Baustellen in Stuttgart Ein Viertel verändert sein Gesicht

Carmen Weiss, 04.02.2013 07:00 Uhr

Stuttgart - Wie eine riesige Wunde klafft das Bauloch des Projekts Gerber zwischen Tübinger, Cotta-, Marien- und Paulinenstraße. Langsam wächst es zu, Stockwerk für Stockwerk entsteht hier ein großes Einkaufszentrum. Darüber werden Praxen, Büros und Privatleute einziehen.

Der Abriss des Quartiers im Januar 2011 markiert den Beginn großer Veränderungen im Viertel rund um die Paulinenbrücke und im Stuttgarter Süden. Dem Gerber folgten im Jahr 2011 die Baustellen Caleido, die WGV-Erweiterung und Pauline 21. Zuletzt riss die Bietigheimer Wohnbau an der Hauptstätter Straße einen Teil des ehemaligen Möbelgeschäfts Mammut-Beck ab. In einigen Monaten sollen hier die Bauarbeiten für das sogenannte Heusteig Living beginnen. Zählt man die Flächen zusammen, die in den Gebäuden entstehen, kommt man auf rund 84 000 Quadratmeter – das entspricht zwölf Fußballfeldern. Insgesamt entstehen rund 150 Wohnungen und mehr als 1000 Tiefgaragenparkplätze.

Der Süden soll dank der Neubauten stärker an die Innenstadt heranwachsen. Deshalb werden auch die Straßen saniert: Die Tübinger Straße ist seit November 2012 Shared Space. Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger teilen sich den Abschnitt ab der Christophstraße. Auch der Straßenabschnitt direkt vor dem Gerber soll irgendwann erneuert werden, genauso die Marienstraße.

Wo Neues entsteht, muss Altes oft weichen. So sind im Frühjahr die Tage der Auferstehungskirche in der Sophienstraße gezählt, sie wird abgerissen. Die Kirche wurde im Krieg stark zerstört und gleicht ihrem Vorgängerbau aus dem Jahr 1879 kaum. Deshalb steht sie nicht unter Denkmalschutz. Bis vor zwei Jahren hielten die Evangelischen Methodisten dort ihre Gottesdienste ab. Doch weil auch deren Mitgliederzahl schrumpft, wurde die Gemeinde mit der an der Silberburgstraße zusammengelegt. Das alte Haus an der Ecke Tübinger/Sophienstraße bleibt hingegen vom Abriss verschont. Die Fassade des Baus wird in das Gerber integriert.

Unter Lärm, Schmutz und Baustellenverkehr leiden derzeit viele Anwohner. In den nächsten Monaten wird es zumindest etwas ruhiger: Einige Rohbauten stehen bereits, und zumindest drei der fünf Baustellen werden Ende 2013 verschwunden sein. Einzig im Gerber und an der Hauptstätter Straße schuften dann noch die Arbeiter. Das Einkaufszentrum soll im Frühjahr 2014 eröffnet werden, Heusteig Living Ende 2015.

 
 
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