Besser essen Innere Werte statt äußerer Glanz

Von Gabriele Kiunke 

Gemütliche Gaststube Foto: Piechowski
Gemütliche Gaststube Foto: Piechowski

Im Gasthaus Linde in Esslingen-Rüdern serviert das Ehepaar Wurm beste schwäbische Küche.

Esslingen - Wer zum ersten Mal in Rüdern das Gasthaus Linde sucht, fährt vermutlich vorbei – so unscheinbar und unauffällig wirkt es von außen. Das hellbraune Gebäude sieht eher aus wie ein Wohnhaus, obwohl ein Gasthausschild über dem Eingang hängt. Und hier soll, wie uns ein Leser schrieb, ­beste schwäbische Küche serviert werden?

Parkplätze finden sich hinterm Haus, vor dem kleinen Biergarten mit rustikalen Bänken. Von dort gelangt man direkt in die Gaststube im ersten Stock und ist sofort angenehm überrascht über das gepflegt-freundliche Ambiente. An der Außenwand verläuft unter den getönten Sprossenfenstern eine Holzbank, auf den Tischen liegen karierte Tischdecken, stehen Vasen mit gelben Rosen und blauen Glockenblumen. Noch ist so kurz nach 12 Uhr an diesem Sonntag wenig los, doch schon in einer halben Stunde wird Joachim Wurm mit dem Bedienen kaum ­hinterher kommen.

Die anfängliche Skepsis verfliegt beim Blick in die Speisekarte endgültig: Eine kleine, feine Auswahl an schwäbischen und klassischen Speisen wird hier präsentiert. In der Küche scheint man also lieber auf Qualität statt auf Masse Wert zu legen. Die Gäste können wählen zwischen Kräuterflädle mit frischen Champignons oder Hackfleischsoße (9,80 Euro), Bandnudeln in Tomaten-Basilikum-Soße mit Garnelen (12, 80 Euro), Schweinefilet in Pfeffersoße mit Ofenkartoffeln und Kräuterquark (15,20 Euro), Tafelspitz in Meerrettichsoße (13,80 Euro) oder auch schwäbischen Klassikern wie Gaisburger Marsch (9,40 Euro), Zwiebelrostbraten mit Beilagen (16,50 Euro) und hausgemachte Maultaschen (geröstet, 9,70 Euro).

Letztere allein lohnen schon einen Ausflug nach Rüdern: Der Nudelteig ist wunderbar zart, innen dominiert weder Brät noch Spinat, und insgesamt ist das Verhältnis von Füllung und Hülle perfekt. Der dazu ­gereichte Salat schmeckt köstlich. Lauwarmer Kartoffelsalat, leicht bissfest und feinwürzig, frisch geraspelte Möhren und fein gehackter Weißkohl.

Das Schweinefilet in Pfeffersoße ist ­perfekt kross gebraten und zergeht auf der Zunge. Nur die Kombination mit der auf einem extra Teller servierten Ofenkartoffel, üppig mit Kräuterschmand bedeckt, ist nicht ideal. Spätzle wären für die köstlich-sämige Soße eigentlich die richtige Beilage.

„Eine schwäbische, ehrliche Küche ohne Geschmacksverstärker oder Fertiggerichte“ – so beschreibt das Ehepaar Wurm seinen Anspruch. Schließlich könne man sich nur über die Qualität von anderen Gaststätten abheben. Was in der Küche verarbeitet wird, stammt vorwiegend aus der Region. Das Fleisch beziehen die Wurms vom Metzger-Schlachthof Göppingen, der von regionalen Bauern die Tiere bekommt. Kurze Transportwege zum Schlachthof sowie ein verlangsamter Schlachtbetrieb setzen die Tiere nicht unter Stress, was sich positiv auf die Fleischqualität auswirkt.

Bei den Wurms ist die in der Gastronomie übliche Rollenverteilung – er kocht, sie bedient – verdreht: Joachim Wurm (56) serviert, seine Frau Gabriele (47) steht in der Küche. „Sie ist talentiert“, kommentiert Wurm die Aufgabenverteilung. Seit 1993 führen die Wurms die Gaststätte, die auf eine 100-jährige Tradition zurückblickt. Auch der Großvater von Joachim Wurm bewirtschaftete schon das Lokal direkt am Esslinger Höhenweg gelegen, damals noch mit Metzgerei. Zufällig landet in der Gaststube allerdings nur selten ein Besucher. „Wir haben zu 85 Prozent Stammgäste“, erzählt Joachim Wurm. Aber das muss ja nicht so bleiben.

Gasthaus Linde, Sulzgrieser Str. 211, 73733 Esslingen-Rüdern, Telefon 07 11 /3 26 06 85. www.linde-ruedern.de

Parkplätze gibt es hinter dem Haus. Von Esslingen aus fährt die Bus-Linie 109 bis vor die Haustür

Direkt am Haus verläuft der Esslinger ­Höhenweg, so dass sich ein Besuch gut mit einer Wanderung verbinden lässt.

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