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Auf gut Schwäbisch Gedicht: „’s goht rom!“

StN, vom 08.02.2012 08:46 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Von Leser Wolfgang Schmid aus Nürtingen stammt diese schöne Geschichte:

„In den 50er und zum Teil bis Ende der 60er Jahre sah man bei uns in Nürtingen immer noch manche Bauern ihren Mist und die Ernte mit Pferde- oder Kuhfuhrwerken transportieren – hinter sich meist eine Autoschlange mit zemlich narrete Fahrern herziehend, was den Fuhrleuten aber wurscht war; sie hörten auf diesem Ohr ­oifach nix.

Eines dieser Pferdefuhrwerke, bespannt mit zwei schweren Kaltblütern, stand herrenlos vor meinem Elternhaus, auf dem hölzernen Loitrawaga ein randvolles, ebenfalls hölzernes Soichfass. Der Besitzer war zu einem ausgiebigen Frühschoppen in der nahen Wirtschaft eingekehrt. Irgend ein Witzbold l lockerte derweil am Soichfass henta da Soichhahna, und die ganze Sauerei lief in den Kandel und in den gozeidank nur wenige Meter entfernten Gully. Es stank erbärmlich und dauerte daher nicht lange, bis das auch ,dr Bollezei‘ auf seiner Fußstreife roch und vorbeikam, um nach der Ursache zu sehen.

Nun, den Besitzer des Corpus Delicti musste man nicht lang suchen; er war schnell gefunden, kam mit am Bollezei gut angeheitert aus der Wirtschaft und besah sich die Sauerei und seinen Schaden, denn das Soichfass war völlig leer gelaufen, 2500 Liter Soich, wertvoller Dünger. Das Bäuerle musste wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses ,fempf Mark‘ bezahlen, allerdings mit der Auflage, ,da Soich‘ und den Gully mit Wasser aus dem nahe gelegenen Neckar nachzuspülen. Der Bauer bezahlte, schrie aber da Bollezei an: ,Zom Dondrwettr abr au no mol! Wa glaubsch en du, wer de bisch? A halbs Johr omasooscht ­gsoicht, ond jetzat derfe au no drfier zahla und da halba Necker henderherleera! Des waarat fei drei deire Vieerdala hait Morga!‘“

Passend zur kalten Jahreszeit ein Gedicht von Leserin Mechthild Schmid aus Stuttgart:

’s goht rom

O, wie domm, es goht rom!

Gänshaut, Krächza, Huschta, Ächza,

Tropfafänger für den Zinka,

mit de Tempotücher winka,

literweis’ Erkältungstee,

’s tut oim oifach älles weh!

Koi gsonder Schlof me möglich,

mitmenschlich isch mr unverträglich.

D’Läda ronter, d’Auga zua,

mr will vor allem jetzt sei Ruah!

D’Bettfläsch kommt, statt wie’s dr Brauch,

auf dr Bruschtkorb statt dem Bauch,

für d’kalte Füass gibt’s warme Socka,

für dr Maga Haferflocka,

Vitamine, Kohl, Zitrone,

Pferfferminzla zom Belohna,

Salbei, gurgla, inhaliera,

dabei net den Mut verliera.

Bei allem fühlt mr sich ganz domm.

Jeder sagt es: „Leit’, ‚s ghot rom!“ Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leserin Heide Boger aus Mühlacker. Sie zitiert einen Spruch ihres Opas: „’s geht nex übers net Nochlassa!“ Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart , Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; ­E-Mail: land@stn.zgs.de

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