Autozulieferer Mahle 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich

Von Imelda Flaig 

Kolbenproduktion im Mahle-Werk Rottweil Foto: dpa
Kolbenproduktion im Mahle-Werk RottweilFoto: dpa

Bei Deutschlands viertgrößtem Zulieferer Mahle hängt der Haussegen schief. Mahle will massiv Personalkosten senken, um die deutschen Standorte wettbewerbsfähiger zu machen.

Stuttgart - Der Stuttgarter Autozulieferer fordert unter anderem die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, will Abstriche bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld und die Leiharbeiterquote erhöhen. „Unterm Strich sollen die Personalkosten um rund 15 Prozent gesenkt werden“, bestätigte Jürgen Kalmbach, Betriebsratsvorsitzender der Mahle-Werke Stuttgart und Fellbach, Recherchen unserer Zeitung. Mahle selbst wollte sich nicht äußeren. „Wir geben dazu keine Stellungnahme ab, da es sich um laufende Verhandlungen handelt“, sagte eine Sprecherin. In Baden-Württemberg beschäftigt der Mahle-Konzern mehr als 11 000 Mitarbeiter, weltweit fast 64 000.

Viele Mitarbeiter, die von den Mahle-Forderungen auf einer Betriebsversammlung erfahren hatten, sind vergrätzt, weil Mahle Gewinne schreibt. „Wer so auf die Pauke haut, muss sich nicht wundern, wenn Emotionen hochkommen“, sagte Kalmbach unserer Zeitung weiter. Eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich gehe gar nicht. „Was hier verhandelt werden soll, ist unterhalb des Tarifvertrags.“

In der Metallbranche gilt die 35-Stunden-Woche, doch es gibt Ausnahmen. Bis zu 18 Prozent der Belegschaft dürfen 40 Stunden arbeiten – aber bei vollem Lohnausgleich.

Bei Mahle laufen 2015 an mehreren Standorten Verträge zur Jobsicherung aus, die betriebsbedingte Kündigungen in den jeweiligen Werken ausschließen. Im Dezember sollen nun die Verhandlungen zwischen Mahle-Management und Arbeitnehmervertretern über eine Verlängerung dieser Verträge beginnen. Der Mahle-Betriebsrat will eine Laufzeit von weiteren fünf Jahren erreichen. Mahle will dagegen nur eine Laufzeit von drei Jahren und fordert im Gegenzug massive Kostensenkungen.

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