Was machen Sportler heute, die vor vielen Jahren Geschichte(n) geschrieben haben? In unserer Serie gehen wir auf Spurensuche. Heute: Armin Hary (72), der 1960 Sportgeschichte schrieb, weil er als erster Mensch die 100 Meter in 10,0 Sekunden lief.
Wenn es morgens noch ganz ruhig ist im Wald, geht Armin Hary mit seinen Hunden spazieren. Es ist die Zeit, in der er sich erholt. Birdie und Caddy heißen die Tiere - das sind Begriffe aus dem Golfsport. Sonst erinnert im Leben des Leichtathletik-Olympiasiegers (Rom, 1960) nur wenig an sein Hobby. Weil er kaum noch Zeit hat, ist es schon zwei Jahre her, dass er einen Golfschläger in der Hand hatte.
Armin Hary spricht bewundernd von seinen Hunden - weil sie so aufmerksam sind und den ganzen Tag nur arbeiten wollen. "Bewunderung ist die höfliche Anerkennung für diejenigen, die uns ähnlich sind", hat der amerikanische Schriftsteller Ambrose Bierce einmal gesagt. Und tatsächlich: Armin Hary ist so ähnlich wie seine Border Collies. Er hört vielleicht nicht so gut - zumindest nicht auf Sportfunktionäre -, aber arbeiten, das muss auch er. 2004 hat der gelernte Kaufmann eine Initiative gegründet. Er kümmert sich darum, dass Talente aus sozial schwachen Familien finanziell unterstützt werden. Harys Stimme wird laut, wenn er davon spricht, wie wichtig es für den Nachwuchs ist, dass er sich bewegen kann. "Wir dürfen unsere Kinder nicht vernachlässigen", sagt er. Ziel der AHA-Förderung ist es, bundesweit auf kommunaler Ebene lokale Sportvereine und Unternehmen zusammenzubringen, um dann aus den einzelnen Kommunen bedürftige Sporttalente zu fördern. "Wir müssen versuchen, denjenigen Kindern zu helfen, die aus ihrer Gesellschaftsschicht rauswollen", sagt Hary. Über zwölf Stunden am Tag arbeitet Hary - er spricht bei Vorständen vor und versucht, die Menschen von seiner Idee zu überzeugen. Die Ärzte raten dem Mann, der 1960 als erster Sprinter die 10,0-Sekunden-Marke berührte, dass er langsam machen soll. Aber das kann Hary nicht. Es sei schrecklich für ihn, wenn er jeden Morgen nach dem Aufstehen aus Langeweile zwei Zeitungen lesen müsste, um dann darauf zu warten, dass jemand anruft und fragt, ob man zum Skifahren ginge. "Darüber würde ich alt werden. Und so rede ich nur davon und denke nicht nach, was ich spreche", sagt er und fügt an: "Bis zum letzten Atemzug will ich arbeiten." Könnten Birdie und Caddy sprechen, sie würden sich wohl ähnlich äußern.