Bahn-Chef Grube "Ich setze auf Kretschmann"

Michael Isenberg und Konstantin Schwarz, 23.11.2011 13:02 Uhr
Bahn-Chef Rüdiger Grube warnt das Land vor einem teuren Ausstieg aus Stuttgart 21.

Stuttgart - Rüdiger Grube ist zuversichtlich, dass die Bürger bei der Abstimmung am Sonntag Stuttgart21 bestätigen. Eine Projektalternative gibt es nicht, warnt der 60-jährige Bahn-Chef. Auch wenn S21 teurer wird, trage das Land weiter die Verantwortung.

Herr Grube, was erwarten Sie von der Volksabstimmung am Sonntag?
Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Bürger die verkehrlichen, ökologischen und städtebaulichen Vorteile von Stuttgart 21 erkennt und gegen das S-21-Kündigungsgesetz stimmt. Außerdem hoffe ich, dass die Wahlbeteiligung hoch ausfällt. Das wäre dann ein wirklich schöner Erfolg für S 21.

Was erwarten Sie von der Politik?
Da habe ich sehr klare Erwartungen: Die Grünen und die SPD in der Landesregierung müssen nach der Volksabstimmung klipp und klar sagen, wie es mit dem Projekt Stuttgart 21 weitergeht. Ministerpräsident Kretschmann hat bereits gesagt, er werde jedes Abstimmungsergebnis akzeptieren. Diesem Wort des Ministerpräsidenten vertraue ich! Außerdem vertraue ich der Klugheit der Baden-Württemberger: Neun von zehn Menschen, die zur Abstimmung gehen, wollen das Ergebnis laut einer Meinungsumfrage annehmen. Dieser Grundkonsens ist sehr wichtig. Das ist die Grundlage für einen Schlussstrich unter die jahrelangen Streitigkeiten.

Sie sind selbst bei etlichen Pro-S21-Veranstaltungen zur Volksabstimmung aufgetreten. Wie schätzen Sie die Stimmung ein?
Ich war nicht nur Manager in einem Auto-, sondern auch in einem Luftfahrtkonzern, darum erlaube ich mir mal als Bahn-Chef ein Bild aus der anderen Branche: Ich fliege seit Monaten durch schweres Wetter. Ich halte den Kurs, ich komme gut voran, trotzdem ist es zeitweilig anstrengend. Am Sonntag jedoch - da bin ich zuversichtlich - wird der Himmel aufreißen und die Sonne scheinen.

Hängt Ihre berufliche Zukunft vom Ausgang der Abstimmung ab? Tritt der Vorstandsvorsitzende zurück, wenn ein so wichtiges Projekt der Bahn AG beim Bürger durchfällt?
Das Projekt S21 hat nun wirklich nichts mit meiner beruflichen Zukunft zu tun.

Werden Sie auf jeden Fall daran festhalten - egal, wie die Abstimmung ausgeht?
Die Deutsche Bahn hat 2009 Verträge mit dem Bund, dem Land, der Stadt Stuttgart, der Region und dem Flughafen geschlossen, die mich heute zur Realisierung von S21 verpflichten. Das ist der Stand der Dinge. Gegen einen hartnäckigen Willen einer Landesregierung, dessen bin ich mir freilich bewusst, lässt sich ein Infrastrukturprojekt von dieser Komplexität auf Dauer wohl kaum realisieren.

Das heißt?
Sollte das Kündigungsgesetz scheitern, wird S21 gebaut, und da erwarte ich von allen Partnern, auch dem Land, das Projekt nach Kräften zu unterstützen. Sollte es je eine Mehrheit für den Ausstieg des Landes geben und diese auch das Quorum erreichen, liegt der Ball beim Land. Die Landesregierung müsste dann versuchen, Kündigungsrechte - die nicht bestehen - geltend zu machen. Dagegen muss und wird die Deutsche Bahn klagen, schon alleine damit dem Unternehmen kein Schaden entsteht. Am Ende stünde das Land mit leeren Händen da: Es müsste Milliarden aus seinem Haushalt entnehmen, um den Ausstieg zu finanzieren, und hätte nichts. Denn für das vermeintliche Alternativkonzept K21 mit einem sanierten Kopfbahnhof gibt es keinerlei Pläne und keine Finanzierung. Wer Nein sagt zu S21, sagt also nicht Ja zu K21, sondern Ja zu G21.

Für was steht G21?
Gar nichts 21. Sprich: Die schnellen Züge in Richtung München fahren über Ingolstadt an Stuttgart vorbei.

