„Batman vs. Superman“ Bombastwahn mit Zeitlupenfimmel

Von Oliver Stenzel 

Henry Cavill als Superman, Ben Affleck als Batman (vorne) Foto: Verleih
Henry Cavill als Superman, Ben Affleck als Batman (vorne)Foto: Verleih

Superman und Batman sind nicht nur die ältesten Comic-Superhelden, erfunden 1938 und 1939, sie sind auch höchst gegensätzliche Figuren – die nun im Kino gegeneinander antreten. Doch Zack Snyders strukturlose Comic-Adaption lässt gute Ansätze verpuffen.

Gotham - Superman ist ein nahezu unverwundbarer Außerirdischer vom Planeten Krypton, ausgestattet mit übermenschlichen Kräften und der Fähigkeit zu fliegen. Batman dagegen: ein gewöhnlicher Mensch ohne Superkräfte, der nur dank guter Physis sowie allerlei technischen Hilfsmitteln seinen Gegnern meist überlegen ist. Und während der strahlende Superman ein Saubermann sein möchte und seine Kräfte recht breit gefächert zum Wohle der Menschheit einsetzt, hat der bürgerlich Bruce Wayne heißende Batman vor allem eine Triebfeder: Rache.

Als er Kind war, erschoss ein Krimineller seine Eltern, weswegen er später dort für Gerechtigkeit sorgen will, wo es die Polizei nicht schafft. Ein Selbstjustizler also, was der Figur etwas Ambivalentes und Abgründiges verleiht.

Das Aufeinandertreffen dieser beiden Cape-Träger verspricht also eine spannungsreiche Konstellation, die es in den ­Comicheften des DC-Verlags schon einige Male gegeben hat, im Kino aber noch nie. Die Inszenierung hat Regisseur Zack Snyder übernommen, der 2013 schon für Supermans eher missratene Leinwand-Rückkehr „Man of Steel“ verantwortlich zeichnete.

Kollabierende Gebäude verursachen gewaltige Staubwolken, die Bilder erinnern überdeutlich an 9/11

An jenen Film knüpft „Batman vs. Superman“ direkt an, genauer: an die finale Schlacht zwischen Superman (Henry Cavill) und dem kryptonischen General Zod. Große Teile der fiktiven Stadt Metropolis gingen dabei zu Bruch, und gemeinsam mit dem durch die Straßen hetzenden Bruce Wayne (Ben Affleck) erlebt man dies nun aus der Passanten-Perspektive: Kollabierende Gebäude verursachen gewaltige Staubwolken, die Bilder erinnern überdeutlich an 9/11.

Der Kampf der beiden Kryptonier hat ­gewaltige Kollateralschäden verursacht und viele zivile Tote und Versehrte. Eineinhalb Jahre später nun sterben erneut viele ­Unschuldige, als Superman seine Geliebte Lois Lane (Amy Adams) in Afrika aus den Händen dubioser Söldner befreit. Nun setzt eine öffentliche Diskussion ein: War die Aktion des bislang gefeierten Helden nötig und angemessen? Sollte sein Handeln nicht vielmehr nur noch im Rahmen der Verfassung erfolgen, mit Regierungsmandat? Was, sollte er seine Superkräfte auf einmal gegen die Menschheit einsetzen? Und warum ist darüber gerade der Outlaw Batman besorgt?

Prächtige Vorlagen, aus denen jemand wie der dreimalige Batman-Regisseur Christopher Nolan vielleicht ein vielschichtiges ­Kinoabenteuer gemacht hätte. Nicht aber Snyder, der eher ein Mann fürs Grobe ist und für den Bombast-Wahn. All die Themen scheinen ihn nicht wirklich interessiert zu haben, er reißt sie nur an und setzt sie – kaum je schlüssig verknüpft – zwischen andere Blöcke einer Handlung. Die ist zwar recht schlicht geraten, verwirrt aber durch eine völlig strukturlose Inszenierung und ermüdet durch beträchtliche Längen.

Hölzernste Dialoge ersticken jede Charakterentwicklung

Erst nach knapp zwei Stunden treten die Helden gegeneinander an, und weil Batmans Motivation, Superman zu stoppen, selbst bis dahin nicht richtig zwingend erscheint, muss Superschurke Lex Luthor (Jesse Eisenberg) auch noch eine plumpe dramaturgische Krücke liefern.

Wie in „Man of Steel“ wirkt Cavill eher blutleer denn als Superman, neben ihm spielt Affleck einen passablen, zynisch-kaputten Batman, wenn auch lange nicht so differenziert wie zuletzt Christian Bales Interpretation der Rolle. Eisenberg gibt Lu­thor als schön psychotischen Bösewicht, und die ­israelische Schauspielerin Gal Gadot hat am Ende einen erfrischenden Kurzauftritt als Wonder Woman – doch all das hilft nichts. Früher oder später ersticken hölzernste Dialoge jede Charakterentwicklung. Die Sprache, auf die sich Snyder besser versteht, ist die der Breitwand-Explosionen und von bombastischen Klängen untermalten Schlachtengemälde.

Zum inszenatorischen Super-GAU kommt noch ein seltsamer Fimmel für bedeutungsschwangere Zeitlupensequenzen, die ­gefühlt die Hälfte des Films ausmachen. Einmal lässt Snyder die Kartusche einer ­Salutschuss-Kanone langsamst zu Boden fallen, ein Detail, das nebensächlicher kaum sein könnte. Komplett absurd. Oder, wie ­Homer Simpson, der Superheld der Couch-Potatoes sagen wurde: „Langweilig!“

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