Banden-Konflikte in der Region Stuttgart Zwei Banden liefern sich blutige Kämpfe

Von Christine Bilger 

Die Red Legion sind in Baden-Württemberg verboten, viele ihrer Anhänger sind jedoch weiterhin aktiv – so auch in der Nacht zum Donnerstag bei den Auseinandersetzungen mit den Osmanen Germania. Foto: dpa
Die Red Legion sind in Baden-Württemberg verboten, viele ihrer Anhänger sind jedoch weiterhin aktiv – so auch in der Nacht zum Donnerstag bei den Auseinandersetzungen mit den Osmanen Germania. Foto: dpa

Ein Mann wird bei Auseinandersetzungen zweier rivalisierender Gruppen lebensgefährlich verletzt. Die Polizei geht davon aus, dass die Kontrahenten zur Red Legion und zu den Osmanen Germania BC zählen.

Stuttgart - Auf der einen Seite standen wohl Mitglieder der verbotenen Red Legion, auf der anderen die noch junge Gruppe Osmanen Germania BC: Das hat die Polizei über zwei Schlägereien in der Nacht zum Donnerstag herausgefunden. Bei den Auseinandersetzungen in Stammheim und Ludwigsburg wurden drei Männer verletzt, zwei von ihnen schwer, teilt die Polizei mit. Es könnte sich dabei auch um ein Nachspiel der Krawalle am Rande einer Demo nationalistischer Türken vor zwei Wochen in Stuttgart gehandelt haben.

Die Verletzungen eines Mannes, der der Red Legion zugerechnet wird, sind schwer: Die Täter sollen auf ihn mit Baseballschlägern eingedroschen und mit Messern auf ihn eingestochen haben. Ein 41-jähriger Mann, der den Osmanen zuzurechnen ist, wurde lebensgefährlich verletzt, sei aber nun stabil, meldet die Polizei.

Ein Mann schwebte in Lebensgefahr, ist aber wieder stabil

Am Mittwoch begann die erste Schlägerei gegen 22 Uhr in Stammheim. Dort sollen mehrere Männer einen 25-jährigen Red-Legion-Anhänger in der Freihofstraße verfolgt haben und griffen ihn an. Gegenüber der Polizei soll er angedeutet haben, dass die Angreifer zum Osmanen Germania BC gehören. Diese noch recht junge Bande, die sich als Boxclub bezeichnet und wie die Red Legion rockerähnlich gibt, darf ihr Emblem in der Öffentlichkeit tragen – die verbotene Red Legion darf das nicht.

Der 25-Jährige wurde ins Krankenhaus nach Ludwigsburg gebracht. In der Kreisstadt gingen dann die Kämpfe weiter. Laut einer Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg könnte der gegen 1 Uhr gestartete Angriff ein Gegenschlag für die Aktion in Stammheim gewesen ein: Rund 20 Anhänger der Red Legion, die meist einen kurdischen Hintergrund haben, gingen auf zwei 32 und 41 Jahre alte, den Osmanen zuzurechnende Männer los. Sie traktierten die beiden mit Baseballschlägern und Messern. Der 32-Jähirge erlitt Platzwunden und Stichverletzungen. Er konnte am Morgen aus der Klinik entlassen werden.

Im Land gibt es sechs Ableger der Osmanen Germania

Die Polizei bezeichnet die Auseinandersetzung als eine Eskalation der seit längerem anhaltenden Auseinandersetzungen im Milieu der rockerähnlichen Banden. Man kann sie aber auch im Licht der aktuellen Konfrontationen zwischen kurdisch- und türkischstämmigen Gruppen betrachten, etwa bei besagter Demo vor knapp zwei Wochen, bei der die Osmanen dabei waren.

Die Red Legion ist von Beginn an überwiegend in kurdischer Hand gewesen. Die Osmanen, 2014 in Frankfurt ins Leben gerufen, gelten als türkisch-nationalistisch.

In Baden-Württemberg gibt es nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts bislang sechs Ableger der Osmanen Germania: in Mannheim, Heidelberg, Heilbronn, Stuttgart, Konstanz und Ravensburg. Genaue Angaben zum Potenzial der Gruppierungen seien schwierig, man komme aber bei Schätzungen auf aktuell rund 60 Personen im Land, so ein LKA-Sprecher.

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