Die Theodor-Heuss-Realschullehrer zu Gast an ihrer eigenen Schule: Das ist der Status der Pädagogen beim Schulfest kurz vor den Sommerferien gestern Nachmittag auf dem Schulgelände und in der Schule. Die Lehrer stört das nicht, im Gegenteil. Sie sind froh, dass der Elternbeirat und sonstige Eltern sich um das Fest kümmern, das dieses Jahr zum fünften Mal in Folge war. Im Januar haben die Vorbereitungen begonnen. 655 Schüler und Eltern haben sich angemeldet.
Nun darf allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass Eltern Feste besser organisieren können als Lehrer. Rektor Dietmar Dekrell schüttelt den Kopf. Es liegt vielmehr an der Zeit, die den Lehrern so kurz vor den Sommerferien fehlt. Sie korrigieren Klassenarbeiten und schreiben Zeugnisse. "Die Lehrer bringen sich aber beim Programm mit ein", sagt Dekrell.
Und Programm, das gibt es am Freitagnachmittag viel. Die Bläserklasse spielt auf dem Pausenhof, Schüler tanzen Hiphop, spielen Fußball, führen ihre Schulkleidung vor. Die T-Shirts verkaufen Celine und Selena, 15, drinnen. Es sind immer die Neuntklässler, die die Oberteile verkaufen. "Das Projekt wird quasi jedes Schuljahr vererbt." Celine und Selena grinsen. Heute läuft der Verkauf gut.
Die Stimmung der Schüler ist mindestens genauso gut wie in der großen Pause. Maria und Franzi, beide zwölf, finden das Fest cool. Was ihnen am besten gefällt? Sie schauen sich an. "Alles ist toll", sagt Franzi schließlich. Ihre Eltern sind nicht dabei, sie müssen arbeiten. Das macht den zwei nichts aus. "Sie kennen unsere Schule. Und sie waren beim letzten Fest dabei."
Bei dem Fest präsentieren sich auch Schülerfirmen und Projekte. Zum Beispiel das Leseförderung-Projekt für Fünft- und Siebtklässler. Es soll die Schüler in einem Alter, in dem die Leselust sinkt, motivieren, doch zu lesen. Die Schüler bekommen eine Kiste voller Bücher. Sieben davon müssen sie in einem Jahr lesen. Damit keiner schummelt, gibt es am Ende einen Test. Die Note fließt ins Zeugnis mit ein.
Mit dem Fest wollen die Lehrer, Eltern und Schüler nicht nur noch mal beisammen sitzen, bevor sie sich für sechs Wochen in den Urlaub verabschieden. Die Eltern, die sich sonst nur bei Elternabenden sehen, sagt Marion Hartmann, Vorsitzende des Elternbeirats, sollen sich kennen lernen und austauschen.
Dass elf Eltern aus dem Beirat das Fest organisieren, sieht Hartmann als Vorteil. "Wir haben mehr Kontakt zu den Eltern als die Lehrer." Dekrell sagt, dass man mit dem Fest auch den Bildungspartnern für die Zusammenarbeit danken wolle. Die Schule kooperiert mit der Kreissparkasse Ludwigsburg und der Deutsche-Bahn-Firma Schenker. Als Bildungspartner unterstützen sie die Schule finanziell und ideell. Zum Beispiel informieren sie die Schüler über Berufe in ihrer Branche, über offene Lehrstellen im Unternehmen oder vermitteln Praktika.
Bis nach 18 Uhr wird gefeiert. Ab- und aufräumen übernehmen Eltern - und die Lehrer. Das bleibt ihnen beim Schulfest auch als Gast nicht erspart.