Das Mineralbad Berg ist eines der wenigen Heiligtümer Stuttgarts. Wenn man sich für den Abriss entscheidet, wird man Sturm ernten." So hat einer der jüngeren Badegäste des Mineralbads Berg, nach dem einstigen königlichen Hofgärtner auch "Neuner" genannt, die Empörung unter den Stammgästen in der Sitzung des Bezirksbeirats am Mittwochabend beschrieben. Er bekam dafür von den zahlreich erschienenen "Neuner"-Gästen großen Beifall. Den erhielt später auch der Bezirksbeirat selbst. Das Gremium beschloss einstimmig, die Stadt aufzufordern, das Mineralbad Berg komplett zu sanieren, dabei den Kult-Charakter des Bades zu berücksichtigen und zu erhalten und die Stammgäste und Berger Bürger an der Planung zu beteiligen. Außerdem soll nach dem Willen des Bezirksbeirats ein Gesamtkonzept für das gesamte Areal rund um das Mineralbad erarbeitet werden.
Auslöser der ganzen Sorge um das Mineralbad ist der vor wenigen Tagen im Bäderausschuss vorgestellte Bericht zum Bad Berg, in dem von der ursprünglich geplanten Generalsanierung wegen der zu erwartenden Gesamtkosten von mehr als 27 Millionen Euro abgeraten wird. Auch nach der Sanierung sei mit einem jährlichen Betriebsverlust von drei Millionen Euro zu rechnen, was eine Verdreifachung des gegenwärtigen Defizits bedeuten würde, heißt es in dem Bericht. Stattdessen wird der weitgehende Abriss der bestehenden Gebäude, ein Neubau und die Umwandlung in ein städtisches Mineral-Freibad mit Öffnungszeiten von April bis Oktober vorgeschlagen.
In der Diskussion am Mittwoch waren sich alle Mitglieder des Bezirksbeirats darin einig, dass das Mineralbad Berg auch ein Stück unverwechselbarer Kultur der Landeshauptstadt sei. Der SPD-Fraktionssprecher Jörg Trüdinger sagte: "Wenn städtische Ausgabenpolitik sich nur noch an Rentabilität orientiert, dann haben wir einen moralischen Tiefpunkt der Kommunalpolitik erreicht."