Prozess wegen Rockeraufmarsch in Ludwigsburg Gangmitglieder äußern sich nicht

Von Melanie Braun 

Vor dem Landgericht Stuttgart müssen sich zwei mutmaßliche Anhänger der verbotenen Straßengang Red Legions verantworten. Foto: dpa
Vor dem Landgericht Stuttgart müssen sich zwei mutmaßliche Anhänger der verbotenen Straßengang Red Legions verantworten. Foto: dpa

Zwei 21 und 23 Jahre alte Männer, die mutmaßlich Anhänger der verbotenen Straßenbande Red Legions sind, müssen sich unter anderem wegen Landfriedensbruchs vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Sie sollen bei einem Aufmarsch der verfeindeten Rockergruppe United Tribuns in Ludwigsburg verbotene Parolen gebrüllt haben und aggressiv geworden sein.

Ludwigsburg - Sie sollen an einem Aufmarsch in Ludwigsburg beteiligt gewesen sein, dabei Parolen der verbotenen Straßenbande Red Legions gebrüllt, die Stimmung aufgeheizt und sich aggressiv gegenüber Beamten verhalten haben. Deshalb sind ein 21-Jähriger aus Esslingen und ein 23-Jähriger aus Bietigheim-Bissingen nun wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und wegen des Verstoßes gegen das Vereinsgesetz vor dem Landgericht Stuttgart angeklagt. Der Prozess hat am Mittwoch begonnen.

Schon gleich zu Beginn teilten beide Angeklagte mit, dass sie sich zu den Vorwürfen vorerst nicht äußern. Konkret legt die Staatsanwaltschaft ihnen zur Last, bei einem Aufmarsch der sogenannten Stuttgarter Kurden, die als Nachfolgeorganisation der verbotenen Straßengang Red Legions gilt, am 29. März in Ludwigsburg beteiligt gewesen zu sein. Dort hätten sie mit etwa 50 anderen Mitgliedern ihrer Gruppe fortwährend versucht, die rund 140 Anhänger der verfeindeten Bande United Tribuns zu provozieren, die von der Polizei bereits eingekesselt worden waren. Dadurch sei große Unruhe entstanden, die Situation drohte laut der Staatsanwaltschaft zu eskalieren. Bei Passanten habe das für große Angst und Verunsicherung gesorgt.

Angeklagte sollen Beamte gerammt und gestoßen haben

Als sich eine weitere Einheit der Polizei formierte, um auch die Anhänger der Red Legions in Schach zu halten, seien die zwei Angeklagten im Verein mit zahlreichen anderen Bandenmitgliedern und mit ziemlicher Wucht gegen die Polizeikette angestürmt und hätten dabei Parolen der verbotenen Bande Red Legions gebrüllt. Zudem hätten sie die Beamten gerammt und gestoßen und sich höchst aggressiv gegen eine Festnahme gewehrt.

Dem Aufmarsch vorausgegangen waren gegenseitige Provokationen der beiden verfeindeten Gruppen, die sich bereits über Wochen hinzogen und offenbar der Machtdemonstration dienten. An jenem Sonntag im März sollen die United Tribuns einen landesweit organisierten Aufmarsch in Stuttgart geplant haben. Doch die Polizei bekam Wind davon und verhinderte das. Daraufhin zog die Rockergruppe spontan weiter nach Ludwigsburg, gefolgt von den Stuttgarter Kurden. Nach Angaben der Polizei konnte eine Eskalation der Situation nur knapp verhindert werden.

Im Laufe des Prozesses, der voraussichtlich bis zum 15. Dezember dauert, sollen an die 40 Polizeibeamte befragt werden. Den Auftakt machten am Mittwochnachmittag zwei Mitglieder der Bereitschaftspolizei, die an jenem Abend im März im Einsatz waren. Sie berichteten von einer sehr angespannten Situation: „Es war beängstigend“, sagte einer von ihnen über das Aggressionspotenzial, das er bei den verfeindeten Gruppen wahrgenommen habe. Vor allem die eingekesselten Mitglieder der United Tribuns hätten nicht nur gegen ihre Kontrahenten mobil gemacht, sondern auch ständig die Polizisten beleidigt.

Kooperatives Verhalten bei der Festnahme

Allerdings sagten beide Beamten aus, dass sich die Anhänger der Stuttgarter Kurden, bei deren Festnahme sie selbst dabei waren, sehr kooperativ verhalten hätten. Sie seien ihren Aufforderungen nachgekommen und hätten sich nicht gegen die Festnahme gewehrt. Auch zu Beleidigungen sei es in dieser Situation nicht gekommen – jedoch auch zu keiner Kommunikation: Die Männer hätten vielmehr beharrlich geschwiegen und die Maßnahmen der Polizei über sich ergehen lassen.

Im Zusammenhang mit dem Aufmarsch in Ludwigsburg haben bereits zwei Prozesse am Amtsgericht Ludwigsburg stattgefunden. Weil sie in der McDonalds-Filiale am Arsenalplatz zwei junge Männer verprügelten, wurden drei Mitglieder der United Tribuns wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Vier Sympathisanten der Legions bekamen Strafen wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Beamte und Verstoßes gegen das Vereinsgesetz.

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