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Besetzt! Demonstranten entern Nordflügel

Jürgen Lessat, vom 27.07.2010 10:05 Uhr
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  Foto: Kienzle
Foto: Kienzle

Stuttgart - Rund 50 Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben am Montagabend den Nordflügel des Hauptbahnhofs besetzt, um dessen angekündigten Abriss zu verhindern. Die Polizei, die von der Aktion überrascht wurde, beschränkte sich darauf, weitere Demonstranten vom Entern des Gebäudeteils abzuhalten.

Ein während der Aktion gefilmtes Video wurde auf Youtube eingestellt.

Angemeldet vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 war die wöchentliche Demonstration gegen den Bau des 4,1 Milliarden Euro teuren Tiefbahnhofs. Während der 36. Auflage der Protestdemonstration, an der nach Polizeiangaben 3000 Menschen teilnahmen, gab es am Montagabend zusätzlich eine ungenehmigte Aktion.

Die Stuttgarter Ska-Band Nu Sports hatte gerade im strömenden Regen die Kundgebung eröffnet, da kehrte Leben in den leer geräumten und mit Spanplatten verbarrikadierten Nordflügel des Hauptbahnhofs ein. An den Fenstern im zweiten Stock des ehemals von der Post genutzten Gebäudeteils zeigten sich Aktivisten der Initiative Parkschützer. Unter dem Jubel der Menge entrollten sie Spruchbänder, auf denen der vollständige Erhalt des denkmalgeschützten Hauptbahnhofs gefordert wurde.

"Wir halten den Nordflügel zumindest so lange besetzt, bis aktuelle Fakten und Zahlen zur Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm veröffentlicht sind", verkündete Matthias von Herrmann, Sprecher der Parkschützer. Die Gegner des Tiefbahnhofprojekts befürchten, dass milliardenschwere Kostensteigerungen bei der aktualisierten Berechnung der Neubautrasse geheim gehalten werden. Die Strecke, deren Realisierung mit dem Bau des neuen Stuttgarter Tiefbahnhofs verknüpft ist, soll 2,1 Milliarden Euro kosten. "Die Besetzung soll verhindern, dass mit dem Abriss irreparabler Schaden angerichtet wird", sagt von Herrmann.

Aus den Reihen der Parkschützer hatte sich zunächst rund ein Dutzend Projektgegner über eine unverschlossene Tür Zugang zum Nordflügel verschafft. Über Leitern und ein Vordach folgten den Besetzern später spontane Nachahmer, darunter auch der Stuttgarter SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch. Am Abend hielten sich rund 50 Tiefbahnhofgegner im Nordflügel auf.

Von der Aktion überrascht wurden Polizei und Bahn. Die Polizei zog von allen Revieren Beamte am Hauptbahnhof zusammen. Dann versuchten die Beamten, weitere Menschen am Fassadenklettern zu hindern. "Es ist ein Sicherheitsdienst beauftragt, der Besetzungen ausschließen soll", sagte Polizeisprecher Stefan Keilbach. Gegen die Besetzer bestehe der Verdacht des Hausfriedensbruchs.

Von 22.45 Uhr an räumte die Polizei den Nordflügel. Einsatzkräfte transportierten die 50 Aktivisten ab, "viele müssen wir raustragen", so Polizeisprecher Stefan Keilbach. Gegen drei Besetzer wurde Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt erstattet. Sie sollen Polizisten bespuckt und getreten haben. Diese Personen wurden vorübergehend festgenommen und sollen heute dem Haftrichter vorgeführt werden. Gegen alle Besetzer wird Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erhoben. "Das ist kein bürgerlicher Protest mehr, es haben sich Menschen strafbar gemacht", so Keilbach.

