Sie wollen nicht nur Kilometer "fressen". Das Stadtradeln, an dem derzeit in Filderstadt 13 Teams teilnehmen, ist für die elf Männer des RVP-Luft weg kein Wettbewerb. Sie unterstützen die Aktion, weil sie andere Leute für das Fahrrad begeistern und "auf den Sattel lupfen wollen". So drückt sich Heinz Waldmüller aus, der die Tour de Ländle erfunden hat.
Für den ehemaligen Rundfunkjournalisten ist Fahrradfahren Alltagskultur. Er fährt jede Woche mehrmals mit dem Rad von Bonlanden nach Möhringen zum Sport treiben und wickelt seine Einkaufsfahrten zum Metzger oder Bäcker ebenfalls im Sattel ab. Deshalb ist das Stadtradeln für ihn Programm.
Stadtradeln sei auch ein Gegenentwurf zur "Empörungskultur". Darunter versteht Waldmüller beispielsweise den Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. "Wir wollen dem bewusst etwas entgegensetzen", sagt er und erhält die Zustimmung von Kurt Gann, der zurzeit Präsident des RVP- Luft weg ist. Die beiden Männer haben genug von der Diskussion um das Projekt, die auch im Club immer wieder geführt wird.
"Radfahrvein Plattenhardt-Luft weg" nennen sich die elf Männer, die nicht nur während des dreiwöchigen Stadtradelns verstärkt auf dem Drahtesel unterwegs sind. Eigentlich ist die Bezeichnung des Clubs zumindest im vorderen Teil nicht ganz richtig, weil es sich um keinen Verein im rechtlichen Sinne handelt. "Luft weg" trifft das Ganze schon eher. Schließlich kommt es immer wieder vor, dass ein Reifen platt wird oder aber die Luft wegbleibt, wenn die Steigung entsprechend groß ist.
So zum Beispiel beim Überqueren der Alpen. 2222 Jahre nach Hannibals spektakulärem Kriegszug machten sich die Radfahrer im Jahr 2005 auf den Weg, natürlich mit einer Fahne, auf der ein Elefant abgebildet war. "Wenn man dann in Venedig auf dem Markusplatz ankommt, fühlt man sich als Held", sagt Waldmüller.
Neben solchen großen Touren stehen aber hauptsächlich kleinere Rundfahrten auf dem Programm des Clubs, der im Jahr 1987 gegründet wurde. Jeden Montag sind die Männer beispielsweise im Siebenmühlental unterwegs. Anlässlich des Stadtradelns haben sie sich weitere Touren ausgedacht. Jeden zweiten Tag wollen sie sich auf den Sattel schwingen. Nach Schorndorf, auf die Alb oder über die Filder führt der Weg beispielsweise. Dabei kommt ihnen natürlich entgegen, dass neun der elf Radler bereits im Ruhestand sind.
Als der Club 1987 gegründet wurde, waren noch alle berufstätig. Sie hatten sich kennen gelernt als ihre Kinder in den Kindergarten kamen. "Heute sind unsere Kinder selbst Eltern", sagt Waldmüller und ist stolz darauf, dass seine beiden Söhne ebenfalls mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.