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Auf gut Schwäbisch Der Schneider und der Doktor

StN, vom 27.01.2012 16:48 Uhr
Pfarrer Foto: Petsch
Pfarrer Foto: Petsch

Stuttgart - Leser Martin Fischer aus Winnenden bezieht sich auf ein Gedicht, das wir am 29. Dezember veröffentlicht haben: „Dr Pfarrer kommt amol zu ma alte Mo . . .“ Leser Fischer schreibt: „Dieses Gedicht hat eine Tante von mir (Jahrgang 1882) noch mit 80 Jahren immer wieder zu unserer großen Freude vorgetragen. Verfasst hat es der Otto Gittinger (1861–1939), ab 1889 Pfarrer im oberen Murgtal. Die Bewohner dort und deren Dialekt hatten es ihm angetan. Leider verstanden nicht alle Mitteltaler Gittingers Humor, und es kam zu Verstimmungen. Er musste die Pfarrstelle wechseln. Über Hohenstaufen kam er nach Schwäbisch Gmünd, wo er evangelischer Stadtpfarrer wurde. Der Dialekt des oberen Murgtals ließ ihn auch in Gmünd nicht los. Die Krönung seines Lebens war die Übertragung des Neuen Testaments in diesen Dialekt. Eines meiner Lieblingsgedichte von ihm war die ‚Wonderkur‘:

A Schneider hot en Maga g’het,

der hot en all’weil druckt.

S’bescht Essa g’schmeckt

em Schneider net,

Es druckt an, kaum ischt’s g’schluckt.

Er goht zum Wonderdoktor nan

ond klägt sein Magaleid.

Der sait: „Des lot se macha, Man,

jo freile“, hot er g’sait.

Er schläft da Schneider ein, ond schnell

nemmt er sein Maga raus

ond wäscht en draußa-n-an der Quell

em frischa Wasser aus.

No hängt er’n an sein Gartahag

en d’Sonn a wenga nan,

daß do der traurisch Schneidersmag

so recht verlufta kan.

Kaum hangt er do em Sonnaschein,

no sprengt a Hond derher,

ond schnappt den Schneidersmaga nein,

wia wann’s a Knackwurst wär.

Was taun?! Jetzt macht der

Doktor schnell

sein alta Gaisbock hein

omd setzt em Schneider uf der Stell

da Gaisamaga-n-nein.

Ond wia der Schneider ischt erwacht,

no ischt er wieder g’sond.

Glei packt er an ond ißt ond lacht,

mer sait em’s net vom Hond.

Jetz, wann mer’n frogt, wia’s

bei-n-am steh,

heißt’s: besser, als mer glaub,

bloß wann er so dur d’Hecka geh,

no g’luscht’s an arg noch Laub.“

Martin Fischer fügt hinzu: „Von der besagten Tante erbte ich zwei Originalgedichtbändchen von Gittinger. Die hatte ich mal ausgeliehen und leider nicht mehr zurückbekommen. Als kleine Entschädigung konnte ich jetzt die gesammelten Gedichte im Internet finden.“ Der Spruch des Wochenendes kommt von Leser Hans Hägele aus Schwäbisch Gmünd: „,Ma ka sich au deischa‘, hoat dr Gockel gsait, wo er uf dr Ent gsessa ischt.“ Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de

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Des machsch bloß pur passledang!
Schwäbisch-französisch gehts ins Wochenende. Frau Ehehalt verdanken wir eine gelungene Zusammenschau.
2000 Wörter sen a Feschtessa
Dieter Auch aus Ditzingen hat einen „Grundkurs Schwäbisch“ verfasst. Hier Auszüge daraus.
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