Auf gut Schwäbisch Schwäbischer Heiratsantrag

StN, 26.02.2013 10:48 Uhr
Zum gestrigen Beitrag unseres Sprachforschers Roland Groner „I kã de leidå“ schreibt Marlies Fessler aus Mühlacker.

Stuttgart - In der vergangenen Woche haben wir an dieser Stelle Gugommer-Spätzle von Erika Walker aus Aidlingen aufgetischt. Karin Sailer aus Fellbach schickt eine Ergänzung: „Spätzle mit Gugommer sind ein feines, leichtes Gericht, wir sagen dazu ,Sommer-Spätzle‘ – eine Alternative zu den schweren Kässpätzle. Die Gurken werden in dünne Stifte gehobelt, leicht gesalzen, ausgedrückt und der Saft mit süßer und saurer Sahne vermischt und gepfeffert. Dazu kommt – sehr wichtig! – reichlich frischer Dill. Diese ,Schlottere‘ wird unter die frischen warmen Spätzle gemischt, serviert, mit Pfeffer aus der Mühle bestreut und lauwarm gegessen. Eine ideale Mahlzeit, wenn man gerne fleischlos isst!“

Zum gestrigen Beitrag unseres Sprachforschers Roland Groner „I kã de leidå“ schreibt Marlies Fessler aus Mühlacker: „Der Bericht hat mir – eine von Essen Reigschmeckte – der Bericht zum Thema leiden können Erinnerungen wachgerufen. Als ich mit meinem späteren Mann schon gut befreundet war und er ganz selbstverständlich von Verlobung und Heirat sprach, habe ich einmal eingewandt, er habe mir ja noch nicht einmal einen Heiratsantrag gemacht. Darauf meinte er lakonisch: ,Moisch, kosch’s beim’r aushalta?‘“

Horst Bauer aus Aldingen merkt dazu an: „In meinem Freundeskreis wird der Begriff leida im negativen Sinne verwendet. Wenn sich jemand daneben benimmt und mir das nicht gefällt, kann ich sagen: ,Des ka’ I’ leida wia’s Za’hwei (Zahnweh).‘ Die zweite Version bezieht sich auch wieder auf eine Person deren Auftreten mir missfällt: ,Dean ka’ I leida wia dr Teufel s’Weihwasser!‘“

Eugen Gutknecht aus Stuttgart weist darauf hin, dass die erwähnte Karikatur zum sogenannten Nitritskandal nicht in den sechziger Jahren erschienen sein kann, da dieser Wurstskandal bereits 1958 vor dem Amtsgericht Stuttgart verhandelt wurde. Fleischer und Großhändler hatten Fleisch und Wurst mit gesundheitsschädlichem Nitritpökelsalz in hoher Dosierung behandelt, um der Ware eine ,frische‘ Farbe zu verpassen. Der Text unter der besagten Karikatur lautete korrekt: ,Meister, wenn des rauskommt, was do neikommt, no kommet mir nei, dass mr nemme raus kommet.‘ Natürlich blieb es bei Bewährungs- und Geldstrafen.“

Aus Affalterbach schreibt Gerhard Gall zum Thema Fortbewegung: „Zom fahrâ odr laufâ falld mir au en Spruch ei: ,Ân guâdr Weâg isch nex om!‘ Sinngemäß: Einem guten Weg zu Liebe kann man auch einen gewissen Umweg in Kauf nehmen.

Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Wolfgang Süß aus Schwäbisch Gmünd. Er schreibt: „Meine Schwiegermutter pflegte zu sagen, wenn ihn mal das Mittagessen nicht so geschmeckt hatte: ,Mr bend en leera Sack au zu.‘“

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