Azubi-Serie Kfz-Mechatroniker bei BMW – Unter der Haube

Von Andrea Wyrwoll 

Kevin Müllerschön ist Kfz-Mechatroniker bei der BMW-Niederlassung in Stuttgart
Beruf: Kfz-Mechatroniker
Schulabschluss: Haupt- oder Realschulabschluss
Inhalt: Wartung und Instandhaltung von Fahrzeugen, Ausrüstung mit Zusatzteilen und Sonderausstattungen
Dauer der Ausbildung: 3 Jahre
Gehalt: 1. Jahr 477 bis 680 Euro, 2. Jahr 519 bis 714 Euro, 3. Jahr 569 bis 789 Euro Foto: Leif Piechowski
Kevin Müllerschön ist Kfz-Mechatroniker bei der BMW-Niederlassung in Stuttgart
Beruf: Kfz-Mechatroniker
Schulabschluss: Haupt- oder Realschulabschluss
Inhalt: Wartung und Instandhaltung von Fahrzeugen, Ausrüstung mit Zusatzteilen und Sonderausstattungen
Dauer der Ausbildung: 3 Jahre
Gehalt: 1. Jahr 477 bis 680 Euro, 2. Jahr 519 bis 714 Euro, 3. Jahr 569 bis 789 Euro Foto: Leif Piechowski

Nach dem Schulabschluss gibt es viele Möglichkeiten: Freiwilliges Soziales Jahr, ein Studium und die Ausbildung. In der Serie „Lehrjahre“ stellen wir verschiedene Ausbildungsberufe vor. Heute: Kfz-Mechatroniker.

Stuttgart - Nach dem Schulabschluss gibt es viele Möglichkeiten: Freiwilliges Soziales Jahr, ein Studium und die Ausbildung. In der Azubi-Serie „Lehrjahre“ unserer Azubi-Initiative zett stellen wir verschiedene Ausbildungsberufe vor. Heute: Kfz-Mechatroniker.

Wenn man Kevin Müllerschön an seinem Arbeitsplatz die Hand geben möchte, sollte man sich auf Öl und Schmutz gefasst machen. Denn als angehender Kfz-Mechatroniker in der BMW-Niederlassung Stuttgart wechselt der 18-jährige Lehrling Zylinderkopfdichtungen und schraubt die Luftfilter im Motorraum auseinander – und kommt dabei unweigerlich in Kontakt mit Öl, Fett und Schmutz. Seit September 2012 arbeitet der junge Mann aus Untertürkheim bei seinem Wunscharbeitgeber. „Mein Vater ist BMW- Fan. Ich bin damit groß geworden. Da gab es keinen anderen Arbeitgeber für mich“, sagt er und lächelt.

Nach der Hauptschule wusste Müllerschön nicht so recht, was er machen wollte. „Mir war aber klar, dass ich weiterhin die Schulbank drücken will“, sagt er. Mit einem besseren Abschluss seien die Chancen auf dem Arbeitsmarkt besser.

Werkstatt statt Büro

Nach Besuchen an verschiedenen Schulen hat er sich für die Werner-Siemens-Schule entschieden und in seiner zweijährigen Zeit an der Elektrofachschule auch den Realschulabschluss gemacht. Diese zwei Jahre haben Müllerschön, der in seiner Freizeit gerne Rad fährt und sich mit seinen Freunden trifft, geholfen, herauszufinden, welchen Beruf er lernen möchte. „Im Büro könnte ich nicht arbeiten, das ist zu langweilig. Ich will auch mal anpacken“, sagt er. Außerdem schätze er die Abwechslung, die sein Arbeitstag mit sich bringe. In der Werkstatt lernt er, wie man Bremsbeläge wechselt oder das Motoröl austauscht. Zum Arbeitsalltag gehört aber auch das Aufräumen der Werkstatt, sagt Müllerschön. Besonders gefalle ihm aber, dass er seine neu erlernten Fähigkeiten und das Wissen über Fahrzeuge auch am Auto seiner Eltern testen kann.

