In 14 Tagen feiert Meißen, die Fellbacher Partnerstadt in Sachsen, Weinfest. Die Meissnischen Weinbrüder und -schwestern sind schon gut in Form. Mit jeder neuen Flasche Wein, die Kellermeister Werner Seibold entkorkte und den Gästen kredenzte, stieg die Stimmung im Amandus-Saal. Um sich einen umfassenden Eindruck vom Fellbacher Rebensaft zu machen, hatten die Gäste schon den Wengerter Rainer Schnaitmann besucht. Den Tag ließen sie in der neuen Kelter der Weingärtnergenossenschaft ausklingen - mit einer Kellereibesichtigung und anschließender Weinprobe mit Blick auf den Kappelberg und Proben eines 2009er Lämmler Rieslings "P", 2008er Pinot Meunier "S" oder 2007er Goldberg Lemberger "P" im Glas.
Froh waren sie, die 31 Mitglieder und Freunde der Meissnischen Weinbruderschaft, dass sie ihre jährliche Weinreise nun endlich auch mal ins Schwabenland führte. Am Samstag sind die Sachsen auf der Tour "Württemberg-Franken/Taubertal" nach Fellbach gekommen. Einzelne unter ihnen seien schon in der Partnerstadt gewesen, sagte Hans-Jürgen Creutz, der Erste Bruderschaftsmeister: "Aber als Weinbruderschaft waren wir noch nie hier."
1997 formierte sich die Weinbruderschaft mit dem Ziel, das Wissen um den Wein zu vertiefen. 35 Mitglieder aus Meißen und aus Leipzig hat der Verein, darunter Winzer, die Sächsische Winzergenossenschaft, deren Vorsitzender Lutz Krüger zum Anstoßen mitgekommen war, und weitere, die sich als Botschafter des sächsischen Weinbaus eignen. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand. Kenntnisse über Wein werden vorausgesetzt, dazu ein gewisser Konservatismus. "Wir legen Wert darauf, dass das Typische der Rebsorten erhalten bleibt", sagte Hans-Jürgen Creutz. Der Erste Bruderschaftsmeister hält nichts davon, Weine mit gehöriger Restsüße zu produzieren, nur weil es der Markt verlangt. In Sachsen seien die Weine traditionell sehr trocken, was wegen des Publikumgeschmacks aber schon aufgeweicht werde. Mehr als die Hälfte der Winzer bei ihnen richte sich nach dem, was verlangt werde, klagte Creutz. Ihm wäre lieber, die Weinmacher würden ihre Stärken kultivieren. Etwa den Trollinger. "Den sollten sich die Schwaben als Vesperwein unbedingt erhalten."
Die Meissnische Bruderschaft unterstützt Pflege, Erhaltung und Förderung der Weinkultur im Sächsischen, besonders dem Meissnischen Gebiet, wie die Region im sächsischen Elbland einst hieß. Es sei eine typische Weißweinregion mit vielen Steillagen, der die Bruderschaft ihren Namen verdanke, sagte Hans-Jürgen Creutz. "Hauptsorte ist der Müller-Thurgau, Riesling und Burgunder wachsen bei uns weniger." Als der Kellermeister Werner Seibold den Grauburgunder vorstellte, leuchteten die Augen des Ersten Bruderschaftsmeisters. Grauburgunder zählt zu den Lieblingssorten von Hans-Jürgen Creutz. Die Fellbacher Variante mundete ihm. "Das ist ein Wein, der ein schönes Bouquet und einen gehaltvollen Abgang hat."