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Baustelle Königstraße Stuttgart Einkaufsmeile für lange Zeit mit Bauzaun

Von Josef Schunder 

Nicht nur auf der Königstraße ist das Umrüsten von Karstadt zu erleben: Blick von der Straße Neue Brücke Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Nicht nur auf der Königstraße ist das Umrüsten von Karstadt zu erleben: Blick von der Straße Neue BrückeFoto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der vor- und nachweihnachtliche Einkaufstrubel ist vorbei – prompt sind auf der Einkaufsmeile Königstraße Bauzäune errichtet worden. Der Komplettumbau des früheren Kaufhauses Karstadt in Stuttgart kommt auf Touren.

Stuttgart - „Achtung Holzzaun“, heißt es jetzt für die Passanten auf Stuttgarts wichtigster Einkaufsmeile. Am früheren Kaufhaus Karstadt entlang ist die Baustelle eingerichtet worden. Hinter dem Bauzaun soll im Februar ein kleinerer Kran aufgestellt werden. Hier wird immer wieder Baumaterial entladen und Abbruchmaterial zur Abfuhr verladen werden.

Hinter dem Gebäude steht neben der gesperrten Abfahrt zur früheren Karstadt-Tiefgarage bereits ein größerer Kran. Ein positives Zeichen, wenn man so will. Bisher war der Optimismus der Stadtverwaltung, dass man einen Großteil der Logistik unter weitgehender Schonung der Königstraße abwickeln könnte, nämlich sehr verhalten gewesen. Die Aufstellung eines Kranes über der Tiefgarage schien aus statischen Gründen kaum möglich zu sein. Das hat sich geändert, nachdem die Decken in der Tiefgarage mit einer Vielzahl von zurechtgeschnittenen Baumstämmen abgestützt wurden.

So, wie sich die Baustelleneinrichtung rund ums ehemalige Kaufhaus jetzt darstellt, wird sie im Prinzip bis zur geplanten Wiedereröffnung des Gebäudekomplexes im Herbst 2017 bleiben, sagt Jürgen Mutz vom städtischen Tiefbauamt. Sollte man den Bauzaun in der Königstraße früher wieder beseitigen können, werde man das tun. Motto: „So früh wie möglich.“ Sobald es der Bauablauf erlaubt, will man die Barriere außerdem von derzeit rund elf auf etwa neun Meter reduzieren, sagt auch Peter Koch von der Straßenverkehrsbehörde der Stadt.

Rolltreppen sind schon demontiert

Bis die Baustelleneinrichtung verschwindet, sollen Transporte über die Königstraße wie der sonstige Lieferverkehr in den Fußgängerzonen in der Regel bis 11 Uhr erledigt sein. Ausnahmen sind möglich, sollen aber restriktiv gehandhabt werden. „Dennoch ist das für die Passanten durchaus ein ordentlicher Eingriff“, gibt Mutz zu. Fälle wie diesen werde es freilich bei Bauprojekten im Stadtzentrum auch künftig geben müssen. Zum Glück, meint Mutz, sei die Passantenfrequenz hier im oberen Teil der Königstraße nicht ganz so hoch wie im unteren Teil zwischen Arnulf-Klett- und Schlossplatz.

Außerdem kann mindestens in einem Fall Entwarnung gegeben werden: Die alten Kaufhaus-Rolltreppen müssen nicht mehr von einem Kran durch das geöffnete Dach aus dem Gebäudekomplex auf einen Transporter in der Königstraße gehoben werden, wie Teile der Stadtverwaltung immer noch befürchten – die alten Rolletreppen sind bereits weg. Man habe sie auseinandergebaut und in kleineren Teilen weggekarrt, sagt ­Felix Schäffler, Projektleiter der Baufirma Ed. Züblin in Stuttgart. Die neuen Rolltreppen kämen frühestens Ende 2016 rein.

