Bahn-Chef Grube Bahnstrecke nach Ulm deutlich teurer

Von Michael Isenberg 

Bahn-Chef Rüdiger Grube. Foto: dpa
Bahn-Chef Rüdiger Grube.Foto: dpa

Update: Die Bahnstrecke wird um 865 Millionen Euro teuer ausfallen als bisher geplant.

Stuttgart - Bahn-Chef Rüdiger Grube fährt zweigleisig: Einerseits betont er den Dialog mit den Gegnern von Stuttgart 21 - andererseits ist er fest entschlossen, das Milliardenprojekt zu realisieren. Vor dem Durchbruch wird Grube aber noch hohe Mehrkosten bei der ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm vermelden müssen.

Rüdiger Grube ist ein ruhiger, fast schon gemütlicher Gast. Der 58-jährige Manager leitet seine Sätze gerne mit einem sanften Lächeln ein, hebt kaum einmal die Stimme und hört aufmerksam zu. Nur einmal haut er die gefalteten Hände krachend auf die Tischplatte: "Ich sage, was ich tue - und ich tue, was ich sage", poltert Grube. "Also: Wir werden mit dem Abriss des Nordflügels am Bonatz-Bau erst dann beginnen, wenn wir die aktuellen Kalkulationen zur ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm vorgelegt haben."

Dass die 60 Kilometer lange Trasse auf die Schwäbische Alb - die zur Hälfte in Tunneln und durch bautechnisch anspruchsvolles Karstgestein führt - deutlich teurer wird als die bisher angegebenen 2,025 Milliarden Euro, ist keine Überraschung. Immerhin ist diese Kalkulation sechs Jahre alt. Nun liegen erstmals neue Zahlen vor. Beim Redaktionsbesuch unserer Zeitung am Montag kündigt Grube an, die neue Berechnung in den nächsten Tagen vorzulegen. Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) soll das brisante Papier als Erster zu lesen erhalten. "Herr Mappus und ich wollen da kein Versteckspiel", betont Grube.

Am Dienstagnachmittag wurde die Zahl dann bekannt: Die Neubaustrecke wird 865 Millionen Euro teuer ausfallen als bisher geplant, so Grube. Die Gesamtkosten für die 60 Kilometer lange Strecke beliefen sich damit auf 2,89 Milliarden Euro.

Gemäß den im April 2009 unterzeichneten Finanzierungsverträgen zu Stuttgart21 und zur ICE-Trasse beteiligt sich das Land Baden-Württemberg mit einem festen Zuschuss von 950 Millionen Euro an der Strecke bis Ulm. Alle weiteren Kosten und Risiken übernimmt laut Vertrag der Bund.

Grube lässt offen, wie die neue Finanzierung aussehen könnte. "Die Strecke kostet sicher nicht dreimal so viel und auch nicht doppelt so viel wie bisher berechnet", sagt er und weist damit Prognosen von Projektgegnern zurück. Doch selbst wenn es weniger als eine Verdoppelung wäre - das weiß der Bahn-Chef genau -, wird es beim Bund neue Begehrlichkeiten gegenüber dem reichen Baden-Württemberg geben. Da ist es wichtig, dass von der Bahn kein Querschläger kommt: "Ich werde von Herrn Mappus kein zusätzliches Geld fordern", verspricht Grube daher auf Nachfrage der Redaktion. Das ist seine Botschaft des Tages. Dass das Gesamtvorhaben an den Mehrkosten scheitern wird, glaubt er nicht - auch wenn er einräumt, dass die Kosten schon "ein limitierender Faktor" sein könnten.

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