Bankenhochzeit Bankfusion: Auch Fellbach ist am Württemberg

Von Hans-Dieter Wolz 

Vorstandssprecher Ingolf Epple wirbt vor den gewählten Vertretern um Zustimmung zum Fusionsvertrag. Foto: Hans-Dieter Wolz
Vorstandssprecher Ingolf Epple wirbt vor den gewählten Vertretern um Zustimmung zum Fusionsvertrag.Foto: Hans-Dieter Wolz

Die künftige „Volksbank am Württemberg“ soll ihren Sitz in Fellbach haben. Das versöhnt die Kritiker der Namenswahl und anderer Entscheidungen.

Fellbach - Der Württemberg mit seiner Grabkapelle ist zwar vom Hesse-Saal der Schwabenlandhalle nicht direkt sichtbar. Doch war er im Saal stets im Blick im designierten Namen „Volksbank am Württemberg“ des fusionierten Instituts aus Fellbacher Bank und Untertürkheimer Volksbank. Am Informationsabend für die gewählten Vertreter der Fellbacher Bankmitglieder am Donnerstag rückte die geschichtsträchtige Rotenberger Anhöhe vor dem geistigen Auge sogar bis in die Kappelbergstadt: Vorstandssprecher Ingolf Epple überraschte die Besucher aus dem Entscheidungsgremium mit der Bekanntgabe, dass die „Volksbank am Württemberg“ ihren Sitz in Fellbach haben soll.

Wahl des Sitzes hilft, Gewerbesteuer zu sparen

Der Schachzug freute den in der ersten Reihe der Zuhörer sitzenden Finanzbürgermeister Günter Geyer, denn an der Zahl der Arbeitsplätze am Sitz hängt die Höhe der Gewerbesteuer, welche die Stadt kassieren kann. Unterm Strich ist diese Wahl gleichwohl insgesamt ein Steuersparmodell: Denn die Stadt Fellbach verlangt einen deutlich geringeren Hebesatz dieser kommunalen Steuer als Stuttgart.

Vor allem aber soll die Wahl des Sitzes unterstreichen, wie Vorstandssprecher Ingolf Epple ebenso wie sein Vorstandskollege Peter Hermanutz betonte, dass die Fusion, wie versprochen, auf Augenhöhe stattfindet: „Sonst hätte es geheißen: Ihr werdet geschluckt.“ Dieses Missverständnis des kollegial ausgehandelten Fusionsvertrags wäre naheliegend gewesen, ist doch darin festgelegt, dass der Spitzenposten des Vorstandsvorsitzenden an Armin Hornung, der bisher in gleicher Position in der Untertürkheimer Volksbank wirkte, geht. Der Chef-Aufseher wird Fritz Oesterle, der seither über die Untertürkheimer Genossenschaft mit aufmerksamem Blick wachte. Um einen Teil der Grunderwerbssteuer zu sparen – vermutlich wird ein sechsstelliger Betrag fällig – müssen die Untertürkheimer wegen ihres größeren Immobilienbesitzes auch die aufnehmende statt die übertragende Gesellschaft sein, an deren Besitz sich die Abgabe bemisst. Ingolf Epple gab zu, dass die letztere Notwendigkeit auch ein „kritischen Punkt“, weil ein symbolträchtiger Schritt ist.

Kunden aus Fellbach erhalten eine neue IBAN

Diese ausgehandelte Aufgabenverteilung blieb in der von mehr als der Hälfte der Vertreter besuchten Informationsveranstaltung gleichwohl unbeanstandet. Gleiches galt für die unangenehme Tatsache, dass die Kunden sich an eine andere IBAN gewöhnen müssen. Hier schlägt sich nieder, dass die Bankleitzahl der bisherigen in Untertürkheim entsprechen wird und der meist neunstelligen Kennzahl eine 15 vor-angestellt werden muss, damit es keine Dubletten im neuen Kontenregister geben wird. Eine mehrjährige Übergangsfrist wird den Kunden bei der Umstellung helfen, kündigte Ingolf Epple an.

Positives Stimmungsbild am Vertreter-Informationsabend

Das Stimmungsbild in der Fragerunde ließ erwarten, dass die 221 gewählten Vertreter der Fellbacher Bank in der entscheidenden Versammlung am Montag, 18. April, 18.30 Uhr, wiederum im Hesse-Saal, mit der nötigen Drei-Viertel-Mehrheit für die Fusion zur „Volksbank am Württemberg“ stimmen werden. Prominente Redner wie Ulrich Lenk, Paul Rothwein, Tom Seibold, Wilfried Stirm und weitere schauten mit Lob auf den rechtzeitigen Schritt zu einer größeren Einheit angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen des Niedrig-Zins-Umfelds, der zunehmenden bürokratischen Anforderungen und der Kosten der fortschreitenden Digitalisierung. Die Fusion allein wird zwar noch nicht Kosten sparen, weil keine Entlassungen von Mitarbeitern vorgesehen sind, aber sie wird geplante Neueinstellungen bei bestehenden Vakanzen ersparen.

Vorstandssprecher verspricht Kundennähe

Eine Einzelmeinung blieb die Wortmeldung Gerhard Ebingers, der den Namen der stolzen Stadt Fellbach ungern im Schriftzug der Bank getilgt sehen wollte und beantragte, über den Namen in der Vertreterversammlung gesondert abzustimmen. Viel wichtiger als der Name sei es, so lautete ein Redebetrag, dass die Bank ihr Gesicht nicht in nennenswerter Weise verändert. Vorstandssprecher Ingolf Epple, künftig stellvertretender Vorstandsvorsitzender, sagte dies zu: „Wir müssen größer werden, aber wir wollen nicht die Verbindung zum Kunden verlieren.“

Lesen Sie jetzt