In seinem Alltag arbeitet er von 8 bis 16 Uhr mit einem Gesellen zusammen, der ihm die unterschiedlichen Arbeitsschritte erklärt. Müllerschön reicht dem Gesellen das passende Werkzeug. „Bei der täglichen Arbeit ist viel Geduld und Ruhe gefragt“, sagt der Auszubildende. Auch räumliches Vorstellungsvermögen und ein technisches Grundverständnis sind für den Beruf des Mechatronikers unabdingbar. „Mit der Zeit lebt man sich aber auch in die verschiedenen Arbeitsprozesse ein und blickt immer mehr durch“, sagt er.

Bevor der Lehrling einen Ausbildungsplatz bekam, war vor allem eines gefragt: Geduld. 20 Bewerbungen an Autohäuser und kleinere Werkstätten hat er geschrieben. „Bei vielen warte ich noch bis heute auf eine Reaktion“, sagt er. Auch das Praktikum in einer Werkstatt hat er nicht in guter Erinnerung: „Ich habe da nur geputzt“, so Müllerschön. Da der junge Mann bei der Probearbeit in der Autowerkstatt nicht viel lernen konnte, ist er ohne ein vorgefertigtes Bild in die Lehre gegangen. „Ein bisschen was wusste ich ja, aber vieles ist neu, und das ist gut“, sagt er. Seine dreijährige Ausbildung wird er zusätzlich mit der Fachhochschulreife abschließen.

Es kommt nicht nur auf gute Noten an

Seine Bewerbungen hat Müllerschön alleine geschrieben. „Meine Mutter hat aber mal darübergeschaut“, sagt er. In der Schule habe man auf verschiedene Weisen geübt, wie die Schüler mit dem Thema Bewerbungen umgehen können. „Gelernt habe ich, wie eine schriftliche Bewerbung aussehen muss, wo das Bild hingehört, welche Grußformel man verwendet“, sagt er. Von Bewerbungstrainings hält der junge Mann wenig. „Das ist nicht die Realität. In der Schule macht man eher Witze darüber.“ Wichtig sei es, eigene Erfahrungen zu machen, dann sei das dritte Bewerbungsgespräch auch deutlich leichter als das erste. Bis zur Zusage bei BMW, einem Teilnehmer der zett-Initiative, hat er fünf Gespräche geführt. Auf gute Schulnoten kam es dabei nicht nur an. Auch Teamfähigkeit, Wissen über das Unternehmen und ein PC-Test spielten eine entscheidende Rolle.

Das Wissen, das sich der Auszubildende an der Werner-Siemens-Schule angeeignet hat, erleichtert ihm das Lernen in der Berufsschule nur teilweise. Zweimal die Woche besucht Müllerschön zusammen mit anderen Azubis von 7.45 bis 15.25 Uhr die Berufsschule. „Wie man Schaltkreise baut, wusste ich schon. Nun lerne ich, wie eine Lichtanlage genau funktioniert“, sagt er. Die Tatsache, dass er immer wieder Details über die Funktionsweise des Autos lernt, fasziniert ihn am meisten. Zusätzlich zu den Fächern Fertigungs- und Fahrzeugtechnik, die für die Fachhochschulreife wichtig sind, werden Mathematik, Englisch und Deutsch unterrichtet.

Wie es nach der Ausbildung weitergehen soll, weiß Müllerschön noch nicht. Mit der zusätzlich erworbenen Fachhochschulreife könnte er sein Wissen über Autos noch in einem Studium vertiefen. Fest steht für ihn aber, dass er bis zum Ende seiner Ausbildung bei seinen Eltern wohnen bleiben möchte. „Natürlich ist es bequem, bei den Eltern zu leben, aber mit meinem Azubigehalt könnte ich mir ohnehin keine Wohnung in Stuttgart leisten“, sagt er. Er kenne Kollegen , die ausgezogen seien und jetzt knapp bei Kasse seien. „Ich möchte aber noch Geld haben, um mit meinen Freunden etwas zu unter­nehmen.“

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