Auf gut Schwäbisch Schwäbische Post aus Kanada

StN, 08.11.2012 17:58 Uhr

Stuttgart - Aus West Vancouver, Kanada, hat uns folgender Brief von Renate Dörfert erreicht: „Liebe Redaktion, Vor einiger Zeit schickte mir meine Cousine Rose einige Zeitungsausschnitte in Schwäbisch, und ich freute mich riesig darüber. Ich hatte erwähnt, dass mir nach einigen Jahren hier in Kanada ab und zu ein schwäbisches Wort einfällt, das mich zum Lachen bringt und anregt, darüber nachzudenken, wo das Wort wohl herstammt. Besonders das ,Nixle em a Büxle‘ war mir gut in Erinnerung; meine Großmutter verwendete diesen Ausspruch. Auch die ,eingemachten Kellerstaffeln‘ sind mir geläufig.

Mein Großvater lebte in Murrhardt und hatte eine schöne Obstwiese, wo ich ihm oft mit den Äpfeln half. Er zeigte mir, wie man einen Ast aufschneidet und einen Zweig einer anderen Apfelsorte einsetzt. Manchmal hatte er drei verschiedene Sorten auf einem Baum. Dazu benutzte er sein Occuliermesser, in der Familie der Krottengiekser genannt. Das hatte er immer in der Tasche und benutzte es auch zum Vespern. Wenn wir Kinder einen seiner Äpfel aßen, musste alles aufgegessen werden – bis auf den Stiel. Dazu sagte er streng: ,Isst der Herr den Nutzen, dann frisst er auch den Butzen.‘ Noch heute habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht alles aufesse. Hier im Westen Kanadas gibt es herrliche Äpfel, einige neue Sorten sind besonders gut. Opa hätte seine Freude, wenn er das sehen könnte.

Als ich einmal in Murrhardt zu Besuch war ,erzählte mir ein älterer Mann, dass er auch Englisch verstehen würde und dass ,go ahead‘ aufhören heiße. Ich fragte ihn, woher er das wüsste, und er erzählte mir, dass einmal ein junges Mädchen mit ihrer Familie in Murrhardt Verwandte besuchte. Er hat sich mit dem Mädchen angefreundet, und sie saßen auf der Bank im Stadtgarten und schmusten. Sie sagte dann zu ihm ,just go ahead‘, worauf er prompt aufhörte und sie heimbrachte. Ich hatte nicht das Herz, ihm nach den langen Jahren zu erklären, dass ,go ahead‘ weitermachen bedeutet.

Und noch eine Erinnerung: Als ich noch in Murrhardt im Engel bei meiner Familie mithalf, kam oft ein Bauer zum Vespern. Er bestellte immer ein Stück Schinkenwurst von der Metzgerei Rose. Also musste ich über den Marktplatz laufen, um ihm seinen Wunsch zu erfüllen. Eines Tages fragte ich ihn, warum er denn nicht in die Rose zum Vespern ginge, um es einfacher zu haben. Da erwiderte er: ,Die haben so schartige Messer, da verreiß’ ich mir immer das Maul.‘

Da fällt mir noch ein: Ein junger Verwandter meines Mannes aus dem Harz studierte in Ludwigsburg Orgelbau. Ein Mitstudent war Bayer, den eines Tages der Professor streng korrigierte: ,Kerle, schwätz Hochdeutsch!‘ Alle Nichtschwaben fanden das herrlich.“ Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leser Gotthard Eitel aus Waiblingen: „,Do hot Katz lenks nom gsoicht.‘ Im Sinne von: Hochmut kommt vor dem Fall. Anlass war das 4:4 im Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Schweden nach zwischenzeitlicher 4:0-Führung der Nationalmannschaft.“

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