Auf gut Schwäbisch Beblinger Fiaß, Stuagarter Schua

StN, 30.01.2013 14:10 Uhr
Zwei kurze Beiträge noch zum Thema Stuttgart beziehungsweise zur Wahrnehmung der Landeshauptstadtbewohner von außerhalb.

Stuttgart - Zahlreiche Zuschriften haben uns zum Hecker-Sprüchlein vom vergangenen Samstag („Hecker, spreng über d’ Äcker, spreng über d’ Au, spreng de alde Weiber nau“) erreicht. Christine Höllwarth aus Leutenbach schreibt: „Ich kenne den Spruch noch in einer anderen Version: Wenn man den ,Hecker‘ (Schluckauf) hatte, hielt man sich die Nase zu und sagte: ,Hecker, spreng über dr Necker, spreng über dr Rhei’ ond hagl (fall) mittla dranei.‘“ Eine andere Variante kennt Heinz Matheis aus Stuttgart-Mühlhausen: „Häcker die Gäcker, spreng über dr Necker, spreng über dr Rhei’, fall mittle dranei.“ Bei Rolf Körber aus Eberdingen springt der Hecker nicht über den Necker, sondern er geht („gang über dr Necker“). Bei Sabine Dettinger aus Weil im Schönbuch fliegt er („fliag über dr Necker“). Sie rät: „Tief Luft holen und beim langsamen Ausatmen so oft wie möglich den Spruch sagen. Es hat eigentlich immer funktioniert. Probieren Sie es aus!“ Herzlichen Dank auch an Hans Bauer aus Illingen, H. Flammer aus Balzholz, Sigrid Kreuzhage aus Waiblingen und Renate Rother aus Luginsland für ihre Hecker-Beiträge.

Zur Herkunft des Spruchs schrieb Kollege Arnold Rieger bei früherer Gelegenheit: „Er geht auf den badischen Revolutionsführer Friedrich Hecker (1811–1881) zurück, der im Frühjahr 1848 zum bewaffnete Umsturz aufgerufen hatte. Wenn sich jemand ,heckerisch‘ benimmt, bedeutet das im Rheintal noch heute so viel wie unruhig, aufrührerisch oder nervös. Dass die Württemberger den Revolutionsführer über den Rhein wünschen, also zu den Franzosen, ist geschichtlich durchaus begründet. Der Aufruhr nahm schließlich im Winter 1848 in Paris seinen Anfang. Die württembergischen Schwaben waren jedoch nicht so auf Krawall gebürstet und schon zufrieden, dass ihr König die herrschaftlichen Zügel ein wenig lockerte.“

„Was ist ein Gugommer?“, rätselte ein (schwäbisches!) Redaktionsmitglied bei der Lektüre des gestrigen Tagesspruchs (Hoscht Durscht? No schlupfsch en a Wurscht. Hosch Honger? No schlupfsch en an Gugommer“). Hier die Übersetzung: Gugommer ist eine Gurke. Helga Schmidt aus Herrenberg kennt den Spruch so: „Bei uns hieß es ,hasch Durscht? Nau schlupfsch en a Wurscht. Hasch Honger? Nau sprengsch wie a Dommer.“

Zwei kurze Beiträge noch zum Thema Stuttgart beziehungsweise zur Wahrnehmung der Landeshauptstadtbewohner von außerhalb. Birgit Kamtmann aus Mühlacker schreibt: „Wenn es in Mühlacker gewitterig wurde, pflegte meine Großmutter zu sagen: ,Des Gwitter soll zu dene nach Schtuagert, doa hend se Zeit zum Schirm rumtrage!‘“

Aus Böblingen schreibt Gerlinde Sachs: „Wir hatten früher ein Schuhgeschäft, da fiel oft der Spruch bei einer Kundin mit sehr breiten Füßen: ,Die (Frau) hat Beblinger Fiaß und moint, se ka se in Stuagarter Schua drucke.‘ Eine unserer Verkäuferinnen, die aus Hessen stammte, kannte den Spruch folgendermaßen: ,Meenzer Schuggelscher on Mombacher Fiiß.‘“ Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Alfred Wagner aus Sindelfingen: „Als Bezeichnung für einen unzuverlässigen und umständlichen Menschen sagte man in meiner Jugendzeit: ,Der taugt vor koi Hährloch na!‘ Das Hährloch war die Öffnung vom Hühnerhof zum Hühnerstall, das es wegen der Marder oder Iltisse zu schützen galt.“ Alfred Wagner fügt hinzu: Bei Anbruch der Dunkelheit wurde das Hühnerloch zum Schutz gegen diese Tiere mit einem Schieber verschlossen. Somit waren die Geflügelhalter gezwungen, rechtzeitig zu Hause zu sein. So endete manch sonntäglicher Besuch von Bauersleuten mit den Worten: ,I muaß hoim ond dr Hährschieber zuamacha.‘“

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