Bezirksbeirat in Stuttgart CDU-Mann vermietet Häuser im Rotlichtviertel

Michael Isenberg, 08.11.2012 10:12 Uhr
Ist der CDU-Mann Paul Eckert durch die Immobilien als Bezirksbeirat befangen? Auch die CDU und die Stadt geraten in Erklärungsnot. Er sagt: „Ich vermiete nicht an Prostituierte.“

Stuttgart - Paul Eckert hält 50 Prozent an drei Häusern im Leonhardsviertel; in einem Haus davon arbeiten Prostituierte. Ein weiteres Bordell-Haus im Viertel ist laut Eckert im „Familienbesitz“. Ist der CDU-Mann durch die Immobilien als Bezirksbeirat befangen? Auch die CDU und die Stadt geraten in Erklärungsnot.

Im Erdgeschoss ist eine Bar. Ein Pils kostet fünf Euro, ein Johnny Walker acht Euro. Auf den oberen Stockwerken in der Leonhardstraße 1 wird Sex verkauft. Eine Handvoll Frauen arbeitet dort. Mit 50 Euro ist ein Freier dabei.

Bei der Polizei gilt die Leonhardstraße 1 als „unauffällige“ Adresse im Rotlichtviertel. Mit der langjährigen Wirtin der Bar oder den selbstständigen Huren gebe es fast nie Schwierigkeiten, sagen die Beamten. Doch jetzt rückt der Eigentümer des Hauses in den Blickpunkt: Nach Recherchen unserer Zeitung handelt es sich dabei um Paul Eckert. Der 55-Jährige ist Rechtsanwalt, seit Jahrzehnten Mitglied der Stuttgarter CDU und seit 2009 einer der CDU-Bezirksbeiräte im Stadtbezirk Mitte. Im selben Jahr kandidierte Eckert als Stadtrat, verfehlte aber trotz eines guten Resultats von 43 682 Stimmen den Einzug in den Gemeinderat.

Es stellt sich die Frage der Befangenheit

„An der Leonhardstraße 1 bin ich – wie an der Jakobstraße 2 und 4 – als Eigentümer zu 50 Prozent beteiligt“, bestätigt Eckert unserer Zeitung. Die anderen 50 Prozent gehörten seinem Vater. „Mir ist bekannt, dass sich in der Leonhardstraße 1 im Erdgeschoss eine Animier-Bar und in den Obergeschossen teilweise Zimmer befinden, in denen Frauen wohnen und auch der Prostitution nachgehen“, sagt der 55-Jährige.

Das Leonhardsviertel mit seinen sozialen und städtebaulichen Konfliktlagen ist für den Bezirksbeirat Mitte ein ständiges Thema. Das wirft die Frage auf, inwieweit bei Eckert nicht eine Interessenkollision vorliegt. „Ich akzeptiere, dass ich befangen sein könnte“, entgegnet Eckert. „An Bezirksbeiratssitzungen nehme ich zu Tagesordnungspunkten, bei denen ich befangen sein könnte, aber nicht teil.“ Diese Trennung klappt offenbar nicht immer: So wurde Eckert bei der Bezirksbeiratssitzung am 5. März 2012 nach Auskunft der Stadtverwaltung im Protokoll als „anwesend“ geführt – und an dem Tag stand die für Hausbesitzer und die Rotlicht-Branche gleichermaßen wichtige neue Vergnügungsstättenkonzeption auf der Tagesordnung und wurde besprochen.

„Ich habe der CDU und Herrn Eckert schon mehrfach in längeren Gesprächen den Hinweis gegeben, eine mögliche Befangenheit zu prüfen“, sagt Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne). Im Rathaus war nicht bloß Kienzle geläufig, dass der CDU-Mann Häuser im Leonhardsviertel besitzt. „Die Verquickung als Bezirksbeirat geht gar nicht“, ärgert sich ein Beamter. Auch in der Partei wussten manche Bescheid. Der Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann indes zeigt sich überrascht: „Ich habe keinen Zweifel, dass Bezirksbeirat Eckert sein ehrenamtliches Mandat ordnungsgemäß ausübt. Mithin gilt für ihn wie für alle Menschen die Unschuldsvermutung.“

 
 
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Kommentare (26)
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JoJo Ist schon länger als 1 Jahr her
es ist schnell etwas geschrieben und einen ehrenwerten Menschen belastet. Drum prüfe wer schreibe und korrigiere sich, wenn es erforderlich ist. Aber leider wissen die heutigen Journalisten kaum mehr was Korrektur bedeutet. Gerne haut man einen in die Pfanne um des lieben Geldes wegen! Aber Geld mach nicht glücklich.
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Dr. Diethelm Gscheidle Ist schon länger als 1 Jahr her
Sehr geehrte Damen und Herren, an dieser Stelle sehen Sie, dass sich in der ehemals sehr redlichen CDU längst unredliche Tendenzen ausgebreitet haben! War Herr Eckert im Jahr 2009 offenbar noch ein redlicher Bewahrer von Moral und Sitten, scheint er heute Geld an zutiefst unhygienischem, ekelerregendem und widernatürlichem Sechs zu verdienen! Aus diesem Grund habe ich auch die Redlichkeitswertung der CDU auf meiner Heimseite über die Redlichkeit von Parteien, die Sie unter http://omec.us/ddg/parteien.html aufrufen können, um einen weiteren Punkt gesenkt! Ich empfehle enttäuschten CDU-Wählern daher, künftig bei Wahlen die PBC zu wählen - dies sind die wahren Bewahrer von Anstand, Moral, Sitten und Redlichkeit! Mit freundlichen Grüßen Dr. Diethelm Gscheidle Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte
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Ex CDU ler Ist schon länger als 1 Jahr her
Immer alles verharmlosen und das Fähnchen in den CDU - Wind halten. Die Menschenwürde ist euch so was von egal, Hauptsache man macht Kohle egal wie, typisch CDU.
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G.Leitz Ist schon länger als 1 Jahr her
Wenn ich die Beschäftigungsfelder dieses Herrn so betrachte, ehrenwerter Kirchenmann und Rotlichtimmobilien, verstehe ich jetzt endlich, was man sich unter dem Begriff 'aktiver Christ' vorstellen muss! :- D
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knieselstein Ist schon länger als 1 Jahr her
Prostitution ist von rot-grün per Gesetz zu einem sozialversicherungspflichtigen Beruf erklärt worden, Steuern mussten die ja schon immer zahlen. Wenn er jetzt nicht mehr an die vermietet, können die ihn ja sogar wegen Diskriminierung verklagen ;-)
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