Auf gut Schwäbisch Wir rufen schadenfroh: „Ätsch“!

Von Roland Groner 

 Foto: Grafik/Lange
Foto: Grafik/Lange

„Mir geht seit Tagen der Begriff ‚ätschebätsch‘ durch den Kopf.“ schreibt Erika von Staden.

Stuttgart - „Mir geht seit Tagen immer der Begriff ‚ätschebätsch‘ durch den Kopf. ‚Ätsch‘ für schadenfroh ist natürlich bekannt. Aber was soll das ‚bätsch‘ als Anhängsel?“ Dies schreibt Erika von Staden, die es großartig findet, dass viele Menschen sich wieder mit den heimischen Dialekten auseinandersetzen.

Wer kennt aus seinen eigenen Kindertagen nicht das Wort „ätsch“, mit dem andere, denen irgendetwas zugestoßen ist, verspottet werden. Mit diesem verbalen Mittel will man diejenigen, denen etwas Unangenehmes widerfahren ist und die sowieso nicht so beliebt sind, zusätzlich zum Unheil noch psychisch demütigen. Oft wird dieses Auslachen und Verhöhnen noch mit der Gebärde des „Rübchenschabens“ verstärkt, wobei der Zeigefinger der einen Hand über den Zeigefinger der anderen Hand hinweg gestrichen wird. Wieso wird aber das gesprochene „ätsche“ noch durch ein „bätsch / bätsche“ erweitert? Ist „bätsch“ einfach ein zusätzliches Reimwort, das als bloße Verstärkung angefügt wird, oder steckt obendrein eine Sinnerweiterung dahinter?

Das Wort „bätsche“ gehört in die Sprachfamilie des Verbs „patschen“, schwäbisch „batschå / bätschå“. In Fischers Wörterbuch erfahren wir, dass sich „patschen“ in allem Wesentlichen mit dem neuhochdeutschen „klatschen“, welches im Schwäbischen fehlt, deckt. Es bedeutet, einen Patsch (klatschenden Ton) hervorbringen, was auf verschiedene Weise geschehen kann: Hände zusammenschlagen, jemand anderem die Hand geben, mit Geräusch auf etwas schlagen z. B. mit einem Muggåbatschr.

Abgeleitet von „patschen“ ist das Sub­stantiv „Patsche“ in seiner Grundbedeutung „klatschender, schallender Schlag“. Im Grimm’schen Wörterbuch wird hierzu ausgeführt, dass es beim Gehen, Hineintreten oder Hineinfallen in den Straßenkot, in aufgeweichten Boden oder in eine Pfütze patscht, was als „Patsche“ bezeichnet wird. Im übertragenen Sinne wurde daraus die Redensart „in die Patsche kommen, in einer Patsche stecken . . .“. Wer in der Patsche, schwäbisch Batsche und Bätsche, sitzt, befindet sich in einer fatalen Situation und Verlegenheit. Diese missliche Lage ist wohl schon in früheren Zeiten von den Spöttern erkannt worden, weshalb sie zum Spottwort „ätsche“ auch noch das „bätsche“ anfügten, zum einen weil es sich so schön reimt, zum anderen um dem Verspotteten nachdrücklich kundzutun, in welch blöder Lage er sich befindet: ätsche-(du sitzscht enn dr)bätsche! Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leser Walter Bauer aus Wolfschlugen. Er schreibt: „Meine Großmutter sagte immer, wenn die Arbeit auf dem Feld bald fertig war: ,Jetzt goht’s voll schnell, hot dr Spatz gsait, mo en d’Katz d’Behnestieg nuff hot, aber wo er no zom Behneslädle naus ischt, hot er gsait, jetzt goht’s no schneller!‘“

Lesen Sie jetzt