Was halten Sie von dem Vorwurf der Grünen, dass S21 von Kanzlerin Angela Merkel und der Bundes-CDU genutzt wird, um der Ökopartei im schwarzen Stammland Baden- Württemberg das Leben zu vergällen?
So denke ich nicht. Meine Aufgabe ist es, das Unternehmen ordentlich zu führen. Im Übrigen bauen wir derzeit nicht nur S21, sondern haben bundesweit Dutzende Projekte im Volumen von 80 Milliarden Euro in der Pipeline. Ich bin von der Notwendigkeit moderner Infrastruktur überzeugt, weil optimale Verkehrsanbindungen eine Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum sind - ebenso wie die Investitions- und Planungssicherheit. Das sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Die Deutsche Bahn steht da für den Wirtschaftsstandort Deutschland, die Sicherung von Arbeitsplätzen und den Wohlstand in der Pflicht. Dafür setze ich mich intensiv ein.
Großprojekte wie die ICE-Strecken Frankfurt-Köln und Nürnberg-Ingolstadt oder der Hauptbahnhof in Berlin sind durch horrende Kostensteigerungen aufgefallen. Deshalb misstrauen viele speziell der Planungsleistung der Bahn. Auch in Stuttgart hakt es: Während im Talkessel die Bauarbeiten für S21 vor fast zwei Jahren begonnen haben, liegen für den Bereich Filder/Flughafen noch nicht einmal konkrete Pläne vor, geschweige denn amtliche Baugenehmigungen. Ist das solide Arbeit?
Man redet gerne von den wenigen Projekten, die außerhalb des Budgets liegen. Es gibt aber sehr viel mehr Projekte, die im Budget liegen oder darunter.
Fakten im Talkessel, keine Genehmigung auf den Fildern?
Es ist in Deutschland üblich bei Großprojekten, dass der Bau beginnt, während noch geplant wird. Anders wäre das zeitlich nicht zu schaffen. Sie sollten aber berücksichtigen, dass es vor Baubeginn immer eine grundsätzliche Übereinkunft mit allen Akteuren über ein Projekt gibt, auch mit der unabhängigen Genehmigungsbehörde Eisenbahnbundesamt. Die sogenannte Vorhabenbegründung ist zentraler Bestandteil des ersten, seit 2006 rechtskräftigen Planfeststellungsbeschlusses von S21.
Falls die Volksabstimmung so ausgeht, wie Sie es erwarten: Wann wird der Südflügel des Bonatzbaus abgerissen, wann werden die Bäume auf dem Baufeld im Schlossgarten verpflanzt oder gefällt?
Wir wollen mit dem Abriss des Südflügels nicht vor Weihnachten beginnen, weil mir die besinnliche Weihnachtsruhe wichtig ist. Wir wollen nicht ohne Not Emotionen schüren. Der Abriss steht aber unmittelbar nach Neujahr an - spätestens nach dem Feiertag am 6.Januar. Um mit der Hauptbauphase wie vom Eisenbahnbundesamt vorgesehen am 1.Juli 2012 beginnen zu können, muss bis dann die Baulogistik eingerichtet sein, das Technikgebäude gebaut, das Grundwassermanagement installiert und die Bäume verpflanzt oder gefällt sein.
Rechnen Sie mit starken Protesten gegen die Bauarbeiten?
Da setze ich auf das Wort des Ministerpräsidenten: Er hat persönlich eine Befriedung des Konflikts durch die Abstimmung versprochen. Die besagten 90 Prozent der Bürger, die das Ergebnis anerkennen wollen, sind eine gute Botschaft - und ein Signal an alle Projektgegner, die schon heute ankündigen, eine Niederlage nicht zu akzeptieren. Wer so redet, stellt sich ins Abseits.
Falls weiter gebaut wird, brauchen Sie den Lenkungskreis mit den Spitzenvertretern von Land, Stadt, Region und Bahn. Wie vergiftet ist das Klima in dem Gremium, nach all dem Zoff für und gegen S21?
Wir arbeiten auf der Sachebene gut zusammen, auch mit Minister Hermann. Wir sind alle Profis.
Ist das ein Appell? Oder Gewissheit?
Beides.
Wie geht der Bürger Rüdiger Grube, der auch in Baden-Württemberg lebt, mit der Volksabstimmung um?
Der Bürger Rüdiger Grube hat bereits per Brief abgestimmt. Am Sonntagabend werde ich das Ergebnis der Abstimmung vor dem Fernseher mit Spannung erwarten.