Auf gut Schwäbisch Botnang und Feuerbach

StN, 29.11.2012 16:26 Uhr
Der fröhliche Disput um die Feuerbacher beziehungsweise Botnanger Hymne findet seine Fortsetzung mit einem Beitrag von Ingrid Dettinger.

Stuttgart - Der fröhliche Disput um die Feuerbacher beziehungsweise Botnanger Hymne findet seine Fortsetzung mit einem Beitrag der Feuerbacherin Ingrid Dettinger. Sie schreibt: „Nie habe ich das schöne Liedle (Fern von Dir, geliebter Jakob“) als ,Feuerbacher Lied‘ vereinnahmen wollen. Ob die Botnanger Buabe dene Feuerbächer hättet zaige kenne, wo dr Bartel dr Moscht holt, isch aber arg fraglich. Nach Erzählungen meines Vaters, Jahrgang 1908 und eigentlich ein grundgütiger Mann, gab es in seiner Jugend tatsächlich Rivalitäten, auch handgreifliche, zwischen Botnangern, Feuerbächern, Zuffenhäusenern, also das ganze Feuerbacher Tal entlang. Dabei seien so markige Sprüche gefallen wie ,I hau die ogschpitzt en Boda nei, dass de dr Hergott mit der Beißzang rausziaha ka‘ oder ,Wenn net glei ruhig bisch, griagsch oine uff d’ Nas, dass du en d’ Straßabahscheana naibascht‘.

Aber nun noch direkt etwas zur Rivalität zwischen Botnang und Feuerbach: In dem von mir sehr geliebten ,Was in Feuerbach die Amseln pfeifen‘ wird vom Eichelsack der Magd des Botnanger Pfarrers berichtet, der von Feuerbächern gestohlen wurde. Dazu der Kanzelspruch des Botnanger Pfarrers:

,O Feuerbach, du Lumpenpack,

Hast meiner Magd den Eichelsack

Im Kräherwald gestohlen

Der Teufel soll dich holen.‘

Da schließt sich auch der Kreis zwischen dem Totengräber, dessen Ehefrau, einer Schweinehirtentochter, die über das vorzügliche Mästen mittels Eicheln sicher gut Bescheid wusste, und dem ,Jescht‘ über den Diebstahl. Glücklicherweise vertragen wir uns inzwischen besser, so dass jetzt sogar gemeinsame Weihnachtsfeiern von Botnangern und Feuerbächern möglich sind.“ Ingrid Dettingers Fazit: „So kommt man über Ausscheidungen (Lacha) beziehungsweise Dreck (Lätta) zum vergnüglichen Meinungsaustausch.“ Zum Thema Schmecken schreibt Nora Graetke aus Zuffenhausen: „In den sechziger Jahren wohnte mein Mann als Student in Untermiete in der Gegend von Sigmaringen. Eines Tages teilte ihm seine Vermieterin mit: ,Ihren Wäschlompe han i weg doe, der hot gschmeckat.‘ Dem Studiosus aus Norddeutschland sträubten sich die Haare bei dem Gedanken, dass die gute Frau in seinen Waschlappen gebissen hatte.“

Dazu auch der Beitrag von Ruth Stroh aus Schwäbisch Gmünd: „Vier Frauen liegen mit Knochenbrüchen im Krankenhaus. Als das Mittagessen gebracht wird, leeren die Schwäbinnen mit Genuss ihre Teller. Die Norddeutsche, a Raigschmeckte, fragt freundlich: ,Na schmeckt’s?‘ Darauf die Antwort: ,I schmeck net lang. I iss glei.‘ Im selben Zimmer klagte die eine Patientin: ,I schwitz so gern unter de Ärm.‘ Darauf entsetzt die Norddeutsche: ,Auch noch gerne tun Sie das!‘“

Zum gestrigen Beitrag über Theodor Heuss bemerkt Dieter Lautenschläger aus Weinstadt-Endersbach: „Als ich den Ausspruch ,. . . wo ich hier mal schiffen kann‘ gelesen habe, ist mir ein weiterer Spruch von Papa Heuss eingefallen. Auf das Weintrinken und die Menge angesprochen, die man trinken kann, soll er gesagt haben: ,Das isch keine Frage der Kondition, sondern eine Frage der Kanalisation.‘“ Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Hansjörg Herb aus Weinstadt: „An Schnaps ond en d’ Hos gschissa gibt net lang warm.‘“

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