Bauen in Wangen S 21 kommt in die Neckarvororte

Von Jürgen Brand 

Die Zufahrt zur S 21-Baustelle befindet sich hinter dem Aldi-Schild. Foto: Jürgen Brand
Die Zufahrt zur S 21-Baustelle befindet sich hinter dem Aldi-Schild.Foto: Jürgen Brand

An der Ulmer Straße in Wangen wird bereits seit einigen Tagen die Baustelle für den Tunnelbau für Stuttgart 21 eingerichtet. Auf den Stadtbezirk kommen künftig zahlreiche Lastwagenfahrten zu.

Wangen - Die Kunden des Aldi-Marktes an der Ulmer Straße in Stuttgart-Wangen sind, ohne dass es ihnen bewusst ist, Stuttgart 21 ganz nah. Auf dem Grundstück neben dem Parkplatz laufen die Vorbereitungen für den sogenannten Zwischenangriff beim Tunnelbau auf Hochtouren. Die Holzbalken für den drei Meter hohen Bretterzaun, der die künftige Großbaustelle umgeben wird, sind bereits gesetzt. In den Gebäuden mit den Hausnummern 261 bis 265 finden Besprechungen statt. Der für den Tunnelbau vom Hauptbahnhof nach Obertürkheim verantwortliche Bauingenieur der Bahn, Volker Weiss, hat am Mittwochabend rund 100 interessierte Einwohner über die konkreten Baumaßnahmen und die Auswirkungen auf den Stadtbezirk informiert. Fast alle Fragen der Wangener drehten sich um die Themen Verkehr und Immobiliensicherung.

An der Ulmer Straße wird ein großer Schacht ausgehoben

Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm betrifft den Stadtbezirk Wangen durch den Tunnel, der vom Hauptbahnhof nach Obertürkheim führen wird. Dieser Tunnel erreicht den Bezirk von Gablenberg und Gaisburg kommend im Bereich Jägerhalde, an dieser Stelle etwa 46 Meter unter der Straße. Von hier geht der Tunnel weiter in Richtung Viehwasen, dort ist er noch 20 Meter unter der Erde. Der Neckar wird in acht Metern Tiefe unterquert, unter dem Fluss treffen sich die Zuführungen zum neuen Abstellbahnhof in Untertürkheim und zur bestehenden Filstalbahn in Obertürkheim.

Um den Tunnel bauen zu können, ist an der Ulmer Straße ein Zwischenangriff erforderlich. Das heißt, dass an dieser Stelle ein Schacht mit einem Durchmesser von 22 Metern rund 37 Meter tief in die Erde ausgehoben wird, ein ziemlich großes Loch also. Von diesem Schacht aus wird der Tunnel in beide Richtungen – sowohl in Richtung Hauptbahnhof als auch in Richtung Unter- und Obertürkheim – vorangetrieben. Dies wird in bergmännischer Bauweise geschehen, also durch Baggern, Fräsen und bei Bedarf auch Sprengen. Der Erd- und Felsaushub wird durch den Schacht mit Hilfe eines Portalkrans an die Erdoberfläche gebracht, auf Lastwagen geladen und über die Ulmer Straße in Richtung Talstraße und Bundesstraße 10 abtransportiert. Die Fahrstrecken sind im Planfeststellungsbeschluss, der inzwischen schon einige Jahre her ist, fest- und vorgeschrieben.

Bis zu 590 zusätzliche Lastwagenfahrten pro Tag

Für den Stadtbezirk bedeutet das in der intensivsten Bauphase von Ende 2013 bis voraussichtlich 2016 bis zu 590 zusätzliche Lastwagenfahrten pro Tag. Die Wangener befürchten dadurch erhebliche Verkehrsprobleme im Kreuzungsbereich Inselstraße/Ulmer Straße mit entsprechendem Ausweichverkehr beispielsweise durch die Nähterstraße. Problematisch erscheint vielen, dass Lastwagen, die zur Baustelle wollen, den Wender an der Kreuzung benutzen müssen. Dabei müssen sie die Stadtbahngleise der Linien U4 und U9 queren. In diesem Bereich kommt es schon heute zu den Hauptverkehrszeiten zu Problemen.

Nach Angaben von Volker Weiss von der Bahn werden zurzeit sowohl für diesen Bereich als auch für die Brendle-Kreuzung, die bereits im Stadtbezirk Stuttgart-Ost liegt, Gespräche mit der Stadt über mögliche Veränderungen in der Verkehrsführung geführt. Weiss will die Wangener darüber ebenso regelmäßig informieren wie über alle Fragen rund um die Immobilien, unter denen der Tunnel gegraben wird. Für die Häuser und Grundstücke, die in einem Bereich von etwa 50 Metern links und rechts über der Tunneltrasse liegen, gilt bis zur Fertigstellung des Projekts eine Veränderungssperre. Für diese Gebäude hat in den vergangenen Wochen ein sogenanntes Beweissicherungsverfahren begonnen, das dazu dient, mögliche Beschädigungen durch den Tunnelbau feststellen zu können. Die ersten Häuser in dem Bereich in Wangen wurden bereits begutachtet.

Redaktion Wangen

Ansprechpartnerin
Caroline Leibfritz
wangen@stz.zgs.de

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