Auf gut Schwäbisch Der Giebel der Nation

stn, 04.01.2013 00:00 Uhr

Im Dezember haben wir mehrere Beiträge und Anekdoten rund um den ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss veröffentlicht – aber nicht alle. Einige weitere wollen wir nachreichen. Die erste stammt von Elisabeth Breitkopf aus Stuttgart-Untertürkheim: „Als wir Kinder waren und Ende der fünfziger Jahre in die Mühlbachhofschule gingen, machten wir einen Umweg über die Skiwiese. Dort saß oft der ,Papa Heuss‘ ganz alleine auf einer Bank, links und rechts waren oft alle Bänke belegt. Aber keiner wollte neben ihm sitzen (oder wagte sich). Wir gingen einzeln oder zu zweit an seinem Bänkchen vorbei und begrüßten ihn mit: ,Guten Tag, Papa Heuss.‘ Worauf dieser immer antwortete; ,Grüß Gott, Kinderle‘, wann immer wir vorbeigingen. Das hat uns viel Spaß gemacht.“

Inge Stoll aus Stuttgart erinnert sich: „Anfang der fünfziger Jahre wurde Theodor Heuss bei der legendären historischen Rottweiler Fasnet erwartet. Unsere Hauszeitung, der ,Schwarzwälder Bote‘ in Oberndorf/Neckar, hatte schon Tage zuvor über dieses Ereignis berichte. Auch alle Schulkameraden meines Mannes (Jahrgang 1940) hatten beschlossen: ,Do ganged mir na ond guged den Heuss a mole von nähem a!‘ Am ,Dralores-Platz vor dem Gasthaus Kanne in Trichtingen war Abfahrt per pedes ins zwölf Kilometer entfernte Rottweil. Am ,Schwarzen Tor‘ standen einigen Hundert ,G’schellnarren und lokale Fasnetsfiguren. Unweit davon stand Heuss im Erkerzimmer eines Fachwerkhauses. Die Narren warfen wie wild Orangen in seine Richtung. Diese landeten jedoch nicht bei Heuss, sondern auf dem Gehweg. Die Trichtinger Buben, die nur die Äpfel aus dem heimischen Garten kannten, hätten zu gerne eine heile Orange gehabt. Es gab an diesem Tag aber nur ,hainige‘.“

Von Frank Weinmann aus Eberdingen stammt dieser Beitrag: „Die Reden unseres ersten Bundespräsidenten waren ja immer leicht schwäbisch angehaucht. So wird berichtet, dass auf ,Papa Heuss‘ am Ende einer Rede ein Mann (des Schwäbischen nicht mächtig) zukam und sich beklagte, dass der Herr Bundespräsident schon sehr hochnäsig und eingebildet sei, wenn er vor so vielen Zuhörern behaupte, er sei ,Gottes Giebel der Nation‘. Heuss erwiderte ihm in aller Ruhe, das habe er nicht gesagt, sondern er hätte zum Ausdruck gebracht, er sei der ,Kotzkiebel dr Nation‘.“ Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Ralf Gneiting aus Oberboihingen: „Oins woisch gwies, en Agger isch koi Wies.‘“

 
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JAN
18
PETER MEZGER, 04:42 Uhr

LEHRZEIT 1955 FFIRMA KOELLE ESSLINGEN,LEHRLING.

ALS LEHRLINGE MUSSTEN WIR AM MORGEN IN DER FABRIK MIT EINEM ZETTEL HERUMGEHEN UND DIE FRUEHSTUECKSWUENSCHE DER ARBEITER AUFNEHMEN.EIN ARBEITER,KEIN SCHWABE,SAGTE MIR DASS ER EINE TUETE BOMBOLE WILL.ABER ER WUSSTE NICHT GENAU DIE MARKE.DAS GUEKLE HAETTE EINE KUH DRAUF. NACHDEM ICH IM LADEN NICHTS GEFUNDEN HATTE DACHTE ICH JETZT BRINGST HALT ETWAS ANDERES MIT.JETZT HAT DER DO WIAD SAU.ER WOLLTE DIE BOMBOLE MIT DER KUH DRAUF.ALS ER IMMER NOCH NICHT AUFHOERTE VON DER KUH AUF DEM GUEKLE ZU SCHWAEZEA.HABE ICH IHM AUF GUT SCHWAEBISCH GESAGT ER SOLL MICH DOCH AM ARSCH LECKEN. NATUERLICH WAR DAS FUER EINEN NICHTSCHWABEN EINE GROSSE BELEIDIGUNG UND HATTE MICH BEI DEM LEHRLINGSMEISTER HERR HOLDER ANGEZEIGT.DER HATTE MICH DANN GEHOERIG ZUZAMMENGESTAUCHT.ABER IMMER HAT DER KERLE NOCH VON DER KUH AUF DER TUETE GESPROCHEN.ENDLICH WAR ER WEG. DANACH HAT DER MEISTER GESAGT:DER KOENT MI AU AM ARSCH LECKA.

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