Neue Dachlandschaft geplant

Geöffnet wird das Dach tatsächlich. Denn der Gebäudekomplex soll im Zuge der Revitalisierung eine teilweise neue Dachlandschaft erhalten. Auch die Fassade zur Königstraße hin wird zurückgebaut und neu und offener gestaltet. Im Herbst 2016, ehe wieder die kalte Witterung droht, wolle man die äußere Hülle des Gebäudes geschlossen haben, sagt Robert Leingruber, Kommunikationschef der Signa Core Holding GmbH in Wien, die bei der Umgestaltung des ehemaligen Karstadt-Hauses federführend ist. Im Wesentlichen hüllt sich Leingruber allerdings in Schweigen. Wie sich das Gebäude nach dem Ende der Karstadt-Ära präsentieren wird und welche Einzelläden dort öffnen werden, mag Leingruber immer noch nicht verraten, obwohl die Öffentlichkeit und die Stuttgarter Händlerszene schon seit mehr als einem Jahr darüber spekulieren. Dass die irische Billigmodekette Primark hier einen großen Laden wie im Milaneo eröffnen wird, bestätigt Leingruber auch nicht.

Da versteht es sich fast von selbst, dass er auch bei der Frage nach dem Investitionsvolumen nebulös bleibt. Der Kauf der Immobilie, die Revitalisierung und der Endausbau durch die künftigen Mieter würden sich auf einen „deutlich dreistelligen Millionenbetrag“ summieren, sagt Leingruber nur.

Auch Waldbauer will sich erneuern

Da kann ein zweites Projekt, das gleich nebenan bevorsteht, nicht mithalten. Im Haus Königstraße 29, in dem früher die Firma Waldbauer Lederwaren verkaufte und wo jetzt ein Schuhhaus untergebracht ist, soll es ebenfalls einen Umbau geben, später wahrscheinlich auch eine Veränderung der Fassade. Ein Eingriff ist schon deshalb nötig, weil manche Waren im Gebäude Waldbauer bisher über den Karstadt-Komplex angeliefert worden seien, was jetzt nicht mehr möglich sei, heißt es im Rathaus.

Die beiden Bauherren hätten um Flächen für die Baustelleneinrichtung konkurriert, das Ordnungsamt dann erst einmal das Verfahren gestoppt und die Antragsteller aufgefordert, sich abzustimmen und zu einigen. „Wir können ja dem einen Bauherrn nicht entgegenkommen und den anderen auffordern, sich zwei Jahre zu gedulden“, sagt ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Am Ende wurde eine Lösung gefunden. Auch die ­Verwaltungsgesellschaft des Waldbauer-Gebäudes soll auf der Königstraße bald noch Platz für die Baustelle bekommen.

Abschied von Karstadt

2014: Die angeschlagene Karstadt-Warenhauskette geht im August an die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilien­investors René Benko. Im Oktober wird bekannt, dass sechs Häuser 2015 geschlossen werden sollen, darunter die Filiale in Stuttgart an der Ecke Königstraße/Schulstraße. Im November liegt der Stadtverwaltung ein Bauantrag vor. Es verdichten sich die Anzeichen, dass Benko dort lukrativere Mieter unterbringen will als den eigenen Karstadt-Konzern. Das Haus Sport-Karstadt an der unteren Königstraße beim Hauptbahnhof ist von alledem unberührt.

2015: Mitte Mai schließt die im April 1996 eröffnete Stuttgarter Filiale tatsächlich – nach einem Totalausverkauf. In Stuttgart endet eine Karstadt-Ära, die fast 20 Jahre gedauert hatte. Und zwar an einem Standort mit Kaufhausgeschichte. Der Karstadt-Vorläufer hieß Hertie.

2016: Die Signa Holding soll das Karstadt-Haus inzwischen weiterverkauft haben. Auskünfte darüber erteilt das Unternehmen nicht. Den Umbau des ehemaligen Karstadt-Hauses in Stuttgart betreue man auf jeden Fall weiter, heißt es nur.

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