Beamtenbund empört Lehrer sollen für das gleiche Geld länger arbeiten

Frank Krause, 08.02.2013 19:17 Uhr
Jetzt wird es ernst. In diesem Jahr baut das Land 1000 Lehrerstellen ab, 2014 folgen weitere 1200. Um das Sparpaket zu finanzieren, geht es nun an die Arbeitszeit der Lehrer.

Stuttgart - Die Spitzen von Grünen und SPD unter Führung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann haben am Freitag Sparmaßnahmen für Lehrer beschlossen. Demnach werden dieses Jahr 1000 Lehrerstellen abgebaut, unter anderem durch Einsparungen bei der Schulverwaltung. Die Krankheitsvertretung bleibt unberührt.

2014 sollen weitere 1200 Stellen abgebaut werden. Um das finanziell zu erreichen, soll ab dem Schuljahr 2014/15 die Altersermäßigung für Lehrer ab 58 um eine Wochenstunde zwar erhalten bleiben, aber verbunden mit Lohneinbußen. Ob Lehrer ab 60 künftig noch zwei Wochenstunden weniger arbeiten dürfen, ist noch offen. Parallel will Grün-Rot die Pensionsgrenze für Lehrer, die bisher im Schnitt bei 64,5 Jahren liegt, verändern. Wer früher in Ruhestand will, muss dann Einbußen hinnehmen.

Finanzminister Nils Schmid (SPD) sagte, das Kultusministerium werde jetzt Modelle erarbeiten und mit den Lehrerverbänden erörtern. „Wir müssen etwas tun“, anders seien die 1200 Stellen nicht zu erreichen. Die bisherige Altersermäßigung bei voller Bezahlung sei „ein Privileg, über das man diskutieren muss“. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) räumte im Interview mit unserer Zeitung ein, dass die Schulen den Stellenabbau spüren, „aber nicht so, dass er auf die Unterrichtsversorgung durchschlägt“.

Beamtenbund-Landeschef Volker Stich reagierte empört. „Was die Landesregierung macht, ist unglaubwürdig und unmoralisch. Mir reicht’s“, sagte er unserer Zeitung. „Es passt nicht zusammen, dass diese Regierung betont, wie sie den öffentlichen Dienst schätzt, und dann so vorgeht. Wenn sie das Vorurteil hat, dass es den Beamten zu gut geht, dann soll sie es offen sagen.“ Stich prophezeite Grün-Rot einen „heißen Sommer“ vor der Bundestagswahl.

 
 
