Dass sich Samstag für Samstag Schüler treffen, um aus einem ausrangierten Eisenbahnwaggon einen Aufenthaltsraum zu machen - und das über Jahre hinweg -, das ist keine ganz gewöhnliche Sache. Deshalb sind die jungen Schaffer von der Realschule und mit ihnen Lehrer und Eltern gehörig stolz auf das "Heussle", dessen Innenausbau nun in den finalen Zügen liegt.
"Heussle", das ist ein Wortspiel, das sich sowohl auf Haus oder Behausung bezieht als auch auf Theodor Heuss, den Namensgeber der Schule. Der alte Eisenbahnwaggon aus dem Jahr 1921 soll bald neue Bedeutung erfahren: "Man kann hier Lesungen machen, spezielle Mädchen- und Jungs-Angebote, Besprechungen oder Partys", sagt Schulleiter Dietmar Dekrell. Das "Heussle" könne aber auch für Geburtstage oder andere Anlässe vermietet werden. Auf Wasser- und Abwasseranschlüsse ist zwar verzichtet worden, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, doch durch die direkte Anbindung an die Schulmensa ist sowohl die Toilettenbenutzung gesichert als auch eine Bewirtung machbar.
Die Schüler, die den Umbau und die Sponsorensuche für das "Heussle" in der Hand haben, sind jeweils die Neuntklässler des Profils "Wirtschaft, Verwalten, Recht" - das Team wechselt also Jahr für Jahr. Dennoch gebe es bei den Jugendlichen eine Identifikation mit dem Wagen, sagen der begleitende Technik-Lehrer Robert Schremmer und Hermann Waitzmann, Architekt im Ruhestand, der den Schülern mit fachmännischem Rat zur Seite steht. Mit wie viel Bedacht und Engagement sie die Arbeit angingen, sei erstaunlich.
Der ehemals düster anmutende alte Speisewaggon ist inzwischen mit Parkettboden, hölzernen Deckenpaneelen und weiß gestrichener Tapete versehen, was dem Raum eine behagliche Atmosphäre verleiht. Aus dem früheren WC ist der Elektrik-Raum geworden, die ehemalige Speiserestaurant-Küche dient derzeit noch als Werkzeugraum. Ansonsten ist der Waggon in eine Chill-Ecke, in der die Schüler nach Aussage von Elternvertreter Joachim Eggerl "auch mal die Füße hochlegen können", und einen Besprechungsraum für verschiedenste Veranstaltungen aufgeteilt.
Damit nach so viel Arbeit auch die Möblierung ansprechend wird, hat sich die Realschule das Ludwigsburger Möbelhaus Ikea ins Boot geholt. Es wird nicht nur die Ausstattung stiften, sondern auch 60 kleine, hölzerne Minikommoden versteigern, die Mädchen und Jungen aus der Theodor-Heuss-Realschule künstlerisch gestaltet haben. Zuvor sollen die Kunstwerke im Möbelhaus ausgestellt und von Kunden bewertet werden. Der Erlös der Versteigerung wird einer sozialen Einrichtung in Kornwestheim zugute kommen, erzählt Kunstlehrerin Miriam Weiß, die anlässlich der Gestaltung der Minikommoden einen Malwettbewerb in der Schule ausgerufen hatte. Die Schüler sollten sich in den Bildern, mit denen sie sich um die Gestaltung einer Minikommode bewarben, mit den Themen Nachhaltigkeit und Umwelt beschäftigen - womit sich der Kreis zum "Heussle" wieder schließt, das ja auch nur deshalb wieder zur Höchstform auflaufen kann, weil es geschickt recycelt wird.
Wenn es dann seine Waggontür zur Benutzung öffnet, soll es mehrmals pro Woche ein von Jugendbegleitern unterstütztes Angebot darin geben. Das berichtet Jugendbegleiter-Managerin Andrea Waitzmann. Auch in den Ferien soll das "Heussle" für die Kinder und Jugendlichen offen sein.