Ausstellung zu Dieter Krieg Das Bild als „eingerichtete Lüge“

Nikolai B. Forstbauer, 07.02.2013 14:00 Uhr
Was macht die Malerei zur Malerei? Dieter Krieg, 2005 im Alter von 68 Jahren gestorben, hat diese Frage zum Ausgangspunkt seines Schaffens gemacht. Jetzt ist eine Neubegegnung mit Werken Kriegs möglich. Am Donnerstag eröffnet die Galerie Klaus Gerrit Friese eine Ausstellung zum Werk des Malers Krieg.

Stuttgart - Ende der 1990er Jahre scheinen auch Museumsverantwortliche überzeugt, dass das Schaffen des 1937 in Lindau geborenen Dieter Krieg konzeptuelle Qualität hat. So vergibt als Höhepunkt der verdienten Anerkennung 1999 die Stadt Stuttgart den Hans-Molfenter-Preis als Auszeichnung für das herausragende Lebenswerk eines im Südwesten geborenen oder hier ­lebenden Künstlers. Nach Horst Antes und Walter Stöhrer ist ­Dieter Krieg in der Riege der Molfenter-Preisträger der dritte Grieshaber-Schüler aus der so kurzen wie intensiven Karlsruher Lehrzeit des nach Mitte der 1950er Jahre eine „Neue Figuration“ mitbeflügelnden Holzschneiders und ­Malers. Für Krieg, so formuliert der damalige ­Galeriedirektor Johann Karl Schmidt, sei das Bild eine „eingerichtete Lüge“, und der Maler folge einer auf dem Todesmotiv beruhenden Leitlinie abendländischer Kunst. Die künstlerischen Äußerungen des Dieter Krieg aber waren stets weiter zu fassen. „Meine Farben zusammengemischt, meine Leinwände übermalt“, benennt Krieg ­bereits 1974 eine Szenerie, die das Bild zum unverzichtbaren Teil in­stallativer Konzepte macht.

Jedoch flaniert Krieg in der Folge nicht auf jenem von Kuratoren und Kommentatoren ausgerollten roten Teppich der Objektkunst. Vor 1974 fesselt er das immer analytischer behandelte Objekt im Bild, nach 1974 überrascht er mit einem neuerlichen fulminanten malerischen Anlauf. Getragen ist dieser von einer in der Zeichnung und vor ­allem in der Radierung vorbereiteten Diskussion des Notwendigen. Die Umrisslineatur schafft sich ihre Konkretisierung – Buchstaben, Wörter oder Gegenstände treten gleichberechtigt auf.

2008 wagt Marion Ackermann im Kunstmuseum Stuttgart einen neuen Blick auf das Krieg-Panorama – und identifiziert den Zweifel als wichtigen Arbeitsimpuls. ­Zweifel auch am Bildnerischen selbst. Was ist Träger, was ist Grund, was ist Gegenstand, und wann wird ein solcher zur Figur, die doch gerade dies nicht sein will, sondern Figuration, offene Gestalt? Konsequent macht Krieg die Malerei selbst zum Thema. Im räumlichen Grau ebenso wie in schwarz-weißen Rasterstrukturen, in den fast feenhaften Tannen wie auch hernach, wenn alles Geschaute Form wird – Obst, Gemüse, ­Comic-Hefte, Bücher, Spiegeleier, Blumentöpfe, Kinder und ­Wickeltücher.

„In der Leere ist nichts“, warnt aber ein Krieg-Werk – und so ist es nur konsequent, dass zur Eröffnung des Kunstmuseumsneubaus in Stuttgart 2005 die Arbeit „Allen ­Malern herzlichen Dank“ präsentiert wird, eine Tonbandaufnahme der Lesung aller in den 36 Bänden des Lexikons Thieme Becker gelisteten Künstlernamen. Ein Konzept-Projekt, mit dem sich Krieg 1975 die Malerei selbst zum leeren, neu zu beschreibenden Feld macht.

Eröffnung an diesem Donnerstag um 19 Uhr (Rotebühlstraße 87 )
 
 
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