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Kommentare (19)
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Vater Angestellter Ist schon länger als 1 Jahr her
Darf ich mich vorstellen: Ich bin Vater von x Kindern in einem nicht geschütztem Arbeitsverhältnis. ich muss jeden Monat einen hohen Prozentsatz an Steuern einrichten, das mein Bruttogehalt doch erheblich kürzt. Mein letzte echte Gehaltserhöhung war von 6 Jahren. Ich erhalte jedes Jahr von meinem Arbeitgeber under der BfA einen Rentenauszug mit dem Hinweis, dass die Summe doch deutlich niedriger sein kann, wie geschätzt. Laut dem Rentenauszug sollte ich bis 67 arbeiten, um wenigsten keine Renteneinbuße zu haben. Gleichzeitig höre ich immer mehr, dass ältere Kollegen immer öfters das Altersteilzeitprogramm angeboten bekommen. Hier erfahre ich nochmals eine Einbuße bis zu 15%. Ob meine Betriebsrente gesichert ist, weiß ich nicht. Wir wollten eigentlich in den Faschingsurlaub gehen. Leider hat sich das zerschlagen, da mein Arbeitgeber mich in einer dringenden Kundenanfrage benötigte. Die Woche vor den Faschingsferien kam mein Sohn jeden Tag von seiner weiterführenden Schule und erzählte mir, dass sie gerade jeden Tag Filme anschauen. Ich glaubte ihm nicht, da er ja Hausaufgabe auf hatte. Die hat der Lehrer im Anschluß verteilt. So musste ich teilweise ihm abends noch abgehetzt und übermüdet den Stoff erklären. Gleichzeitig erzählte er mir aber auch, dass nach den Faschingsferien künftig eine Stunde ausfallen wird, da der Lehrer in die Rente geht und das Staatliche Schulamt keinen Ersatz finden kann. Ich fragte mich, sind die nicht auch Lehrer? Mir bleibt keine Zeit zum Jammern, sondern ich muß meiner Verantwortung nach kommen. ich habe es mir so ausgesucht und mir sind die Konsequenzen bewusst. Auch erlaube ich mir ein bißchen in die Zukunftnzu sehen und mich bestmöglich darauf vorzubereiten. Letzthin war ich ein bißchen schockiert. Ich traf eine Lehrerin, deren Eltern waren Lehrer und sie wird mit einem Lehrer verheiratet sein. Ich überlegte mir, lebt sie in der Vergangenheit oder in der Zukunft oder hat sie vielleicht wirklich die Zeichen der Zeit erkannt?
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Dieter Machmüller Ist schon länger als 1 Jahr her
Im Moment streiken in Berlin Pauker: natürlich nur die nicht verbeamteten, also Angestellte! Sie streiken für gleichen Lohn für die gleiche Arbeit. Also, es ist wohl so, das die beamteten Pauker bis zu 700€ mehr Anwesenheitsprämie im Monat bekommen als vergleichbare Angestellte. Und ohne irgendeinem Beamten nahe treten zu wollen bin ich doch tatsächlich der Meinung das Sie mehrheitlich im Verhältnis zur dargebrachten Leistung überbezahlt sind. Ich glaube tatsächlich das mit Nichtbeamteten-Fachangestellten billiger und effektiver gearbeitet werden kann! Muss ein Sachbearbeiter im Finanzamt, eine Schreibkraft, ein Lehrer usw. wirklich Beamter sein? Ich glaube nicht! Und komme mir blos keiner mit der angeblichen Unvergleichbarkeit von Arbeitsplätzen. Das ist der letzte Humbug soetwas unters Volk zu bringen! ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Any how, ist eh blos ein Randproblem! Das Hauptproblem ist das Ende vom Geld und das ansteigen von Ansprüchen dagegen. Und da sind wir dann bei Ihnen Herr Seitzer: was bringt das wenn wir allem und jedem ein Rechtsanspruch auf doppelten Lohn zubilligen würden? Prima, nicht? Dann müssen viele nicht mehr zum Sozialamt um aufzustocken, könnten sich auch mal etwas leisten, z.B. neues Auto Urlaub usw... ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Blos wer soll es letztendlich bezahlen? Wovon, Herr Seitzer? ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Auf unsere Beamten im allgemeinen bezogen: was bringt ein Anwachsen der Pensionsansprüche durch immer schnelleren Zuwachs an Anspruchsberechtigten wenn diese Ansprüche (gegen die laufenden Steuereinnahmen! Rückstellungen sind nur marginal!) nicht mehr bedient werden können? Es werden in der Spitze wenn alle Geburtenstarken Jahrgänge in Pension sind 1 Billion Euro sein die benötigt werden! ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Nur für die Pensionen der Beamten! ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Was wäre gegen ein rasches absenken der Pensionen auf prozentuales Niveau der Renten (also auf 45-48% der derzeitigen Pensionen...) als erster Schritt der Angleichung der Lebensverhältnisse von Beamten und arbeitenden Menschen einzuwenden? Womit haben Beamte eine Besserstellung verdient? Wie wäre das zu rechtfertigen? Gerechtigkeit, nein Danke?! Alles was von den Beamten dazu kommt ist, das Sie sich dazu berechtigt fühlen weil Ihr Job höherwertig ist, sie oftmals höhere Bildungsabschlüsse hätten und es somit Gottes unumstößlicher Wille sei. ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Da lege ich aber gewaltig Einspruch ein... ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Während der längeren Ausbildungszeit, wo die Beamten sich den Poppes wundgesessen haben, haben Arbeiter und Angestellte mit Ihrer Knechterei dafür gesorgt das die Mittel bereitgestellt werden können um die Beamten, Doktores usw. auszubilden! Ist Teil des Generationenvertrages: jede Zeit muss für die Kosten der Infrastruktur, der Versorgung der Nachfahren und Fürsorge der Vorfahren in seiner Zeit (linearer Bezug) aufkommen. Allerdings funktioniert das nur wenn es einigermassen gerecht zu geht! Und das tut es nicht mehr! Hier haben sich einige Gruppen in unserer Gesellschaft ungerechtfertigt Vorteile verschafft. Die Betonung liegt auf ungerechtfertigt! Das läuft im Moment ganz gewaltig aus dem Ruder! Ich glaube nicht das mein Anspruch an die Beamten ein Sonderopfer ist oder mit Neid begründbar wäre. Im Gegenteil: ich will das System so wie es ist erhalten. Aber das geht nur wenn das System stabil bleibt! Und das ist mit einer Vorteilsgesellschaft nicht umsetzbar...
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Albert Seitzer Ist schon länger als 1 Jahr her
Das würde einiges erklären. Wir haben da jetzt den neuen Kultusminister, seine Kinder gehen alle in die Waldorfschule. Ich dachte, gut, er weiß also, was in den staatlichen Schulen schief läuft, er wird das Schulsystem reformieren und so die Chancen und die Gesundheit unserer Kinder verbessern. Jetzt hab ich aber ein Interview in der Zeitung gelesen und mit Entsetzen festgestellt, dass er das gar nicht will, im Gegenteil!
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MichaelMüller Ist schon länger als 1 Jahr her
Kretschmann unterrichtete zunächst an der privaten Stuttgarter Kosmetikschule, da der Staat den jungen Pädagogen nicht einstellen wollte. Grund: er war als Student der Universität Stuttgart-Hohenheim von einer katholischen Verbindung zu den Weltverbesserern des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW) konvertiert, galt damit als Verfassungsfeind und war von Berufsverbot betroffen. Vor dem Fernsehpublikum des SWR: Aber die Zeit des Berufsverbots sei 'natürlich eine schwierige' gewesen, sagt der ehemalige Mao-Jünger, der damals ein junger Familienvater war. Kretschmann betont, 'dass wir jetzt nicht Kommunisten in den Staatsdienst lassen, daran hat sich sicher nichts geändert'. http://www.kontextwochenzeitung.de/newsartikel/2012/05/herrn-ks-gespenst/
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Gymnasiallehrer Ist schon länger als 1 Jahr her
Am Freitag war der letzte Schultag vor den Fastnachtsferien. Und nun raten Sie mal, wo und womit ich den Freitagnachmittag, den Samstag und den Sonntagnachmittag zugebracht habe. ... Erraten! Am Schreibtisch. Mit Unterrichtsvor- und nachbereitungen, Schulverwaltungskram etc.pp. So sehen, keineswegs nur bei mir, die viel beneideten Lehrerferien aus. Wenn ich die Wochentage zusammenzähle, an denen ich im vergangenen Jahr wirklich nichts mit der Schule zu tun hatte, komme ich gerade mal auf 25. Zähle ich die Wochenenden außerhalb der Ferien, an denen ich wirklich frei, also nichts mit der Schule zu tun hatte, zusammen, komme ich auf Null. - So läuft dies nun schon seit Jahren und Jahrzehnten. Ich beklage mich nicht darüber. Was mich aber auf die Palme bringt, ist, dass ein Ministerpräsident, der seinen Lehrerjob schon vor vielen Jahren an den Nagel gehängt hat, nun daherkommt und kaltschnäuzig von mir verlangt, gefälligst immer noch so fit und ausdauernd zu sein wie vor zwanzig Jahren. Wer lebt hier eigentlich hinter dem Mond?
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