Drohen Sie den Bahnreisenden etwa?
Nein, im Gegenteil. Ich spreche hier für die Position der Bahnkunden und der Baden-Württemberger. Den Menschen muss ehrlich gesagt werden, was am Sonntag auf dem Spiel steht: Da geht es um handfeste Auswirkungen auf den Schienenverkehr der Zukunft und den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg, von den städtebaulichen Nachteilen für die Landeshauptstadt ganz zu schweigen.

 
 
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Kommentare (132)
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Erika Schock Ist schon länger als 1 Jahr her
Es geht beim Weiterbau von S21 um Leib und Leben. Dies äußerte Frei Otto im August 10. Es regte sich bei ihm das Gewissen. www.blogspan.net/presse/stern-es-geht-um-leib-und-leben-eine... Ich klage jetzt schon die Bahn,CDU,SPD und sonstige Unterstützer von S21 an, beim Weiterbau von 21 billigende Tote in Kauf zu nehmen, nur um den maximalen Gewinn einfahren zu können. Doch dieses Mal kommen die Herrschaften nicht ungeschoren davon! Volkeszorn wird über sie hereinbrechen!!!
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Klartext Ist schon länger als 1 Jahr her
Es wurden eben KEINE Belege für Trickserein gefunden. Glauben Sie nicht auch, dass Herr Hermann und seine 54 Wühlmäuse nicht schon längst geklagt hätten, wenn es auch nur den Hauch eines Beleges gäbe? =========SIE wollen aufgeklärt sein? Sie sind lediglich ein armer Verwirrter, der irgendwelche Lügen und Behauptungen nachplappert, die ihm von sogenannten, selbsternannten 'Experten' vorgekaut wurden.
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JA!! Ist schon länger als 1 Jahr her
...z.B. Gott Patrick in Freiburg oder Gott Wolfgang in Bühl… und DAS ist Fakt, ehrlich!
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Galilei Ist schon länger als 1 Jahr her
Obwohl Bahnchef Grube gebetsmühlenartig betont, dass es in den nächsten 15 Jahren beim Kellerbahnhof-Bau zu keinen Kostensteigerungen kommen wird, verlangt er, dass der baden-württembergische Steuerzahler für etwaige Mehrkosten unbegrenzt zur Kasse gebeten wird: ? http://tinyurl.com/btspgkv ? Allein in der Planungsphase in den vergangenen drei Jahren sind die Kosten um +50% gestiegen: ? http://tinyurl.com/6ss4ox6 ? Bei den meisten Großprojekten der DB in den letzten Jahren waren in der Endabrechnung Kostensteigerungen um +100% bis +200% zu verbuchen – die Projekte haben also in Summe bis zum Dreifachen des veranschlagten Preises gekostet: ? http://tinyurl.com/64f6arr ? Aufgrund dieser Erfahrungswerte könnte Stuttgart 21 im Extremfall bis zu 9 Milliarden Euro kosten. Für Stuttgart eine alptraumhafte Vision: Inmitten der Stadt eine riesige Baugrube und der Hauptbahnhof halb demontiert, und die DB baut nicht weiter, bevor Stadt und Land 2, 3 oder 4 Milliarden nachgezahlt haben. ? Die Vernunft sagt: JA! zum Ausstieg. Am Sonntag Stimme abgeben!
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Dipl.-Ing. Laurenz Scholten Ist schon länger als 1 Jahr her
Die Behauptung, dass Stuttgart21 und die Neubaustrecke nur miteinander realisierbar wären, ist sachlich völlig unbegründet und falsch! Diese Lüge soll die Befürworter der Neubaustrecke, die sich über Fahrzeitverkürzungen freuen, zu einer Zustimmung für den Kellerbahnhof in Stuttgart bewegen. Tatsächlich entstehen die Fahrzeitverkürzungen zwischen Stuttgart und Ulm aber alleine durch die Neubaustrecke, und diese kann selbstverständlich auch kostengünstig an den bestehenden Bahnhof angeschlossen werden – so wie das anderswo in Deutschland auch geschehen ist. Um Zustimmung zu Stuttgart21 wird - wie so oft! - mit falschen Informationen geworben. Übrigens fördert die EU die Neubaustrecke, jedoch explizit nicht Stuttgart21, da selbst in Brüssel verstanden wurde, dass Stuttgart21 dem Schienenverkehr in keiner Weise dient. ? Wer den Bau der Neubaustrecke und den Ausbau von Südbahn und Gäubahn will, der sollte mit ? JA ? zum Ausstieg aus Stuttgart21 stimmen – denn wenn der Kellerbahnhof zu den erwarteten Kosten von 6,5 Milliarden (Oettinger-Schätzung) gebaut wird, dann fehlt das Geld für alle weiteren Projekte! Deshalb am Sonntag mit ? JA ? stimmen für modernen Bahnverkehr!
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