Kommentare (55)
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JUL
30
08:44 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
FAKTEN
Zu den "Schnarchzapfen", die Sie so großzügig an die Gegner verteilen gibts einen guten Spruch: Ein Schnarchzapfen ist aber auch jemand, der mit Konsequenz und Beharrlichkeit trotz widriger Umstände zäh und duldsam einem guten Ziel entgegenarbeitet und sich nicht davon abbringen lässt. Es grüßt ein Schnarchzapfen
JUL
29
10:52 Uhr, geschrieben von Ulrich Dürr
'fakten'
Ich würde gern eine Studie durchführen, ab wann Bloggying (Unternehmens-/Lobby-gesteuerte Meinungsbildung per Bloggs) kontraproduktiv wird und gegenteilige Wirkung erzeugt. Erschwert wird diese Untersuchung nur, durch die unterschiedliche Qualität der Beiträge – da ist es bei Ihnen leider nicht weit her (Konkret: Eine in Auftrag gegebene Studie pro eines Projekts, die ein gegenteiliges Ergebnis bringt und deshalb unter Verschluss gehalten wird, bei deren ungewollter Veröffentlichung als Beispiel für die neutrale Entscheidungsfindung anzuführen, diskreditiert sich selbst). Zudem bestehen deutliche Schwächen bei Wortwahl und Stringenz der Argumentationskette. Als Untersuchungsgegenstand sind Sie somit (aufgrund des erforderlichen Mindestniveaus zur Reziprozität, Reliabilität und Validität) bedauerlicherweise völlig ungeeignet. Im vorliegenden Fall reicht aber bereits die Augenschein-Validität aus, Ihren Auftraggebern die Einstellung des Projekts dringend zu empfehlen. Jeder weitere investierte Euro ist nicht nur wirkungslos, sondern hat gegenteilige Wirkung auf (bislang) neutrale Interessierte. Ulrich Dürr P.S. Ich kann mir den Luxus einer eigenen und unbezahlten Meinung leisten.
JUL
28
17:04 Uhr, geschrieben von M. Stocker
'fakten' (wie immer kleingeschrieben) teilt gerne aus..
Sie pöbeln also die S21-Gegner als Schnarchzapfen an, weil Sie seit Jahren, bzw. seit den Zeiten, in denen die Existenz der Geheimgutachten bekannt wurden ihre Veröffentlichung fordern? Sie sind ein Fall für die Klinik, Herr 'fakten'. Hätten wir statt die Veröffentlichung zu fordern eher ein Rollkommando dingen sollen, das mit zwanzig gezückten Kalaschnikows das Gebäude stürmt, und den Tresor aufsprengt, in dem das SMA-Gutachten gelagert wurde? Und die immer noch geheimgehaltenen Wirtschaftlichkeitsgutachten der Bahn auch gleich mitnimmt? Das wäre Ihnen sicher auch nicht recht gewesen. Dann müssten wir uns ja wieder ihre ganze Leier anhören ('SIE' (Gruppe) wollen die Demokratie abschaffen..). Darauf haben wir, weise, friedlich und großzügig wie wir sind, verzichtet. Wenn irgendjemand die Verbalinjurie 'Schnarchzapfen' verdient hat, dann die Herren Grube und Schuster, die zur legendären Prellbockanhebung nichts vom (den S21-Gegnern und einem kleinen Teil der Öffentlichkeit längst bekannten) Gutachten des Bundesrechnungshofs wussten (oder wissen wollten). Das war immerhin öffentlich. Wenn Sie wenigstens wüssten, wie man FÜR die Befürworter schreibt! "Dass das Land genau das nicht getan hat, zeigt, wie ernst das Land S21 und die NBS nimmt und dass niemand ein Interesse daran hat, irgendwelche Schwierigkeiten unter den Teppich zu kehren." Kleine Nachhilfe: genau mit der Geheimhaltung hat das Land alle Schwierigkeiten unter den Teppich gekehrt, klassisches Eigentor einer Freudschen Fehlleistung. Wenn Sie wenigstens geschrieben hätten: 'irgendwelche Schwierigkeiten während der Bauzeit zu bekommen.' Die S21-Befürworter sind offensichtlich schon so sehr durch den Wind, dass es nicht mal für eine schlüssige Befürworter-Propaganda reicht. "Diese Schnarchzapfen haben nie verlangt, dass ein externes Gutachten eingeholt wird" Ach nein? Nur dass unabhängige Gutachten eingeholt werden. Seit Beginn der Auseinandersetzung. Wem für 5 ct Verstand gegönnt sind, wird unschwer erahnen, dass das nur externe Gutachter sein können. Für die Mathematiker: 'extern' ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. 'Unabhängig' garantiert erst die Unabhängigkeit. "Diese Schnarchzapfen haben nicht reagiert, als vor über einem Jahr das Gutachten im Internet vom Land erwähnt wurde einschließlich der bis dahin abgearbeiteten Punkte." Tja, kleiner Trickbetrüger 'fakten', bei so einer Sache steht die Bahn, die Stadt, das Land und der Bund in einer Informations-BRINGSCHULD. Die wird nicht dadurch erfüllt, dass in den Tiefen des Innenministeriums-Servers irgenwo eine Einschätzung von Ministerialbeamten gelagert wird, die auf Kritikpunkte schließen lässt, die im Wortlauf unbekannt sind, weil geheimgehalten. Übrigens: die Kritikpunkte, die noch gegeben sind, sind sehr genau bekannt. Nachschauen auf www.kopfbahnhof-21.de. Tief durchatmen, ausschlafen und dann überlegen, was Sie als nächsten Job machen könnten. Das SMA-Gutachten ist eines der dicksten Sargnägel für S21. Ihr dünnes Nervenkostüm und das ihrer Mitstreiter lässt darauf schließen.
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