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Betrüger wollen Firmen abzocken

"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", vom 07.01.2011 02:45 Uhr
Fellbach. Eine "Neue Robinsonliste" gaukelt Gewerbetreibenden vor, gegen Geld die Werbeflut einzudämmen. Von Eva Herschmann

Eine Fellbacher Geschäftsfrau hat den Braten sofort gerochen. Die "Dringende Mitteilung aufgrund der Zunahme unerwünschter Werbung", die zurzeit viele Gewerbetreibende per Fax erhalten, ist eine neue Betrügermasche. Absender ist die "Neue Robinsonliste" in Frankfurt am Main. Der Vorstand bietet an, die Adressen der Geschäftsleute kostenfrei in die "Neue Robinsonliste" eintragen zu lassen, um sich vor unerwünschter Werbung per Telefon, Fax, E-Mail und Post zu schützen: "Werbetreibende sind dann angehalten, diese Daten aus ihren Karteien zu löschen."

Bis dahin, ein scheinbar gutes Angebot, zumal die Robinsonliste als seriös bekannt ist. Doch wer aufmerksam weiter liest, erkennt den Haken. Die "Neue Robinsonliste" bietet an, die Daten an bis zu 320 verschiedene Werbetreibende mit der Bitte um Löschung weiterzuleiten und will für diesen "optionalen Service" eine Bearbeitungspauschale in Höhe von 350 Euro netto für ein Jahr.

"Diese Faxe gehen zurzeit bundesweit raus", sagt Oliver Kettner von der Bezirkskammer Rems-Murr der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart. Der Referatsleiter für Existenzgründung und Unternehmensnachfolge hat am Dienstag eine Mail vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erhalten, in der die Dachorganisation der 80 deutschen Industrie- und Handelskammern vor der "Neuen Robinsonliste" warnt. "Jeden Betrugsverdacht können unsere Mitglieder bei uns melden, wir leiten sie weiter an den Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität, der Klage einreicht." Eckhard Benner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg weiß, dass auch Privatleute mit ähnlichen Angeboten traktiert werden. "Der Preis ist für sie allerdings etwas geringer, er liegt bei 50 bis 100 Euro."

Polizeioberkommissar Siegfried Stuber-Gütling vom Revier Fellbach kennt ebenfalls die Tricks der "Abzockfirmen", die sich bevorzugt an seriöse Namen anhängen, um ihre Opfer zu ködern. Falls Geschäftsleute in die Fänge solcher zwielichtigen Machenschaften geraten, bleibe zumeist ein finanzieller Verlust hängen. "Wir melden solche Fälle der Staatsanwaltschaft, aber die stellt bei Firmen das Verfahren meistens ein, weil sie davon ausgeht, dass Gewerbetreibende Verträge bis zum Ende durchlesen, bevor sie sie unterschreiben." Der Oberkommissar empfiehlt, dubiose Angebote dieser Art sofort in den Papierkorb zu werfen. "Wenn Name und Adresse verlangt werden, bedeutet es Gefahr. Die werden nur gebraucht, um Rechnungen zu verschicken."

Die echte Robinsonliste wehrt sich auf ihrer Homepage gegen die Machenschaften der "Neuen Robinsonliste". Da werde eine kostenpflichtige Servicedienstleistung angeboten, "welche den guten und markenrechtlich geschützten Namen" verwende: "Diese Faxsendungen sind nicht von uns initiiert. Die Eintragung in die Liste der "Deutschen Robinsonlisten - Gemeinnützige Schutzgemeinschaft für Verbraucherkontakte" ist immer kostenlos."

Info: Näheres steht im Internet unter www.robinsonliste.de.

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