„Wenn eine energetische Maßnahme ökologisch effektiv sein soll, muss sie immer ganzheitlich angewendet werden”, erklärt Professor Fritz Berner vom Institut für Baubetriebslehre an der Universität Stuttgart. Er warnt Bauherren davor, aus Kostengründen nur eine Teillösung an der Immobilie durchzuführen. „Der Schuss könne sehr schnell nach hinten losgehen.” Vor allem dann, wenn man energetische Maßnahmen später nachrüsten will. „Das kann richtig ins Geld gehen.” Wer etwa aus Kostengründen nur die Fassade dämmt und andere Dinge wie zum Beispiel die richtige Durchlüftung außer Acht lässt, hat später ein Problem mit seiner Immobilie.
Natürlich weiß auch Berner, dass gerade junge Familien jeden Cent zweimal herumdrehen müssen und viele Finanzierungen heute „auf Kante genäht” sind. „Deshalb ist es hier besonders wichtig, möglichst zuverlässig den Endpreis der Immobilie zu kennen.” Gerade unerfahrene Bauherren machten beim ersten Hausbau oft den Fehler, die Aufträge gewerkeweise zu vergeben. Dabei plant ein Architekt das Haus, anschließend werden Erd-, Beton-/Mauer-, Zimmererarbeiten usw. nach Baufortschritt vergeben. „Da kommt oft das böse Erwachen hinterher, wie teuer der Bau letztendlich doch geworden ist, weil noch der eine oder andere Sonderwunsch des Bauherrn mit eingeflossen ist”, ist die Erfahrung von Berner.
Viele Bauherren vergessen in der ersten Euphorie gerne, dass jede Änderung gegenüber der ursprünglichen Planung zusätzliches Geld kostet und obendrein auch noch Folgekosten auslösen kann. Mehrkosten von bis zu 20 Prozent sind da oft keine Seltenheit. Im schlimmsten Fall könne dadurch sogar die Finanzierung des Eigenheims ins Wanken geraten. Berner rät deshalb Bauherren, immer einen Festpreis zu vereinbaren. Sollte dann noch etwas Luft in der Finanzierung sein, könne man sich ja überlegen, was man noch in die Ökologie oder sonst einen Wunsch investieren wolle.
Etwas zurückhaltend äußert sich der Experte zu den möglichen Einsparpotenzialen energetischer Maßnahmen. Viele Steuervorteile und Subventionen seien in Wirklichkeit oft nicht so hoch, so dass sich die Investition in eine zusätzliche energetische Maßnahme tatsächlich rechne. Hier müsse man wirklich genau kalkulieren und unter Umständen einen Experten hinzuziehen.
