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Auf gut Schwäbisch Ein Haus, zwei Familien

StN, vom 19.01.2012 08:33 Uhr
Fachwerkhaus im Freilichtmuseum Wackershofen Foto: dpa
Fachwerkhaus im Freilichtmuseum Wackershofen Foto: dpa

Stuttgart - Noch immer erhalten wir Zuschriften zu dem Wort „Blätz“, das bei vielen Leserinnen und Lesern Erinnerungen weckt. Deshalb werden wir am Freitag nochmals einige Beiträge dazu veröffentlichen.

Heute eine geschichtliche Anekdote von Leser Willi Huttenlocher aus Vaihingen/Enz-Roßwag: „In Roßwag gibt es einige größere Fachwerkhäuser, die früher von jeweils zwei Familien bewohnt wurden. Es gab eine Haustüre und ein gemeinsames Treppenhaus. Vom Keller bis zur Bühne war alles genau geteilt. Für jede Familie gab es eine Küche, ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und manchmal noch eine Kammer oder ein Kämmerle. Auch die Scheunen war geteilt. Die Menschen lebten von der Landwirtschaft und vom Weinbau bescheiden und zufrieden. Man achtete sich gegenseitig als Hausmann und Hausfrau. Die Häuser stehen noch und werden heute von weit weniger Personen bewohnt.

Nur eines dieser Häuser musste dem Fortschritt weichen. In diesem Haus wohnte einst der August und auf der anderen Seite der Fritz – jeweils mit Familie. Im großen Scheunentor war eine Art Haustüre eingelassen, denn man musste über die Tenne in das gemeinsame Treppenhaus. Der August war ein ruhiger, ausgeglichener und friedliebender Mann. Der Fritz war etwas eckiger und kantiger veranlagt, aber gleichwohl ehrenwert. An irgendeinem Tag passte dem Fritz etwas nicht in seinem Tagesablauf und er fasste den August verbal etwas unsanft an, ließ ihn dann stehen und ging schnurstracks dem Scheunenausgang zu. Der Fritz war bass erstaunt, dass der August nicht einhakte und nichts erwiderte. Er konnte ihm nur noch nachrufen: ,Auguscht, du bisch z’ domm zom Hendla!‘“ Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leser Herbert Hauser aus Sindelfingen. Er schreibt: „Meine Cousine Ruth, Jahrgang 1923, musste nach der Schulentlassung, wie damals üblich, in Stelle (Haushalt) nach Stuttgart, um zu Hause ,ab der Kost‘ zu sein. Als sie nach einigen Wochen nach Hause kam und eine Anweisung ihrer Mutter nicht auf Anhieb verstand, fragte sie zurück: ,Wie bitte?‘ Darauf die Mutter: ,I hau dir oane a’d Gosch na, wenn du net ,hah‘ saga kascht (kannst).‘“ Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de

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