Auf gut Schwäbisch Fünf Mahlzeiten am Tag

StN, 08.02.2013 10:51 Uhr

Stuttgart - Der 2. Februar liegt nun doch schon etwas zurück, doch zu Mariä Lichtmess, das an diesem Tag gefeiert wird, ist immer noch nicht alles gesagt. Rolf Schippert aus Oberschlechtbach nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit:

„Auch bei uns hieß der Spruch: ,Lichtmess – Nachtess bei Tag ess.‘ Das tägliche Nachtessen gab es ab 19 Uhr, wenn die Stallarbeit getan war. Die täglichen Mahlzeiten waren: Morgenessen = Kaffee (aus Gerste mit Zichorie) oder Welschkornsuppe. Um 10 Uhr wurde gevespert: Backsteinkäs oder Luggeleskäs oder in Rahm eingehobelter Gugommer (je nach Jahreszeit) mit Holzofenbrot und selbst gemachtem Butter. Das Mittagessen stand um Punkt 12 Uhr auf dem Tisch. Deshalb auch der Ausspruch (heute kaum noch denkbar, d. Red.): ,Elfa – Weib’ koch – zwölfa ward’s doch.‘ Um 16 Uhr war Nachmittagsvesper. Hierzu gab es eigene Wurst mit Schwarzbrot. Um 19 Uhr folgte besagtes Nachtessen. Es waren also fünf Mahlzeiten.

Das Nachtessen bestand werktags meist aus einer Schüssel Milch, die mitten auf dem Tisch stand und in die jeder mit seinem Löffel hineinlangte. Daneben stand eine Schüssel mit frisch gekochten Kartoffeln, die jeder selbst mit dem Löffelstiel schälte und in die bereitgestellte Salzbüchse tunkte. Manchmal gab es auch ,Schwarze Brotsuppe‘. Lichtmess war auch der Tag, an dem früher das Gesinde wechselte.

Im Dienstbuch meiner Ururgroßmutter steht nicht das Datum 2. Februar, sondern der Satz: ,Lichtmess 1842 zum Bauern sowieso.‘

„Es gibt für keinen Tag so viele Sprüche wie zu Mariä Lichtmess“, schreibt Irmgard Abt aus Steinenbronn. „Bei uns zu Hause gab es Jahr für Jahr den ,Schwäbischen Heimat- und Bauernkalender‘. Darin fanden sich viele Sprüche und Bauernregeln. Auch sehr schöne schwäbische Geschichten über das Brauchtum standen darin.

Am Ende jeden Jahres war der Kalender so abgegriffen, dass man die Buchstaben fast nicht mehr entziffern konnte. Einige der Sprüche drehten sich um Mariä Lichtmess: ,Lichtmess verlängert dr Dag om Stond, für dr Mensch, d’ Vögel ond dr Hond.‘ Dass man trotz längerer Helligkeit noch einige Zeit mit den Vorräten auskommen musste, zeigt diese Bauernregel: ,Mariä Lichtmess – der Bauer muss sein Futter mess‘ oder: ,Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt’s noch sehr viel Schnee und Eis.‘“ Bei der Wiedergabe des gestrigen Weckle-Beitrags ist uns ein bedauerlicher Fehler unterlaufen. Der korrekte Name des Einsenders lautet Gerhardt A. Mürdter. Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Gisela Pfitzer aus Neuffen. Sie schreibt: „Wenn ich als Kind meinen Onkel besuchte und etwas schweigsam war, sagte er manchmal verschmitzt: ,Ja hosch denn du hait dei Maul en dr Schublad glau?‘“ Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften. Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, ­Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de

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