Bewegender Facebook-Post Arzt schildert dramatische Lage in Flüchtlingscamp

Von mrz 

In Deutschland gibt es zahlreiche Erstaufnahmelager für Flüchtlinge.  Foto: dpa
In Deutschland gibt es zahlreiche Erstaufnahmelager für Flüchtlinge. Foto: dpa

Der deutsche Arzt Raphaele Lindemann arbeitet seit etwa einem Monat in einem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge. Jetzt legt er die schockierenden Zustände in den Camps in einem bewegenden Facebook-Eintrag offen - und findet damit eine breite Öffentlichkeit.

Stuttgart - Es sind dramatische Zustände, die Raphaele Lindemann in seinem Facebook-Post mitteilt. Der Arzt, der seit etwa einem Monat in einem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge arbeitet, findet mit seinem aktuellen Eintrag viel Gehör. Und wurde Stand Samstagmittag bereits fast 150.000 Mal weiter verbreitet.

 

Liebe Leute,nach nun fast vier Wochen im Erstaufnahmelager, finde ich endlich mal die Zeit ein paar Zeilen zur...

Posted by Raphaele Lindemann on  Thursday, January 28, 2016

Lindemann beschreibt in seinem Post, wie es den Flüchtlingen und auch den Helfern in dem Camp geht: "Diese Menschen kommen in einem absolut desolaten und erbarmungswürdigen Zustand hier an. Sicher wird es manchen erstaunen, dass es sich nicht zu 90% um junge, gesunde Männer handelt. Das hat das Wanken der Nachzugsregelung erfolgreich zum Schlechteren gewendet."

Damit nicht genug: "Ich sehe pro Schicht etwa 300-500 Flüchtlinge. Mindestens 40 Prozent davon sind KINDER! Es gibt Familien, es gibt Alte und ja – es gibt auch junge Männer. Warum auch nicht? Allen gemein ist, dass sie absolut entkräftet und fertig sind. Ich habe bisher nie so viel Elend und Verzweiflung auf einem Haufen gesehen."

Die Ausführungen von Lindemann werden besonders an Stellen deutlich, an denen er Beispiele nennt. Wie dieses hier: "Neulich haben wir zum Beispiel eine Frau versorgt, deren Beine komplett verbrannt waren. Keine Ahnung wie sie es überhaupt bis zu uns geschafft hat. Wir haben allein eine halbe Stunde gebraucht, um die festgeklebten, schmutzigen und stinkenden Verbände von den vereiterten Wunden zu lösen. Da war aber kein Klagen und da war keine Anspruchshaltung."

Überhaupt beklagt er das Verhalten unserer Gesellschaft: "Es zeugt schon von einer bemerkenswerten Moralvorstellung, wenn man auf Facebook das Elend eines gequälten Hundes anprangert und gleichzeitig sehenden Auges all diese Menschen vor unseren Grenzen krepieren lassen will – und wenn es nur durch Unterlassung ist. Ob das ein schützenswertes Abendland ist?"

In seinem Eintrag hat Lindemann auch Lob für Kanzlerin Angela Merkel übrig, als er schreibt: "Durch ihr 'Wir schaffen das' hatte ich zum ersten Mal so was wie Respekt und Anerkennung für die Kanzlerin übrig. Weil sie ohne mit der Wimper zu zucken ihre politische Karriere riskiert hat, um eben jene Menschen nicht vor unseren Grenzen krepieren zu lassen und sie die enorme Herausforderung angenommen hat."

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