Bahn-Chef Grube "Ich setze auf Kretschmann"

Von Michael Isenberg und Konstantin Schwarz 

Nach der Volksabstimmung erwartet Bahn-Chef Rüdiger Grube, dass sich die Landesregierung zum Projekt Stuttgart 21 bekennt und es beim Bürger durchsetzt. Foto: dpa
Nach der Volksabstimmung erwartet Bahn-Chef Rüdiger Grube, dass sich die Landesregierung "zum Projekt Stuttgart 21 bekennt und es beim Bürger durchsetzt".Foto: dpa

Bahn-Chef Rüdiger Grube warnt das Land vor einem teuren Ausstieg aus Stuttgart 21.

Stuttgart - Rüdiger Grube ist zuversichtlich, dass die Bürger bei der Abstimmung am Sonntag Stuttgart21 bestätigen. Eine Projektalternative gibt es nicht, warnt der 60-jährige Bahn-Chef. Auch wenn S21 teurer wird, trage das Land weiter die Verantwortung.

Herr Grube, was erwarten Sie von der Volksabstimmung am Sonntag?
Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Bürger die verkehrlichen, ökologischen und städtebaulichen Vorteile von Stuttgart 21 erkennt und gegen das S-21-Kündigungsgesetz stimmt. Außerdem hoffe ich, dass die Wahlbeteiligung hoch ausfällt. Das wäre dann ein wirklich schöner Erfolg für S 21.

Was erwarten Sie von der Politik?
Da habe ich sehr klare Erwartungen: Die Grünen und die SPD in der Landesregierung müssen nach der Volksabstimmung klipp und klar sagen, wie es mit dem Projekt Stuttgart 21 weitergeht. Ministerpräsident Kretschmann hat bereits gesagt, er werde jedes Abstimmungsergebnis akzeptieren. Diesem Wort des Ministerpräsidenten vertraue ich! Außerdem vertraue ich der Klugheit der Baden-Württemberger: Neun von zehn Menschen, die zur Abstimmung gehen, wollen das Ergebnis laut einer Meinungsumfrage annehmen. Dieser Grundkonsens ist sehr wichtig. Das ist die Grundlage für einen Schlussstrich unter die jahrelangen Streitigkeiten.

Sie sind selbst bei etlichen Pro-S21-Veranstaltungen zur Volksabstimmung aufgetreten. Wie schätzen Sie die Stimmung ein?
Ich war nicht nur Manager in einem Auto-, sondern auch in einem Luftfahrtkonzern, darum erlaube ich mir mal als Bahn-Chef ein Bild aus der anderen Branche: Ich fliege seit Monaten durch schweres Wetter. Ich halte den Kurs, ich komme gut voran, trotzdem ist es zeitweilig anstrengend. Am Sonntag jedoch - da bin ich zuversichtlich - wird der Himmel aufreißen und die Sonne scheinen.

Hängt Ihre berufliche Zukunft vom Ausgang der Abstimmung ab? Tritt der Vorstandsvorsitzende zurück, wenn ein so wichtiges Projekt der Bahn AG beim Bürger durchfällt?
Das Projekt S21 hat nun wirklich nichts mit meiner beruflichen Zukunft zu tun.

Werden Sie auf jeden Fall daran festhalten - egal, wie die Abstimmung ausgeht?
Die Deutsche Bahn hat 2009 Verträge mit dem Bund, dem Land, der Stadt Stuttgart, der Region und dem Flughafen geschlossen, die mich heute zur Realisierung von S21 verpflichten. Das ist der Stand der Dinge. Gegen einen hartnäckigen Willen einer Landesregierung, dessen bin ich mir freilich bewusst, lässt sich ein Infrastrukturprojekt von dieser Komplexität auf Dauer wohl kaum realisieren.

Das heißt?
Sollte das Kündigungsgesetz scheitern, wird S21 gebaut, und da erwarte ich von allen Partnern, auch dem Land, das Projekt nach Kräften zu unterstützen. Sollte es je eine Mehrheit für den Ausstieg des Landes geben und diese auch das Quorum erreichen, liegt der Ball beim Land. Die Landesregierung müsste dann versuchen, Kündigungsrechte - die nicht bestehen - geltend zu machen. Dagegen muss und wird die Deutsche Bahn klagen, schon alleine damit dem Unternehmen kein Schaden entsteht. Am Ende stünde das Land mit leeren Händen da: Es müsste Milliarden aus seinem Haushalt entnehmen, um den Ausstieg zu finanzieren, und hätte nichts. Denn für das vermeintliche Alternativkonzept K21 mit einem sanierten Kopfbahnhof gibt es keinerlei Pläne und keine Finanzierung. Wer Nein sagt zu S21, sagt also nicht Ja zu K21, sondern Ja zu G21.

Für was steht G21?
Gar nichts 21. Sprich: Die schnellen Züge in Richtung München fahren über Ingolstadt an Stuttgart vorbei.

Drohen Sie den Bahnreisenden etwa?
Nein, im Gegenteil. Ich spreche hier für die Position der Bahnkunden und der Baden-Württemberger. Den Menschen muss ehrlich gesagt werden, was am Sonntag auf dem Spiel steht: Da geht es um handfeste Auswirkungen auf den Schienenverkehr der Zukunft und den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg, von den städtebaulichen Nachteilen für die Landeshauptstadt ganz zu schweigen.

Bewerten
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Vielen Dank für Ihre Bewertung!
1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 2.67
Kommentar zu Stuttgart 21 Transparenz durch Druck

Von 20. August 2016 - 6:00 Uhr

Die Zusammenarbeit zwischen Bahn, Baufirmen und Zoll klappt. Großer öffentlicher Druck zu Beginn der Arbeiten hat dazu geführt. Man würde sich wünschen, dass beim Großprojekt Stuttgart 21 überall solche Transparenz herrscht.