Leser Herbert Vobornik wohnt in Backnang-Unterschöntal. Wie er schreibt, wurden nach einer Überlieferung die Einwohner von Schöntal in "alter" Zeit von den Einwohnern der Umlandgemeinden "B-Nagel-Schmeisser" genannt. Bisher konnte ihm niemand sagen, was ein B-Nagel ist beziehungsweise wie das Gerät aussieht. Er weiß nur, dass es zum Einbringen der Ernte eingesetzt wurde. - Nun, das ist schon etwas, aber was ist ein B-Nagel? Bei dieser Recherche heißt es, langsam und besonnen vorzugehen.
Bei der Nachforschung, ob es einen Nagel namens B-Nagel gibt, zeigt sich kein Erfolg. Damit scheidet diese Bezeichnung aus. Was könnte dann infrage kommen? Möglich wäre ein Wort, bei dem das "B" als "Be" zutreffend wäre, wie beispielsweise in der Vorsilbe "be-" - doch die Begriffe "benageln" und "Benaglung" erbringen keinen Sinn. Versuchen wir es in unserer schwäbischen Sprache, hier gibt es ja das Wort "(i) bê", auf Deutsch "ich bin", und daraus könnte die Fährte zu einem "Bin-Nagel" führen.
"Heureka!" (griechisch: "Ich hab's gefunden") - in Fischers Wörterbuch strahlt einem das Wort "Bindnagel" in der schwäbischen Aussprache "Bênagl" entgegen. Es bedeutet "Pflock, mit dem das Garbenband mit einer Schleife geschlossen wird".
Da die jüngere Generation sich damit keinen Reim machen kann, hier eine Erklärung. Vor 50/60 Jahren wurden die Getreidefelder noch nicht mit Mähdreschern gemäht, die an Ort und Stelle auch sofort die Körner aus den Ähren dreschen, sondern damals musste das Getreide mit der Sense gemäht werden. Für den Transport in die Scheune war es erforderlich, das Getreide zunächst in Garben zusammenzubinden. Dazu benutzten die Bauern farbige Seile, sogenannte "Garbåsòele/-sòåle", an deren einem Ende sich ein hölzerner Knebel, auch "Gletzle" ( = Klötzchen) genannt, befand. Um diesen herum wurde das Seil geschlungen. Der Bindnagel ist ein anderer Begriff für dieses Klötzchen.
Neben dem Bênagl gibt es noch andere schwäbische Sprechformen: Das sprachlich einfachste ist Bêndnagl, dann Bêdnagl und noch der Bãêdnagl. In allen Formen steckt das nasale "ê" aufgrund des folgenden "n", wenn jedoch dieses "n" nicht gesprochen wird, bleibt nur das "ê", was Schwäbisch nicht so Kundigen ein Problem sein dürfte. Bãêdnagl hat den gleichen Doppellaut für die Silbe "in" wie Lãêså, fãêschdr u. a.
Der Spruch des Tages kommt von Leser Hans-Dieter Mechler aus Stuttgart. Er schreibt: "Unsere Oma kommentierte schlechte Nachrichten (meist aus der Wirtschaft) trocken: ,Liabe Leid, kaufed Kemm, s'kommet lausige Zeiten!'"