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Auf gut Schwäbisch Große Kleinkunst mit Ernst Mantel

Von Jan Sellner 

Schwäbisch kann manchmal ziemlich derb sein, manchmal jedoch auch sehr poetisch. Ernst Mantel, am Donnerstag zu Gast beim 14. „Auf gut Schwäbisch“-Stammtisch unserer Zeitung im Zeppelinstüble, zählt zu den feinen Mundartkünstlern. Und zu den Großen.

Stuttgart - „Bitte einmal Schwarzwurstring!“ Oder, um bei der originalgetreuen Aussprache zu bleiben: „I hätt gern die CD, wo der Schwarzwurschtreng druff isch!“ Ernst Mantel nimmt die Bestellung aus dem Publikum erfreut entgegen. Soeben hat er im Zeppelinstüble des Hotels Steigenberger Graf Zeppelin seinen mit „Schwarzwurschtring“ betitelten Klassiker zum Besten gegeben. Ein Bombenerfolg. Die 35 Stammtischbesucher bogen sich vor Lachen. Klar doch bei Zeilen wie „Schwarzwurschtring, du bischt mir älles andere als wurscht.“ Und bei seiner gewinnenden Art, Mundart mundgerecht zu servieren.

Natürlich ist der Schwarzwurschtring auch für Moderator Tom Hörner ein gefundenes Fressen. „Wer mag Schwarzwurst?“, ruft er in die Stammtischrunde. Viele Hände gehen in die Höhe. Die wenigen, die unten bleiben, ordnet er der „Veganer-Ecke“ zu, die Ernst Mantel auf kurz oder lang auch noch bekehren werde. Tatsächlich kann man sich Mantels Art, schwäbische Lieder vorzutragen, nur schwer entziehen. Er spielt mit dem Dialekt und bringt dessen schönsten Seiten zur Geltung.

Ein fünfminütiges „SCH“-Festival

Das ist harte Arbeit. In seiner Mundart-Werkstatt liegen viele halbfertige Stoffe. Der 59-Jährige schleift daran solange bis das Stück glänzt. Das gilt auch für seine gesprochenen Texte. Unter der Überschrift „Luschtige Linguischtik für Freizeit-Germanischten in der Diaschpora“ zelebriert Mantel ein fünfminütiges „SCH“-Festival, in dem Sätze vorkommen wie „I ben am Faschada – fascht dr ganze Tag scho“ oder: „Die Rüschtung vom Fürscht aus Aschturien aus derzeit der Reconquischda“. Das ist köstlich, das ist große Kunst. Doch Mantel winkt bescheiden ab. Sein Metier sei die Kleinkunst, sagt er.

Mit dieser hat er großen Erfolg – allein und seit vielen Jahren im schwäbisch-internationalen Duo mit Heiner Reiff als Ernst & Heinrich. Kongenial ist auch sein Zusammenspiel mit Werner Koczwra im „Vereinigten Lachwerk Süd“. Seit einiger Zeit tritt er zudem mit der Tobias Becker Big Band auf. Von Müdigkeit keine Spur. Der „Liedermacher, Komödiant und Schwabe“, wie er sich selbst nennt, sprüht vor Einfallsreichtum– und das nach 35 Jahren auf den Bühnen des Schwabenlandes und darüber hinaus. Längst besitzt er selbst eine. In seinem Wohnhaus in Laubach im Ostalbkreis, einem 70-Einwohner-Dorf, lädt der vierfache Familienvater regelmäßig in „Käsers Stall“. Ein anderer beliebter Spielort ist das Stuttgarter Renitenztheater, wo Mantel an diesem Sonntag (6. März) mit seinem Soloprogramm „Ha komm“ zu sehen ist (Beginn 19 Uhr; es gibt noch Karten).

„Man soll niemals nie sagen“

Und „die kleine Tierschau“, die im Dezember ihr Abschiedsvorstellung gab? Immerhin war Mantel 28 Jahre lang gemeinsam mit Michael Gaedt und Michael Schulig auf Tour. Irgendwann entwickelte und lebte man sich auseinander – künstlerisch wie menschlich. 2008 brach die Tierschau entzwei. „Wird’s irgendwann eine Wiedervereinigung der Comedy-Truppe geben?“, will Moderator Hörner wissen. Mantel schaut skeptisch. „Man soll niemals nie sagen. Aber ich kann’s mir zur Zeit nicht vorstellen. Wir sind künstlerisch unterschiedliche Wege gegangen.“ Mantels Weg ist der des feinsinnigen schwäbischen Humors. Ein Hochgenuss – auch wenn man nicht auf Schwarzwurst steht.

 

 

 

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