrt der Straßenbahn dabei gewesen. Die Linie 10 wurde später vom Fünfer abgelöst, dann war es die Linie 15, die von und nach Sillenbuch führte. Seit 1965 wurden auf der Strecke mit dem GT 4 auch moderne Schienenfahrzeuge eingesetzt.

Sillenbuch ohne Stadtbahn ist heute nicht denkbar

Nachdem die Buslinien K und U kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingestellt worden waren, hat die Schienenanbindung zunehmend an Bedeutung gewonnen. Heute sei Sillenbuch ohne Stadtbahn nicht vorstellbar, sagt der seit fünf Jahrzehnten in dem Ort lebende Müller.

Eine besondere Affinität zum Thema ÖPNV hat Müller nicht – „außer dass ich diese Verkehrsmittel natürlich nutze“. Da er aber in der Vergangenheit bereits mehrfach Vorträge zum Thema gehalten und dieses auch schon längere Zeit für eine kleine Ausstellung im Blick gehabt habe, war es für ihn ein spannendes Unterfangen, die Entwicklung des ÖPNV nochmals aufzuarbeiten. Er hat dabei nicht nur viele Bilder gefunden und Stimmen von Zeitzeugen gesammelt, sondern auch zahlreiche andere Quellen ausgewertet.

Ein Teil der im Bezirksrathaus zu sehenden Schau ist bereits im Wilhelms­palais bei einer Ausstellung der IG Stadtmuseum zu sehen gewesen. Mindestens zwei Monate soll die Präsentation in Sillenbuch gezeigt werden und Müller hofft, dass die akkurat aufbereitete Schau auch viele neugierige Besucher erreicht.

Redaktion Sillenbuch

Ansprechpartnerinnen
Judith A. Sägesser und Eveline Blohmer
sillenbuch@stz.zgs.de

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