Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

Autozulieferer Dürr beteiligt Mitarbeiter und Aktionäre am Erfolg

petra otte, vom 22.02.2012 17:14 Uhr
Lackierstraße in einem VW-Werk in China. Die Technik dafür stammt von Dürr. Foto: dpa
Lackierstraße in einem VW-Werk in China. Die Technik dafür stammt von Dürr. Foto: dpa

Stuttgart - Die gute Konjunktur der Autoindustrie hat der Bietigheimer Dürr AG ein Rekordjahr beschert. Der Auftragseingang stieg um mehr als 60 Prozent auf den histotischen Höchststand von 2,6 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben knapp 65 Millionen Euro Jahresüberschuss übrig – gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 800 Prozent. Ins Jahr 2012 ist der Anlagenbauer mit einem dicken Auftragspolster gestartet, vor allem in China floriert das Geschäft.

In der Wirtschafts- und Finanzkrise haben viele Autohersteller Investitionen aufgeschoben, im Aufschwung 2011 hat die Branche aber wieder massiv in neue Montagelinien, Lackieranlagen, Auswucht- oder Filtermaschinen investiert. Hergestellt werden diese unter anderem vom Bietigheimer Dürr-Konzern, die weltweit hohe Nachfrage nach Automobilen hat dem Unternehmen im vergangenen Jahr eine Sonderkonjunktur beschert. Davon profitieren die Aktionäre mit einer Rekord-Dividende von 1,20 Euro je Aktie – viermal so viel Geld wie im Vorjahr. Die rund 3000 Tarifmitarbeiter in Deutschland erhalten für 2011 eine Prämie von jeweils 1500 Euro. Das ist ebenfalls Rekord, für das Jahr 2008 hatte Dürr zuletzt 500 Euro Mitarbeiter-Bonus ausgeschüttet.

Der Auftragseingang legte, verglichen mit dem Vorjahr, um fast zwei Drittel zu, allein an Lackierrobotern hat Dürr 2011 mit 1340 Stück mehr als doppelt so viele verkauft wie im Vorjahr. Jeder zweite in der Autoindustrie verkaufte Lackierroboter stammte 2011 von den Schwaben, damit sind die Bietigheimer mit Abstand Weltmarktführer. Mit einer Umsatzrendite von 7,6 Prozent war die Sparte zuletzt auch die Ertragsperle des Unternehmens, konzernweit lag die Profitabilität bei 5,5 Prozent. Langfristig will Dürr-Chef Ralf Dieter mit Lackierrobotern zwischen acht und zehn Prozent Umsatzrendite erwirtschaften, für den Gesamtkonzern peilt er 2012 zwischen 5,5 und 6 Prozent an.

Die Bietigheimer haben 75 Millionen Euro für Zukäufe reserviert

Das Unternehmen macht rund 85 Prozent seines Umsatzes mit Anlagen und Maschinen für die Autoindustrie, zudem stellt Dürr Systeme zur Abluftreinigung und zur Steigerung der Energieeffizienz her. Letzteres ist mit weniger als 100 Millionen Euro Umsatz das bisher kleinste Geschäftsfeld, soll den Umsatz bis 2015 aber verdoppeln. Finanzchef Ralph Heuwing hat bereits 75 Millionen Euro für Zukäufe reserviert, interessant seien vor allem kleinere Unternehmen, die Dürr ausbauen könne. „Wir haben eine Reihe an Kandidaten, in den nächsten Quartalen werden Sie von uns einiges hören“, kündigte Heuwing an. In den vergangenen Jahren haben die Bietigheimer für rund 30 Millionen Euro zugekauft und sind unter anderem beim dänischen Befülltechnik-Unternehmen Agramkow sowie beim japanischen Lackieranlagenbauer Parker Engineering eingestiegen. Zudem hat Dürr 2011 für 51 Millionen Euro die Firmenzentrale in Bietigheim-Bissingen gekauft. Damit bekenne sich die Firma klar zum Standort Deutschland, sagte Dieter. 2012 soll das Firmenareal weiter vergrößert werden, derzeit werde über Platz für eine zusätzliche Montagehalle verhandelt.

Obwohl 2011 nur zwölf Prozent des Dürr-Auftragsvolumens aus Deutschland kamen, hat das Unternehmen vor Ort eingestellt. Unter dem Strich wuchs die Belegschaft bundesweit um knapp 200 auf 3150 Beschäftigte. Weltweit sind rund 900 neue Jobs hinzugekommen, davon mehr als 100 durch den Einstieg bei Agramkow. 2012 soll die Belegschaft abermals um 300 Personen wachsen, 50 neue Stellen sollen allein in Deutschland entstehen. Auftragseingang und Umsatz sieht der Dürr-Chef jeweils jenseits der Zwei-Milliarden-Euro-Marke.

Jede dritte Bestellung kommt mittlerweile aus Asien

Zwei von drei Aufträgen gewinnt Dürr inzwischen aus Ländern in Asien, Mexiko, Brasilien und Osteuropa, jede dritte Bestellung kommt aus China. Dort arbeiten rund 1000 eigene und 400 externe Beschäftigte für den Anlagenbauer, und zwar auf einer Fläche von bald neun Fußballfeldern – das Areal in Bietigheim ist nur wenig größer. Die für 2012 erwartete Nachfrageschwäche nach Autos in Westeuropa trifft den Zulieferer kaum: Nur neun Prozent des Auftragseingangs und zwölf Prozent des Umsatzes entfielen zuletzt auf die Region (ohne Deutschland).

Der Zuwachs an den Märkten beflügelt seit drei Jahren auch den Aktienkurs, deshalb steige Dürr womöglich vom S- in den M-Dax auf, sagte Heuwing. Der frühere Bahn-Chef Heinz Dürr samt Familie hält 30 Prozent der Firmenanteile, der Rest ist in Streubesitz.

Kommentare (0)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Titel *  
     
Autor *  
     
Kommentar *  
             
(optional)
E-Mail   (wird nicht veröffentlicht)
             
Straße     Hausnr.  
             
PLZ     Wohnort  
             
    (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
             
      * Pflichtfelder
Billigflieger bremsen den Höhenflug
Die Passagierzahlen steigen weltweit. Konkurrenten erschweren großen Airlines das Leben.
Der Taubenschlag Celesio braucht  Ruhe
Hauptversammlung von Chef Pinger lockt nur wenige Aktionäre – die schimpfen über laue Dividende.

 

Anzeige
Nachrichtenticker
07:47   Ölpreise beenden vorerst Talfahrt
07:12   Nachbeben erschüttern Norden Italiens
06:54   Atomverhandlungen im Iran - IAEA-Chef reist nach Teheran
06:47   "Aus tiefer Not" - Musikerprotest gegen Orchester-Aus
06:33   Sarrazin verteidigt sein Anti-Euro-Buch
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
Robben

Der FC Bayern München schloss die Bundesliga auf Platz zwei ab, verlor erst das DFB-Pokalfinale und nun das Champions-League-Finale. Haben Sie Mitleid mit den Bayern?

 
Ja sicher. Das ist im Moment eine ganz bittere Phase für die Bayern
Nein, auf keinen Fall. Gewinnen die erfolgsverwöhnten Bayern halt mal nix
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
Man kann sich online informieren, wo man Tagesgeld mit günstigen Konditionen bekommt.
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise