Beschluss für Fahrradstraße aufgeschoben

Von "Fellbach und Rems-Murr-Kreis" 

Fellbach. Eine Mehrheit im Gemeinderat hat vor der Einführung eines Modellversuchs zur Förderung des Radverkehrs eine Denkpauseerzwungen. Die schnelle Nord-Süd-Route bleibt aber Thema weiterer Beratungen. Von Gerhard Brien

Fellbach. Eine Mehrheit im Gemeinderat hat vor der Einführung eines Modellversuchs zur Förderung des Radverkehrs eine Denkpauseerzwungen. Die schnelle Nord-Süd-Route bleibt aber Thema weiterer Beratungen. Von Gerhard Brien

Als erstes Teilstück einer Nord-Süd-Route vom Neckar bis zum Kappelberg speziell für Radfahrer plant die Stadtverwaltung, die Pfarrer-Sturm-Straße und die Theodor-Heuss-Straße zu Fahrradstraßen umzuwidmen (siehe Hintergrund). Der Gemeinderat hat den Vorstoß in seiner Sitzung am Dienstag gestoppt. SPD und Grüne sprachen sich für den Versuch aus, die CDU und die Fraktion der Freien Wähler und Freien Demokraten (FW/FD) erzwangen jedoch die Vertagung des Themas für weitere Beratungen.

Die Nord-Süd-Fahrradroute ist das wichtigste Anliegen des Runden Tisches Fahrrad, sagte die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Das beratende Gremium aus Vertretern der Stadtverwaltung, des Allgemeinen deutschen Fahrrad-Clubs, der Polizei und des Radsportvereins soll mithelfen, dass Fellbach sich als fahrradfreundliche Kommune profilieren kann. Der Gemeinderat hat am Dienstag zugestimmt, dass die Stadt Fellbach der im vergangenen Jahr gegründeten "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen" in Baden-Württemberg beitritt.

Beim konkreten Projekt tritt das Stadtparlament allerdings auf die Bremse. Weil die Verkehrssituation in der nördlichen Bahnhofstraße für Radfahrer schwierig ist, hat sich der Runde Tisch das Konzept einer schnellen und sicheren Nord-Süd-Route ausgedacht, die vom Rathaus aus durch die Pfarrer-Sturm-Straße und die Theoder-Heuss-Straße verläuft und jenseits der Bahnlinie auf Straßen in der zweiten Reihe bis ins Weidachtal bei Oeffingen führen soll. Im südlichen Bereich zwischen Bahnhof und Rathaus werden zum Teil fest so viele Radfahrer wie Autos gezählt, berichtete Soltys. Das rechtfertige es, den Radfahrern in diesen Straßen eine Vorrangstellung einzuräumen, allerdings sollen auch Autos zugelassen werden. Die entsprechende Beschilderung würde 22 000 Euro kosten, baulich sind keine Änderungen nötig. "Wir wollen mit dem zweijährigen Versuch Erfahrungen sammeln", sagte Soltys.

"Die CDU ist überwiegend skeptisch", teilte der Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Spieth mit. Die Bahnlinie unterbreche diese Nord-Süd-Route, auf der eher die Autofahrer zum schnellen Fahren verleitet würden. An dem "äußerst gefährlichen Pflaster" Bahnhofstraße werde nichts geändert, fürs Schulzentrum gebe es weiterhin keine Verbesserung. Was die Baubürgermeisterin zu dem Hinweis veranlasste, dass dies der Versuch sei, mit geringem Aufwand das Problem Bahnhofstraße zu entschärfen, mehr nicht.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Agata Ilmurzynska, forderte, mehr Leute aufs Fahrrad zu bringen, das nütze auch den Autofahrern, weil es weniger Staus und Parkprobleme gebe. Die SPD-Stadträtin Ulrike Dreßler-Uetz stellte ein umfangreiches Antragspapier vor, das die SPD bereits im November vergangenen Jahres eingebracht hat. Die Fahrradstraße sei ein "ganz wichtiges Zeichen", dass in Fellbach der Radverkehr gefördert werde.

Doch auch die überzeugten Radfahrer unter den CDU- und FW/FD-Stadträten zweifeln. Michael Eick (FW/FD) meinte, es gebe viele Gefahrenstellen, die vorrangig bearbeitet werden müssten. Simone Lebherz (CDU) findet eine solche Straße "attraktiv", aber ohne neue Unterführung für Radfahrer sei es am Bahnhof gefährlich. Erich Theile (CDU) befürchtet ein falsches Sicherheitsgefühl durch den "Schilderwald". Auch Polizeichef Klaus Auer (FW/FD) teilte zahlreiche Bedenken zur Sicherheit. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Möhlmann hielt den Bedenkenträgern entgegen, es gehe nicht um die "Weltrevolution verkehrstechnischer Art".

Der FW/FD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Lenk beantragte daraufhin zur Vermeidung einer Kampfabstimmung eine Denkpause, eine Vertagung des Themas. Dem stimmte die Mehrheit aus CDU und FW/FD zu, obwohl OB Christoph Palm zuvor noch an die Stadträte appellierte, mit Mut an die Sache heranzugehen.

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