Bahnverspätungen im Kreis Ludwigsburg Abmahnung für Deutsche Bahn

Von Patricia Elsner 

Wenn die Frankenbahn nicht bald pünktlicher fährt, könnte der Zug für die Deutsche Bahn abgefahren sein  Möglicherweise verliert sie dann weitere Strecken. Foto: dpa
Wenn die Frankenbahn nicht bald pünktlicher fährt, könnte der Zug für die Deutsche Bahn abgefahren sein Möglicherweise verliert sie dann weitere Strecken. Foto: dpa

Die Pendler auf der Frankenbahn sind genervt – ob und wann der Zug zwischen Stuttgart und Würzburg kommt, scheint manchmal geradezu willkürlich. Wenn die Deutsche Bahn die Situation nicht bald ändert, könnte das schwerwiegende Folgen für sie haben.

Kreis Ludwigsburg - Die regelmäßigen Verspätungen und Zugausfälle auf der Strecke der Frankenbahn, bringt nicht Pendler auf die Palme. Auch das Land ist darüber inzwischen so verärgert, dass es der Deutschen Bahn (DB) nun eine Abmahnung geschickt hat. Es ist bereits die zweite binnen weniger Monate. Die erste war im Februar 2017 erfolgt. Bereits damals konnte die Deutsche Bahn die Vorgaben des Landes zur Pünktlichkeit und zu Zugsausfällen nicht einhalten. „Leider muss ich feststellen, dass Sie die in meinem Schreiben vom 15. Februar genannten und vom Land erwarteten Zielwerte nicht erreicht haben“, schreibt nun der Ministerialdirektor im Landesverkehrsministerium Uwe Lahl an David Weltzien, den Regionalleiter der Deutschen Bahn in Baden-Württemberg.

Insbesondere auf der Frankenbahn, die zwischen Stuttgart und Heilbronn den Kreis Ludwigsburg passiert, seien die Züge immer wieder unpünktlich – oder fielen ganz aus. In der ersten Jahreshälfte 2017 waren laut Ministerium nur 88,8 Prozent der Züge auf der Frankenbahn pünktlich. Der vertraglich vereinbarte Wert liegt bei 94 Prozent der Züge. Auch die Zahl der Zugausfälle sei überdurchschnittlich hoch: zwischen Mitte April und Mitte Juni lag die Ausfallquote bei drei Prozent, in der Woche nach Ostern sogar bei acht Prozent. „Besonders beunruhigt mich der immer noch zu hohe Anteil der DB Regio zuzurechnenden Ausfallquoten“, schreibt Lahl. Dieser lag im Schnitt bei 61 Prozent für alle Züge. In der letzten Märzwoche war die Bahn sogar für 82 Prozent der Ausfälle verantwortlich.

Zustände, die das Ministerium so nicht mehr dulden will. „Weitere rechtliche Schritte behalten wir uns vor,“ schreibt Lahl. Dies könne unter anderem der Ausschluss der Deutschen Bahn von laufenden und bevorstehenden Vergabeverfahren sein. Die meisten der neu ausgeschriebenen Schienennetze in Baden-Württemberg sind zwar bereits vergeben. „Denkbar wäre aber, die DB bei den noch anstehenden Vergaben für die Strecke im Raum Karlsruhe oder bei der Regionalstadtbahn Neckar-Alb auszuschließen“, erklärt die Ministeriumssprecherin Babett Waschke.

Von 2019 an fahren moderne Züge – und ein anderer Anbieter

„Wir prüfen das Schreiben juristisch“, sagt Martin Schmolke, der Sprecher der Deutschen Bahn Baden-Württemberg. Nach der Entgleisung eines Güterzuges bei Michelbach an der Bilz Mitte Juni sei es wegen der folgenden Bauarbeiten zu Fahrplanabweichungen gekommen, was mit einer der Gründe für die Verspätungen und Zugausfälle sei. Außerdem hätten sich nach den Hitzetagen in den letzten Wochen viele Mitarbeiter krank gemeldet, was den Betrieb durcheinander gebracht habe. „Unabhängig von dem Schreiben arbeiten wir weiter daran, die Betriebsqualität der Frankenbahn zu verbessern“, sagt er.

In dem Bieterwettbewerb um die sogenannten Stuttgarter Netze, zu denen auch die Frankenbahn gehört, war die Deutsche Bahn zwei ausländischen Firmen unterlegen. Daher wird von Dezember 2019 an das niederländische Unternehmen Abellio die Züge auf der Frankenbahn betreiben. Dann sollen auf der Strecke auch hochmoderne, barrierefreie und mit WLAN ausgestattete Züge fahren. Bis dahin betreibt die Deutsche Bahn übergangsweise die Frankenbahn für weitere drei Jahre. „Ein früheres Einscheren von Abellio ist nicht möglich, da deren Fahrzeuge für die Frankenbahn erst im Dezember 2019 zur Verfügung stehen werden“, sagt die Ministeriumssprecherin Waschke.

Die Situation wird nicht besser

Erste Mahnung
Bereits im Februar 2017 sprach das Verkehrsministerium eine Mahnung gegenüber der Deutsche Bahn aus, weil es auf einigen Strecken zu häufigen Ausfällen und Verspätungen kam. Die Bahn versprach Besserung. Unter anderem sollten 30 zusätzliche Zugbegleiter auf der Frankenbahn für ein schnelleres Ein- und Aussteigen sorgen. Die ebenfalls belastete Filstalbahn sollte künftig früher losfahren, um einen Zeitpuffer zu haben.

Zweite Mahnung
Die Werte für die Verspätungen und Zugausfälle haben sich in den letzten Monaten nicht gebessert. Damit folgte jetzt Mahnung Nummer zwei an die DB.

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