Die kleine Residenz am Ried nennt sich Bad Wurzach gern selbst. Wohl deshalb, weil es sich hier fürstlich leben lässt. Die kleine Stadt im Oberschwäbischen ist bekannt für seine vielen Wohlfühlangebote - lockt sie doch jedes Jahr unzählige Touristen als ältestes Moorheilbad Baden-Württembergs und einziges im Allgäu. So sehen idyllische Flecken aus! So lässt sich jede Stadt bestens vermarkten. Warum nur liest man so wenig über ihre schleimigen Seiten? Deshalb soll es hier und heute um die Welt der Schnecken gehen. Um die von Bad Wurzach, die zu Tausenden in 42 Parzellen heranwachsen, im Schneckengarten von Anton und Isabella King. Die kleinen Kriecher fressen sich an Rüben satt, an Mangold, Kohl, Erbsen, Sonnenblumen und Bohnen. Die Kings ziehen ihre Schnecken ökologisch auf, im Alter von zwei Jahren werden sie geerntet, wie es im Fachjargon heißt, verarbeitet und verkauft.
Helix Pomatia heißt die gemeine Weinbergschnecke auf Lateinisch, und kulinarisch gesehen gibt es für sie unterschiedliche Zubereitungsvarianten. Natürlich wäre da die traditionelle Version mit Kräuterbutter. Nicht zu verachten ist aber auch ein Schnecken-Ragout in Pastetchen oder auf einer Folienkartoffel. Im Volksmund wird der Kriecher auch Schwäbische Auster genannt. Süddeutschland allgemein galt noch vor Jahrhunderten als Hochburg des Schneckenhandels. In Indelhausen auf der Schwäbischen Alb erinnert daran die Statue eines Schneckenhändlers. Von dieser Art der Wertschätzung liegt man in Bad Wurzach noch ziemlich weit entfernt.
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