Stuttgart - Diana Baumhauer, Personalchefin der Holding der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, kennt sich mit Betriebskindergärten und der Suche nach einer geeigneten Immobilie aus. Seit vielen Jahren betreibt das Stuttgarter Medienhaus gemeinsam mit der Robert-Bosch-Stiftung und dem Evangelischen Oberkirchenrat Stuttgart eine Betriebskindertagesstätte. Jetzt steht aber ein Umzug an, da die bisher für den Betriebskindergarten genutzte Immobilie verkauft wurde.
„Die Suche nach einem neuen Standort erwies sich als äußerst schwierig”, erinnert sich Diana Baumhauer. Viele Immobilien in der Landeshauptstadt fielen schon deshalb durch das Auswahlraster, weil das Raumangebot ungeeignet war. Sei es, dass der Platz nicht ausreichte oder die notwendigen baulichen Sicherungsmaßnahmen wie ein zweiter Fluchtweg nicht gewährleistet werden konnten. Optimalerweise sollte ein Kindergarten auch über eine Freifläche verfügen, die die Kinder ebenerdig erreichen können. Kirsten Rickes, die Leiterin des Stuttgarter Baurechtsamtes, wird da noch konkreter: Kindertageseinrichtungen sind nach der Landesbauordnung Sonderbauten. Das heißt: die Behörden richten bei diesen Einrichtungen ein besonderes Augenmerk auf den Brandschutz und die Rettungswege. Hinzu kommt, dass zum Beispiel bei einem Neubau einer Kindertageseinrichtung die Barrierefreiheit gewährleistet sein muss.
Suche scheitert an den Vorbehalten der Vermieter
Oft scheitert die Suche aber nicht an den baulichen Anforderungen an die Räumlichkeiten, sondern schlicht an den Vorbehalten der Vermieter. „Manche Immobilienbesitzer haben Angst davor, es sich mit den anderen Mietern oder den Nachbarn zu verscherzen, weil es laut werden könnte”, vermutet die Personalchefin. Baumhauer führt derweil die Vorteile für Vermieter ins Feld: Die Betreiber von Betriebskindergärten seien in der Regel langfristige und sehr solvente Mieter, die zudem solide finanziert seien. Auch entfalle der ständige Mieterwechsel wie zum Beispiel in der Wohnungswirtschaft.
Diese Probleme hat Ulrike Barthelmeh, Projektleitung Sternchen-Kinderkrippen, nicht. Sie ist mit zwei Mitarbeiterinnen im Global Diversity Office der Daimler AG für die Sternchen-Kinderkrippen des Unternehmens in Deutschland verantwortlich. Das Automobilunternehmen unterhält in Deutschland insgesamt elf Kinderkrippen mit 470 Plätzen. Derzeit wird am Standort Esslingen-Mettingen eine weitere Sternchen-Kinderkrippe mit weiteren 56 Plätzen gebaut. Im Endausbau sollen dann insgesamt 570 Plätze für die Kinder im Alter von null bis drei Jahren der Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Geplant werden die Einrichtungen je nach Größe und Bedarf des Werkstandortes. Dabei hat sich gezeigt, dass das Unternehmen in Städten mehr Kitaplätze einplanen musste als in ländlichen Gegenden. „Auf dem Land wohnen häufiger noch die Großeltern in der Nähe, die auf die Kleinen aufpassen können”, erklärt Ulrike Barthelmeh die Unterschiede. Rund 35 000 Euro pro Platz muss man beim Neubau einer Kindestageseinrichtung rechnen, wobei kleinere Einrichtungen teurer als größere sind.
Kindertagesstätten auf dem Werksgelände werden meist nicht genehmigt
Zwar gibt es für derartige Einrichtungen auch staatliche Zuschüsse, doch mit 7500 Euro pro Kind/Platz für einen Umbau und 12 000 pro Platz für einen Neubau bleibt trotzdem noch ein erklecklicher Betrag am Unternehmen hängen. Hinzu kommen nochmals monatliche Betreuungskosten pro Platz/Kind zwischen 700 und 1500 Euro, die durch Elternbeiträge, kommunale Zuschüsse und das Unternehmen abgedeckt werden müssen. So viel Geld in die Hand nehmen können nur wenige Unternehmen. So könnte man zwangsläufig auf die Idee kommen, einfach ein paar leerstehende Räume im Unternehmen nett herzurichten und Betreuer einzustellen. „Eine Kindertagesstätte muss Hand und Fuß haben”, warnt Rita Brendle allzu blauäugige Unternehmer. Zumal Kindertagesstätten auf dem Werksgelände oft schon aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt werden würden. Die Leiterin der Sterntaler Kindertagesstätte arbeitet als externe Dienstleisterin für die Daimler AG. Ihr Arbeitgeber ISS Facility Services hat sich auf Dienstleistungen rund um den Betrieb von Kindertagesstätten spezialisiert und berät Unternehmen, wie sie ihre Kindertageseinrichtung planen können.
Letztendlich kommt es aber auf eine kindgerechte Umgebung an, stimmen alle Expertinnen überein. Und das ist zu einem großen Teil auch vom Architekten abhängig. „Es ist wichtig, dass der Architekt mit den Augen eines Kindes plant und auch die Altersgruppe im Auge behält.” Mit vier Wänden und ein paar Fenstern sei das nicht getan, erklärt Ulrike Barthelmeh. Dass Betriebskindergärten immer mehr zum Thema werden, merken nicht nur Ulrike Barthelmeh und ihr Team. Auch Diana Baumhauer wird immer öfter von externen Unternehmen um Rat gefragt. Nicht jeder Bedarf wird dabei durch einen Neubau oder Umbau gelöst werden. Manche Unternehmen schließen sich auch zusammen oder kaufen sich in bestehenden Kindertagesstätten entsprechend ihrem Bedarf Belegplätze für die Kinder der Mitarbeiter.
