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Ausstellung im Nikolaus-Cusanus-Haus Leuchten mit Naturpigment und Hightech-Glas

Martin Bernklau, 29.01.2013 10:48 Uhr

Stuttgart-Birkach - Im Gespräch ist er gleich ganz bei seinen Schülern, der Smartphone-Generation, und ihrer Art der Wahrnehmung, des Lernens. Henning Hauke ist Künstler, aber auch Lehrer mit ganzer Person. Damit hängt auch die Vielfalt seiner Stile und Techniken zusammen, der Bogen seiner bildnerischen Entwicklung. Am Sonntag wurde im Nikolaus-Cusanus-Haus eine Ausstellung seiner Arbeiten eröffnet. Henning Hauke ist im Jahr 1961 geboren und damit nur knapp über 50, dennoch ist die Schau zu Recht als Retrospektive betitelt.

Da sind ganz normale farbstarke oder dezente Ölbilder zu sehen, Mischtechniken mit Naturpigmenten und -harzen, Collagen, Metallarbeiten und spektakulär leuchtende Glaskunstwerke, mit einem ganz ausgeklügelten Spezialverfahren in einer Glaswerkstatt am Bodensee entstanden. Ein Ägyptischer Opferstein aus Schiefer ist mit Blattgold versehen.

Zwei Gestalten haben Henning Haukes künstlerische Entwicklung besonders geprägt. Im Jahr 1961 nahe dem niedersächsischen Hildesheim geboren, fing er nach ausgedehnten Reisen durch Italien mit einem Kunst- und Malereistudium direkt am Goetheanum im schweizerischen Dornach an, dem Zentrum der von Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie.

Er arbeitet auch für die Bühne, mit Film und Video

Daneben hat ihn auch Joseph Beuys mit seinem Begriff einer „sozialen Kunst“ stark beeinflusst. Nicht weit entfernt von dessen rheinischer Heimat, an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft bei Bonn, hat Hauke nach vielen Jahren als Kunsterzieher, Dozent und multimedial Freischaffender noch einen Masterstudiengang in künstlerischer Praxisforschung absolviert. Er arbeitet auch für die Bühne, mit Film, Video und zeigt Performances.

Seine mit Pinsel und Spachtel, auch mit Spritztechniken auf die Leinwand gebrachten Gemälde bestehen teilweise aus Zusatzstoffen wie Sand, Zeitungspapier oder auch mal einer Vogelfeder. Sie sind eigentlich immer figurativ, auch wenn er die Farbflächen mancher Landschaft bis nahe an die Abstraktion reduziert. Das Bild mit der Feder trägt den Titel „Magierin/Dryade“ und weist neben einer Frauensilhouette zahlreiche ornamentale und symbolische Elemente wie Krüge, Boote, Früchte oder Vögel auf, die ebenso an japanische Tuschezeichnung wie an urzeitliche Höhlenmalerei erinnern können. Nicht nur beim „Schächer am Kreuz“ staffelt der Maler das Motiv mit Licht und Farbe in räumlicher Tiefe. Im „Antlitz“ wird das mahnende Nebeneinander eines schönen Frauengesichts im Hintergrund und eines scheinbar grinsenden Totenkopfs davor fast zum Relief.

Im hellen Schauraum zur Südseite des Cusanus-Hauses ist auch der richtige Platz für weitere Arbeiten von Henning Hauke, die im Rückblick für bestimmte Phasen charakteristisch sind. Da sieht man Metallplatten mit dem Titel „Grüne Schlange Goethes Märchen I - III“, die im Schulunterricht zum Thema Oxidation entstanden sind und im Atelier auf dem rostigen Untergrund mit Farbakzenten vervollständigt wurden. Die Glasarbeiten vor den Fenstern, eine „Gralsschale“ in grünem Hauptton, die kreisrund oder rechteckig blau strahlenden Objekte dazwischen – oder „Bela Bartok“, eine sparsam eingefärbte Hommage an den Musiker. „Fusing Glass“ nennt sich das komplexe Hightech-Verfahren, das Übergänge ohne Fassungen erlaubt und reliefartige Strukturen unterschiedlicher Farbintensität hervorbringt.

 
 
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