Bewegung Sport schafft Arbeitsplätze

Von Matthias Jung 

Menschen aller Altersstufen entdecken Bewegung 
und Fitness für sich. Sportfachkräfte sind gefragt. Foto: Fotolia
Menschen aller Altersstufen entdecken Bewegung und Fitness für sich. Sportfachkräfte sind gefragt.Foto: Fotolia

Vom Fitnesskaufmann über die Sporttherapeutin bis zum Personal Trainer - in der wachsenden Sportbranche eröffnen sich viele berufliche Möglichkeiten.

Für Lina Veit ist es 'das Beste, was es gibt, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann'. Die 19 Jahre alte Fußballerin liebt den Sport, daher war es inhaltlich für sie kein großer Schritt an die private Berufsfachschule Kiedaisch in Stuttgart. Dort macht sie eine Ausbildung zur Sport - und Gymnastiklehrerin. 'Ich wollte einen Beruf ausüben, in dem ich mich viel bewege und mit Menschen zu tun habe', erklärt Veit. Bei Kiedaisch erhält sie eine breite Grund­lagenausbildung, kann sich im Laufe der fünf Semester aber auch spezialisieren. Ihr besonderes Interesse gilt der Sporttherapie, später würde sie gerne mit stark über­gewichtigen Kindern arbeiten. Veit hat sich für einen Markt entschieden, auf dem es mehr und mehr Stellen gibt. 'In den vergangenen Jahren ist der Sport stets stärker gewachsen als das Brutto­inlandsprodukt in Deutschland. Es ist davon auszugehen, dass dieser Trend anhält', sagt der Professor Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Dabei schaffe dieser Sektor 'auch in zunehmendem Maße Arbeitsplätze'. So habe sich die Zahl der Mitglieder in deutschen Fitness-Studios in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, sagt Dustin Tusch, Sprecher des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) in Hamburg. 'Entsprechend hoch ist auch der Bedarf an hoch qualifiziertem Personal.'

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Zusätzlich wachsen könnte der Sportsektor durch das gerade in Kraft getretene Präventionsgesetz, mit dem die Krankenkassen verpflichtet werden, mehr Geld in Angebote der Gesundheitsprävention zu stecken, 'Dafür sind wiederum gut aus­gebildete Fachkräfte erforderlich', meint Stefan Anderer, Bereichsleiter Sport und Gesellschaft im Württembergischen Landessportbund (WLSB). Berufliche Möglichkeiten gibt es im Sport viele. Neben Tätigkeiten etwa als Sportmanager oder Fitness-Kaufmann steigt auch die Nachfrage in der Sportpraxis - von der Aerobic-Trainerin im Fitness-Studio über den Sporttherapeuten in Kurkliniken bis zum Sportwissenschaftler in Vereinszen­tren. Auch im Tourismus sind Sportfachkräfte gefragt, zudem sehen Experten das Personal Training und die Betriebliche Gesundheitsförderung als Wachstumsmärkte. Neben dem Lehramt an Schulen oder der klassischen dualen Ausbildung in einem Betrieb kommen für Schulabgänger je nach Abschluss und Ziel auch Berufsfachschulen wie Kiedaisch infrage. Wer perspektivisch in Führungspositionen arbeiten will, ist möglicherweise besser in einem dualen Studium oder an einer Universität aufgehoben. Eine der renommiertesten ist die Deutsche Sporthochschule, die mehrere Bachelor- und Masterstudiengänge anbietet.

Das Studium ist breit gefächert

Ann-Katrin Schlitter hat sich für ein duales Studium entschieden. Die 24-Jährige wird sich nach ihrem Abschluss Bachelor of Science in Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften nennen können. Diesen acht Semester dauernden Studiengang bietet Kiedaisch gemeinsam mit der Dresden International University an. 'Das Studium ist breit gefächert, daher habe ich später viele Möglichkeiten', sagt die Handballerin. Sie hatte zunächst als Kauffrau gearbeitet, wollte dann aber 'nicht nur im Büro sitzen. Ich bin ein Typ, der mit Menschen zu tun haben will.' Schlitter und Veit besäßen etwas, was neben Sportlichkeit und Fachwissen wichtig sei, sagt der stellvertretende Schulleiter Kilian Kiedaisch: Sozialkompetenz. 'Unsere Leute sind sehr offene und unkomplizierte Menschen. Man muss Nähe aushalten und sich öffnen können.' Mit ihrem akademischen Abschluss könnte für Schlitter später auch das 2010 eröffnete Sportzentrum 'Loop' des SV Fellbach infrage kommen. Sie wäre dann eine Kollegin von Lisa Jung, die dort unter anderem die Dance Academy leitet. Die 26-Jährige hat an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken einen Bachelorabschluss als Gesundheitsmanagerin erworben. Ihr Ausbildungsbetrieb war ein Fitness-Studio. Jung weiß, dass von Fachkräften wie ihr Flexibilität erwartet wird - auch bei den Arbeitszeiten. 'Gerade in der Fitness sind Leute wie wir dann am Arbeiten, wenn andere freihaben', sagt Jung.

Jobs im Gesundheitswesen

Die Bezahlung liegt zudem deutlich unter der in vielen Berufen der Industrie, was Jung aber nicht stört. 'Wenn jemand monetär gesteuert ist, ist Fitness nicht die geeignete Branche', betont sie. Ihr sei es wichtiger, dass sie von den Menschen etwas zurückbekomme. Ihr Kollege Karim El Azzazy, der in der Kornwestheimer Gluckerschule ein Bachelorstudium absolviert hat, glaubt, dass er als Sporttherapeut eine gewisse Jobsicherheit hat. 'Gerade der Reha-Bereich, in dem ich arbeite, wird ein großes Feld werden', sagt der 24-Jährige. Die Gesellschaft werde schließlich immer älter. Heike Kiedaisch, Ausbildungsleiterin der gleichnamigen Schule, nennt als mögliches Gehalt für Sport- und Gymnastiklehrer etwa 2800 Euro im Monat. Bachelorabsolventen dürfen mit ein paar Hundert Euro mehr rechnen. Führungskräfte in Sportvereinszentren können zwischen 4000 und 5000 Euro verdienen. Die Loop-Leiterin Susan Bense hat in Fellbach einen dieser Jobs. 'Bei Bewerbern ist es mir immer wichtig, dass sie Praxiserfahrung mitbringen', sagt die Diplom-Sportökonomin und Aerobic-Trainerin. Man solle vor dem Abschluss schon mal einen Kurs geleitet oder im Fitness-Studio gearbeitet haben. Zu ihren 16 fest angestellten Voll- und Teilzeitmitarbeitern würden weitere hinzukommen. 'Die Branche entwickelt sich, die Nachfrage nach Fachkräften wird größer.'

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Produktdesigner Die Dinge besser machen

Von 21. März 2016 - 5:00 Uhr

Sie machen weit mehr, als nur eine schöne Hülle für ein Gerät zu schaffen. Sie sind zunehmend Generalisten, die oft mit Spezialisten Hand in Hand arbeiten.